Pferdesport und Zucht

Stendal: Shetlandponys mitten in der Stadt

Züchter Bernhard Beye hält Shetlandpony Andy
+
Auch ein Wallach (kastrierter Hengst) gehört bei Bernhard Beye ins Rampenlicht. Der Stendaler zeigt hinter dem Tor an der Petrikirchstraße den fuchsroten Andy.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
    schließen

Einen Huf hinter der Haustür: Bernhard Beye züchtet Shetlandponys und spannt ausgewählte Exemplare auch selbst für den Sport ein. Früher ging es in Stendal mit den Tieren sogar vom Hof direkt durch das Haus auf die Straße. Die meiste Zeit des Jahres stehen die Ponys auf der Koppel.

  • Altmärker für Wettkampf in Skandinavien
  • 72-Jähriger hofft auf Tierschauen 2021
  • Corona führt zu Einschnitten

Stendal – Apollo lässt sich nicht lange bitten, auch Astor und Nino suchen seine Nähe. Bernhard Beye tritt von Box zu Box und stellt seine drei gekörten Hengste vor, allesamt natürlich Schönheiten. Es ist insgesamt ein gutes Dutzend Shetlandponys, das in einem Stall mitten in der fast 40 000-Einwohner-Stadt Stendal steht. Der 72-Jährige hält das nicht für sonderlich außergewöhnlich. „Früher ging es mit allem sogar vom Hof direkt durch den schmalen Flur auf die Straße und dann weiter.“ Der anfallende Mist und die kleinen Kraftpakete selbst finden nun aber längst draußen durch ein Tor, weil der Nachbar freundlicherweise Platz abgegeben hat. Beyer will vielleicht schon in einigen Tagen wieder die Kutsche flottmachen.

Nach dem Schnee lockt bereits die Weide

Die Begegnungen mit anderen Züchtern und Sportsleuten fehlen dem gelernten Schlosser. Zahlreiche Veranstaltungen fielen schon im Coronajahr 2020 ins Wasser. Beye ist in dem Haus an der Petrikirchstraße geboren worden, Elternhaus und Heimat sind ihm wichtig. Einige ausgesuchte Wände gehören natürlich dem Shetty, wie das robuste Pony auch oft genannt wird. Urkunden, Schleifen und Fotos zeugen von den Erfolgen. Auch die Pokale, welche schon nicht mehr in eine einzige Vitrine passen. Für eine Fohlen- und Stutenschau fährt der Stendaler mindestens bis nach Krumke, für einen Wettstreit im Zweispänner auch schon mal bis in die Niederlande oder nach Schweden.

Der Pferdeanhänger steht immer irgendwie Gewehr bei Fuß. Züchter müssen mobil sein. Beyes Tiere sind die größte Zeit des Jahres draußen. Weil der Schnee in den vergangenen gut zwei Wochen doch ziemlich hoch lag, ließ der Stendaler Apollo, Astor, Nino und die anderen lieber im Stall. Trockenes Heu und klares Wasser sind ihnen dort garantiert. „Doch natürlich sollen sie alle schon bald wieder hinaus, sie müssen sich doch austoben können.“ Beye nutzt mehrere Koppeln in und nahe der Stadt und verteilt die Vierbeiner. Und bitte: Das Shetlandpony kommt ursprünglich von den Shetlandinseln im Nordatlantik, es vertrage durchaus eine gewisse Kälte, bekomme sogar ein Winterfell.

„Rennpferde“ auf Stendaler Straßen

Früher hielt der Altmärker Schafe, Ziegen und Schweine, auch im Nebenerwerb und ebenfalls dort im Herzen der Hansestadt. Mitte der 1980er-Jahre kam er dann aufs Pferd. Die Tochter wurde da schon einmal mit dem Pony von der Schule abgeholt, und auch der Sohn saß an anderer Stelle gar nicht so selten obenauf. Wenn Beye nun gerade in den wärmeren Monaten seine „Rennpferde“ Achim und Lotti anspannt und den Wagen auf den Straßen lenkt, ist ihm die Aufmerksamkeit von Jung und Alt recht sicher. Ein Shetty sei in der Lage, das Doppelte seines Eigengewichts zu ziehen. „Ein guter Züchter überfordert sie nicht.“ Einst wurde die Rasse im Bergbau eingesetzt, das sogenannte Grubenpony.

Mini-Shetty kommt ihm nicht ins Haus

Der Hansestädter sieht sich bereits wieder auf einer Fohlenschau. Richter schauen im Ring nicht zuletzt auf die Figur, das Exterieur. Mindestens eine Stute ist tragend, Lara. Auch der Hindernisparcours für Zwei- und Vierspänner lockt. Vor einigen Jahren hatte Beye einen Schlaganfall, nicht alles geht ihm mehr so flüssig über die Lippen. Die Worte sind ausreichend da und anpacken kann der Rentner ganz offenkundig nach wie vor. Auch ein robustes Tier, zwischen 120 und 250 Kilogramm schwer und im Stockmaß gut einen Meter, wolle nun einmal versorgt sein. Ach ja, noch ein Letztes: Das sogenannte Minishetlandpony soll es auf maximal 87 Zentimeter bringen. Beye schaut leicht entgeistert. „Viel zu klein, das kommt mir nicht ins Haus.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare