„Nur eine kleine Hilfe“

Stendals Gastronomie bereitet sich auf Neustart nach Corona vor

+
Das Geschäft steht nicht still: Tobias Wesemann, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, und Aushilfe Ada Dranguet haben mit dem Außerhaus-Verkauf zu tun.

Stendal – Einiges ist schon vorbereitet. Restaurantinhaberin Britt Buschke hat in ihrem Lokal an der Frommhagenstraße auf jeden zweiten Tisch ein Schild gestellt. „Diesen Tisch bitte nicht besetzen“, ist darauf zu lesen.

Auch weil wegen der Schutzmaßnahmen Platz fehlt, wird sie nicht sofort auf volle Leistung gehen können – erst recht nicht zum 18. Mai.

Während des Lockdowns hatte sie schnell die Speisekarte reduziert und auf Außerhaus-Verkauf umgestellt. „Ich habe an meine Leute gedacht, die auf das Geld angewiesen sind“, erklärt sie. Trotz der schnellen Maßnahmen habe sie den Betrieb um rund 80 Prozent herunterfahren müssen. Ein möglichst schnelles Zurück zum Normalzustand sei jedoch nicht möglich. Dafür fehlen der Platz und, so die Befürchtung, auch die Gäste. „Viele haben noch Angst“, gibt sie zu bedenken. Deshalb werde sie zunächst mit verkürzten Öffnungszeiten starten und ihre Gäste in zwei Schichten ab dem 22. Mai zu empfangen, um ihnen einen möglichst normalen Restaurantbesuch zu ermöglichen. Eine vorzeitige Öffnung zum 18. Mai zu beantragen, schließt sie aus. „Da komme ich mir vor wie ein kleines Kind, das um Erlaubnis fragen muss“, erklärt Buschke ihren Standpunkt. Außerdem fühle sie sich nicht gleichberechtigt behandelt. „Andere Geschäfte mussten auch keinen Antrag stellen, um zu öffnen?“ Wieso es den Gastronomen im Vergleich so schwer gemacht werde, könne sie nicht nachvollziehen. Als bessere Alternative hätte Buschke es gesehen, wenn der Landkreis zu den Restaurants gekommen wäre, um sich einen Eindruck von den getroffenen Schutzmaßnahmen zu verschaffen – und gegebenenfalls Tipps zur Verbesserung gegeben hätte.

Dass die Stadt anbietet, Gastronomen die Sondernutzungsgebühren, wenn sie beispielsweise Sitzplätze im Freien anbieten, zu erlassen (AZ berichtete), sei auch nur eine kleine Hilfe für Geschäfte, die nicht direkt in der Innenstadt liegen.

Die Einschätzung bestätigt auch Stadtpressesprecher Armin Fischbach auf AZ-Nachfrage. In Randgebieten werde diese Möglichkeit wenig bis gar nicht genutzt. Für Innenstadtgeschäfte kämen jedoch relevante Beträge zusammen. Pro Quadratmeter und Monat würden Geschäftstreibenden so während der Sommersaison Kosten von bis zu zwei Euro pro Quadratmeter und Monat erlassen. In der Breiten Straße kommen weitere zwei Euro Aufschlag dazu. Mit der Maßnahme soll Gastronomen nicht nur die Möglichkeit gegeben werden, trotz Platzproblemen mehr Gäste zu empfangen. Auch die Übertragung von Erregern ist im Freien schwieriger als in geschlossenen Räumen. So sollen möglichst unkompliziert neue Möglichkeiten geschaffen werden, denn auch Orte, die sonst nicht zur Verfügung stehen, wie der Marktplatz, würden angeboten. Angefragt sei dieser jedoch noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare