Wenn Schmierfinken extrem provozieren

Stendals Anti-Kripo-Pöbelei könnte auch politisch motiviert sein

Eine der ersten vulgären Schmierereien befand sich am Stadtarchiv. Auch ihre Entfernung kostete Geld.
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Eine der ersten vulgären Schmierereien befand sich am Stadtarchiv. Auch ihre Entfernung kostete Geld.

Stendal – Auch mehr als drei Jahre nach den ersten Schmierereien hat Justitia noch keinen Strich gezogen. „Fick die Kripo“ pöbelte es Ende 2016 das erste Mal von öffentlichen und privaten Fassaden in Stendal.

Die Ermittlungsakten der Polizei liegen seit dem Frühjahr vergangenen Jahres bei der Staatsanwaltschaft.

Nach wie vor gibt es fünf Tatverdächtige, vier sind um die 20, einer Mitte 30. Die Jüngeren sollen einer Gruppierung angehören. Inwieweit diese auch politisch getrieben sein könnte, darüber wurde in sozialen Netzwerken immer wieder einmal diskutiert. Thomas Kramer, Sprecher der Behörde, möchte sich nicht an derartigen Spekulationen beteiligen. Wobei: Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ist einer der Tatvorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft geht von mehr als 50 Schmierereien im Zeitraum von Dezember 2016 bis Juni 2018 aus, gar nicht so selten sollen sie auch noch mit einem kleinen Hakenkreuz versehen worden sein. Mit einem vulgären Schriftzug bedacht waren beispielsweise auch das Uenglinger Tor, eines der Wahrzeichen der Hansestadt, und das Stadtarchiv.

Darin erklärt sich auch der Vorwurf einer gemeinschädlichen Sachbeschädigung, Denkmäler und ähnliche Objekte sind im Strafgesetzbuch noch einmal besonders geschützt. Nicht alle Sprühattacken in der Stadt sind mittlerweile entfernt. Inwieweit noch Hasstiraden dazu gekommen sind und das womöglich von irgendwelchen Trittbrettfahrern, lässt sich für den Außenstehenden nur schwer sagen.

Werden die vier Männer angeklagt und landet der Fall vor Gericht, kommt laut Kramer maximal das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Der Grund liege auf der Hand: Das Alter zur Tatzeit. Den jungen Leuten drohen Arrest, Arbeitsauflagen oder ähnliche Maßnahmen. Den älteren Mann begreift die Ermittlungsbehörde offenbar mehr als Einzelnen, in welcher Beziehung er zu den anderen steht, scheint noch immer nicht abschließend bewertet. Wegen Sachbeschädigung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung könnte er zu einer Geldstrafe oder einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt werden. Sein Verfahren soll abgetrennt werden, um es dann möglichst bald beenden zu können.

VON MARCO HERTZFELD

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