Schaffer führt persönliche Gründe an

Endlich Konsequenzen nach drei Skandalen: Stendals Amtstierarzt tritt zurück

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Bilder der „Soko Tierschutz“stehen in der Kritik.

mei Stendal. Der Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Stendal, Dr. Thoralf Schaffer, ist von seinem Amt zurückgetreten. Das bestätigte der Landkreis am Dienstag auf AZ-Nachfrage.

Zugleich betont Kreis-Sprecherin Angela Vogel, dass der Rücktritt „nicht im Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen“ stehe, sondern in erster Linie persönlicher Natur sei. Schaffer habe den Landrat ersucht, ihn aus persönlichen Gründen von seinen Aufgaben als Amtsleiter zu entbinden. Der Landrat habe diesem Wunsch entsprochen, sodass es zum 1. Januar 2019 einen Wechsel an der Spitze des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes geben werde.

Die „Soko Tierschutz“ sieht sehr wohl einen Zusammenhang mit den „drei Skandalen dieses Jahres“ (siehe Infokasten), die sie bundesweit öffentlich gemacht hat. „Endlich Konsequenzen nach so viel wegsehen und vertuschen“, konstatieren die Tierrechtler, die die Frage aufwerfen, ob Schaffer seinem Rauswurf vielleicht zuvor gekommen ist. „Diese Behörde braucht einen echten Neuanfang – im Interesse der Tiere und Menschen“, so die Soko weiter.

„Der Landkreis hat in den vergangenen Monaten ein trauriges Bild abgegeben“, meldete sich am Dienstag auch Arno Bausemer für die Junge Alternative, die Nachwuchsorganisation der AfD im Landkreis, zu Wort. Das Wegsehen des Veterinäramtes habe das Misshandeln der Kühe und Verenden der Büffel „mindestens begünstigt“. Der Tangermünder AfD-Stadtrat Dirk Schulz hofft, dass der Wechsel an der Spitze des Veterinäramtes „hoffentlich ein ernst gemeintes Signal“ sei.

Drei Fälle haben in diesem Jahr im Landkreis Stendal bundesweit für Aufsehen gesorgt und das Veterinäramt in die Kritik gebracht:

In einem Betrieb in Demker (bei Tangerhütte) hatte die „Soko Tierschutz“ im Mai 2018 Videos von misshandelten, vernachlässigten und verendeten Tieren gedreht, woraufhin der Landkreis Stendal Kontrollen vorgenommen und „nichts Wesentliches“ zu beanstanden hatte. Später wurde das Videomaterial bestätigt. Betreiber der Anlage mit 700 Tieren ist ein holländisches Ehepaar.

Im September waren im Naturschutzgebiet Elsholzwiesen bei Buch (Tangermünde) drei Wasserbüffel (laut offiziellen Angaben) ertrunken. Die Tiere hatten sich im Wasserbad befunden und offenbar einen alternativen Ausstieg gesucht. Der Landkreis kam zu dem Schluss, dass das Wasserband vier geeignete Ausstiege hatte und die Suche nach der Alternative offenbar zu der Gefahrensituation und damit zum Tod der drei Tiere geführt habe. Fehler in der Tierhaltung durch den Naturschutzbund (Nabu) konnte der Landkreis nicht erkennen. Es gab Anzeigen gegen den Projektverantwortlichen Peter Neuhäuser wegen Tierquälerei und gegen Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer wegen Unterlassung. Neuhäuser war schon 2013 in die Schlagzeilen geraten, als im Zuge des Elbhochwassers zahlreiche Pferde elendig ertrunken waren (AZ berichtete).

Fall 3 war der Schlachthof im ostelbischen Schönhausen, wo die „Soko Tierschutz“ erst vor wenigen Wochen „grausame Vorgänge“ dokumentierte – kranke Tiere, die per Seilwinde in den Tod gezogen, per Gabelstapler umher geschleift, brutal verprügelt und mit Elektroschockern misshandelt worden seien. Dieser Betrieb wurde behördlich geschlossen.

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