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Stendals Ehrenbürger Prof. Kaschade verdaut Crash

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Von: Marco Hertzfeld

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Prof. Hans-Jürgen Kaschade zeigt die Krücken, die er nach dem Unfall nutzte.
Mit den Krücken der vergangenen Wochen lässt sich Prof. Hans-Jürgen Kaschade nur ungern ablichten. So ganz überflüssig scheinen sie dieser Tage aber auch noch nicht. © Marco Hertzfeld

Die Unfallstelle Mitte Juni hatte noch Schlimmeres vermuten lassen. Stendals Ehrenbürger Prof. Hans-Jürgen Kaschade will den Crash am liebsten vergessen.

Stendal – „Die Krücken brauche ich nicht mehr“, beteuert Prof. Hans-Jürgen Kaschade. 81-Jähriger nach Verkehrsunfall bei Arendsee schwer verletzt ins Seehäuser Krankenhaus gebracht, schrieb die AZ so oder ähnlich Mitte Juni. Dass es sich bei diesem Mann um den Ehrenbürger der Hansestadt Stendal handelte, wussten damals die wenigsten Menschen. Kaschade berichtet dieser Zeitung von schmerzhaften Prellungen vor allem im Hüftbereich, mehr will und kann er in diesem Moment nicht preisgeben. Eine befreundete Akademikerin habe bittersüß davon gesprochen, dass es eine ideale Gelegenheit gewesen wäre, zu sterben. Im Juli feierte der Niedersachse und Wahlaltmärker seinen 82. Geburtstag.

82-Jähriger bangt um Fahrerlaubnis

Dass er den Crash am 15. Juni verursacht hat, daran lässt der Gründungsrektor der Hochschule in Magdeburg und Stendal keinen Zweifel. „Ich habe richtigerweise angehalten, das weiß ich noch. Doch den Lkw von der Seite habe ich nicht oder nicht rechtzeitig gesehen.“ Freiwillig wolle er den Führerschein mit 82 ganz nicht abgeben „Dann muss ich aus Hohenvolkfien wegziehen.“ Kaschade im Landkreis Lüchow-Dannenberg besucht regelmäßig die Altmark. „Bis nach Stendal sind es 105 Kilometer, lange Strecken wie diese fahre ich nicht mehr allein, sondern lasse mich fahren. Kurze Strecken wie etwa jene zum Einkaufen müssen einfach erlaubt sein“, findet der 82-Jährige und lächelt.

Lange Strecken für ihn selbst nun tabu

Der VW Polo des scheinbar Nimmermüden ist nur noch Schrott. Es gibt noch andere Fahrzeuge im persönlichen Bestand. „Seit 60 Jahren bin ich im Prinzip unfallfrei unterwegs gewesen. Okay, es gab einmal einen Punkt wegen zu schnellen Fahrens. Doch grundsätzlich habe ich nie einen größeren Schaden angerichtet oder war davon betroffen.“ Der Lkw-Fahrer im Juni auf der B 190 hatte noch gebremst, vergebens. Der Aufprall konnte demnach nicht verhindert werden. Den Gesamtschaden bezifferte die Polizei auf rund 20.000 Euro. Er habe sich einigermaßen erholt, der Unfall werde ihn aber sicherlich noch länger beschäftigen, daraus macht Kaschade im Gespräch mit der AZ keinen Hehl. An diesem Tag nimmt sich Stendals Ehrenbürger das erste Mal wieder so richtig Zeit, Bücher in der Tauschzentrale an der Weberstraße zu sortieren. Insgesamt wolle er wirklich kürzertreten. Andere könnten sich noch stärker nicht zuletzt in der Kaschade-Stiftung engagieren.

Kaschade ist seit fast genau fünf Jahren Ehrenbürger der 40.000-Einwohner-Kreisstadt. Über das Literaturhilfswerk Stendal brachte er deutschsprachige Bücher vor allem nach Osteuropa. Der Professor und dessen Ehefrau Hermine riefen besagte Stiftung ins Leben, über die kleinere und mittlerer Projekte gefördert werden. Der studierte Sozialpädagoge war auch einige Zeit Geschäftsführer des Existenzgründerzentrums BIC in Stendal. Der Professor gilt als mehrfacher Millionär. Selbst als Unternehmer tätig war und ist dieser Mann unter anderem im Fensterbau.

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