Weltmeister mit Schwung

Stendaler Verein richtet Jiu Jitsu-WM aus

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Nichts für schwache Nerven: Beim Jiu Jitsu steht nicht der Angriff, sondern die Verteidigung im Vordergrund. Zimperlich sind die Kämpfer mit ihren Gegnern aber nicht.

Stendal – Es ist noch keine vier Jahre her, da jagten Karsten Ullrich und Kornelia Brasche für die Kriminalpolizei der Rolandstadt noch gemeinsam Verbrecher, vollstreckten Haftbefehle und spürten vermisste Kinder auf.

Und nun, wo Ullrich den Polizistenjob wegen Altersteilzeit an den Nagel gehängt hat, stehen die beiden vor einer ganz neuen Herausforderung – sie wollen eine Weltmeisterschaft ausrichten.

Denn neben der Polizeiarbeit verbindet die beiden vor allem die Leidenschaft zur japanischen Kampfkunst Jiu Jitsu, bei der nicht der Angriff sondern die Verteidigung im Vordergrund steht.

Es ist nicht die erste Großveranstaltung für Ullrich und seine „Familie“, wie er die Mitglieder seines Vereins 1. Jiu-Jitsu-Verein Sachsen-Anhalt Stendal liebevoll nennt. Im Oktober 2010 wurde in der Rolandstadt bereits eine Europameisterschaft in der japanischen Kampfkunst ausgetragen. „Nun ist es an der Zeit dem Kind einen neuen Namen zu geben“, meint der Großmeister mit rot-weißem Gürtel, dem achten Dan-Grad beim Jiu-Jitsu.

Schwungvoll schmeißt Ullrich seine Pressesprecherin auf die Matte.

Am 22. Juni sollen die ersten offenen Jiu-Jitsu-Weltmeisterschaften in der Stendaler Sporthalle an der Schillerstraße ausgetragen werden. Angekündigt haben sich Teilnehmer aus aller Welt: Polen, Ägypten und Algerien sind bereits angemeldet, Kämpfer aus Afrika, der Schweiz, Bulgarien, Belgien und Italien hätten bereits Interesse bekundet. Dass eine Sportveranstaltung dieser Art nicht ganz ohne Risiken ist, weiß der Vereinspräsident.

Bereits vor drei Jahren wollte der Stendaler Verein die WM ausrichten. „Es war uns damals dann aber doch eine Nummer zu groß“, gibt Ullrich zu. Doch diesmal ist er sich seiner Sache sicherer: „Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.“ Eine Herausforderung werde es allemal. Doch der Verein sei bestens vorbereitet, berichtet der Präsident. Seit zwei Jahren wird fleißig organisiert, trainiert und auf internationalen Events die Werbetrommel gerührt. In Stendal werden derweil Kampfrichter und Listenschreiber ausgebildet.

Die genauen Kosten für das Sportevent sind noch unklar. Ullrich geht von ca. 5000 bis 10.000 Euro aus. Den Löwenanteil übernehmen Sponsoren. Den Rest will der Verein nach Möglichkeit über die Startgebühren von je 20 Euro finanzieren. Die Hansestadt Stendal will etwa bei der Unterbringung der Teilnehmer unterstützen und dem Verein Fördermittel gewähren. Als Schirmherr konnten Ullrich und Lebensgefährtin Steffi Gericke, die die Geschäfte des Vereins führt, Landrat Carsten Wulfänger mit ins Boot holen.

Im AZ-Gespräch ließen es sich Ullrich und Brasche nicht nehmen, einige Kampftechniken zu präsentieren. Von sanfter Kunst, wie Jiu Jitsu häufig genannt wird, kann kaum die Rede sein. Schwungvoll pfefferte Ullrich seine Angreiferin – für diesen Part musste die Pressesprecherin herhalten – auf die Matte. Und zeigte, dass das Jiu Jitsu in die Rolandstadt gehört.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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