Im Glauben, etwas Gutes zu tun

Stendaler Wildtierauffangstation: Es werden immer mehr Tiere gebracht

Ein Graureiher, der bereits 2013 in der Wildtierauffangstation war, lässt sich im Winter bis heute gerne noch mit Hüherküken versorgen.
+
Ein Graureiher, der bereits 2013 in der Wildtierauffangstation war, lässt sich im Winter bis heute gerne noch mit Hüherküken versorgen.

Stendal – Jedes Tier, das in der Wildtierauffangstation des Tiergarten Stendal aufgenommen wird, muss auch erfasst werden. Digital kann die Leiterin Anne-Katrin Schulze leicht auf die Zahlen bis 2011 zurückgreifen.

Für gewöhnlich schwanken die jährlichen Aufnahmezahlen um einen guten Wert von 50. Auch wenn sich dabei Schwankungen von 41 (2014 und 2017) bis zu 64 (2015) beobachten lassen. 2019 fiel mit 83 aufgenommenen Tieren jedoch komplett aus dem Rahmen.

Das zeigt sich bereits an der Menge an Igeln, von denen allein schon 20 Stück in die Wildtierauffangstation gebracht wurden. Für diesen Anstieg sieht Schulze mehrere Gründe. Zum einen spielen die beiden heißen Sommer der vergangenen Jahre eine Rolle. Viele Tiere seien im zweiten Jahr an ihre Grenzen gekommen und erschöpft gewesen. Der andere Grund liegt deutlich beim Menschen. „Viele Menschen kennen sich einfach mit Tieren nicht mehr aus“, erklärt Schulze.

Einen relativ großen Anteil an den Tieren, die die Auffangstation erreichen, sind Jungtiere, bei denen die Menschen denken, sie würden etwas gutes tun. Gerade bei Küken, die vermeintlich aus dem Nest gefallen sind, sei dies häufiger zu beobachten. „Die Nestlinge wachsen langsam aus dem Nest heraus und werden dann zu Ästlingen“, erläutert Schulze. Dabei sind sie noch nicht ganz flügge, springen und flattern aber bereits von Ast zu Ast und bleiben dabei in Nestnähe. Dabei kommt es aber auch vor, dass sie zu Boden fallen und dort sitzen bleiben. Vorbeikommende oder, dass beobachtende Menschen denken dann häufig, dass die Jungtiere verhungern müssen. Tatsächlich wissen die Eltern aber meist ganz genau, wo ihr Nachwuchs ist, und versorgen diesen – jedoch nicht, wenn noch Menschen in der Nähe sind.

Was zu tun ist

Wer ein vermeintlich geschwächtes Jungtier findet, sollte aus mehreren Gründen Abstand halten. „Tiere übertragen auch Krankheiten“, gibt Schulze zu bedenken. Wer sie also anfassen muss, sollte danach auf jeden Fall ans Händewaschen denken. Generell sollten Wildtiere jedoch zunächst in Ruhe gelassen werden. Gerade heimische Schlange, wie die Ringelnatter, sorgen oft für Angst, wenn sie entdeckt werden. „Die sind nur auf die Mäuse und Frösche scharf und verschwinden dann wieder“, kann Schulze alle beruhigen, die sich davor fürchten im eigenen Garten das Opfer eines Schlangenbisses zu werden.

Normalerweise lassen sich Wildtiere vom Menschen nicht anfassen. Wenn sie Nähe suchen, bedeutet das meistens, dass sie krank sind. „Die meisten Menschen haben aber nur Erfahrung mit Haustieren und möchten sie gerne streicheln oder mit ihnen Kuscheln“, gibt Schulze zu bedenken. Um Menschen wieder mehr Wissen um Wildtiere zu vermitteln, soll auch das grüne Klassenzimmer im laufenden Jahr wieder aktiviert werden.

VON STEFAN HARTMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare