Fachamt laut Stadt überbelastet

Stendaler Tiergarten noch immer ohne neuen Kiosk: „Scheitert nur an Personalsituation“

Der alte Kiosk soll abgerissen werden, die Bude links dient dem Übergang.
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Der alte Kiosk soll abgerissen werden, die Bude links dient dem Übergang.

Stendal – Der Sommer ist längst rum und damit die Zeit, in der ein Tiergarten besonders viele Menschen anzieht. Eine geordnete Gastronomie wurde den Besuchern auch dieses Jahr nicht geboten, der versprochene Kiosk lässt seit mindestens fünf Jahren auf sich warten.

„Unglücklicherweise konnte die Umsetzung zwischenzeitlich nicht vorangetrieben werden“, redet Stendals Rathaussprecher Armin Fischbach erst gar nicht um den heißen Brei herum.

Dass sich die Stadträte nicht einig sind, daran soll es momentan nicht haken. „Grund dafür sind noch immer die sehr knappen Personalressourcen im städtischen Baumamt. “ Im Klartext hieße dies: Der Stadt fehlen die Leute und in den Büros stauen sich die Projekte.

Besucher dürften dafür nur wenig Verständnis entwickeln. Der Verein der Tiergartenfreunde schien zwischenzeitlich schon ganz den Glauben an das Projekt verloren zu haben. Die hölzerne Imbissbude, die derzeit im Tiergarten steht, soll nur eine Übergangslösung sein. Der alte Kiosk ist marode, ein neuer steht noch immer nicht. „Es lähmt letztendlich den gesamten Tiergarten“, machte Dr. Uwe Donner, der Vorsitzende des Fördervereins, seinem Ärger schon vor gut einem Jahr Luft. Der Stendaler sprach mit Blick auf fehlende feste Gastronomie vom „Kiosk-Koma“ und machte es ein Stück weit für sinkende Gästezahlen im Zoo verantwortlich. In besseren Jahren sind es um die 72 000 Besucher, etwas mehr als 68 000 waren es 2018. Wie dieses Jahr gelaufen ist, wird sich zeigen.

„Momentan scheitert die Umsetzung nur an der Personalsituation“, betont der Stadtsprecher auf Nachfrage der AZ. „Für eine kompetente und zufriedenstellende Umsetzung bedarf es ausreichender professioneller Fachkräfte.“ Mit entsprechender Priorität würden im Wesentlichen gegenwärtig bearbeitet: Neubau Kindertagesstätte Uenglingen, Neubau Grundschule Haferbreiter Weg Stendal, Sanierung Theater, Brandschutz Volkshochschule, Dacharbeiten Musik- und Kunstschule, neues Sozialgebäude für den Bauhof, Sanierung Rathaus (Fassade von Gerichtslaube und Innenhof und dort die Fenster), Ausbau von Klassenräumen der Ganztagsgrundschule.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Der Tiergarten-Kiosk steht nach wie vor nicht sonderlich weit oben auf der Liste. Zumal parallel zu den genannten Projekten „auch noch eine Vielzahl kleinerer, aber nicht weniger wichtiger Maßnahmen“ vorangetrieben werde, Fischbach nennt die Dacherneuerung am Bauernmarkt als Beispiel. Immer wieder einmal gab es auch Bedenken hinsichtlich von möglichem Hochwasser, der Tiergarten liegt nahe Uchte und Stadtsee. Wann sich das Fachamt stärker dem Kiosk-Neubau widmet, kann der Stadtsprecher momentan nicht sagen. Zur konkreten Gestaltung gab es im Frühjahr 2018 einen Beschluss des Stadtrates, ein Grundriss liegt damit schon einmal vor.

Der neue Kiosk soll um die 150 000 Euro kosten. Inwieweit die Summe aktuell bleibt, muss sich zeigen. Eine andere Rechnung wird erst gar nicht aufgemacht, die für eine Erweiterung des Zoo-Geländes in Richtung Erich-Weinert-Straße. Eine Machbarkeitsstudie hatte zwei Varian-ten aufgezeigt, die preiswerteste hätte bei 600 000 Euro gelegen, ohne die Mehrausgaben im jährlichen Unterhalt des Zoos. „Zur Erhöhung der Anziehungskraft des Tiergartens“ empfahl die Verwaltung einen neuen Kiosk, der Stadtrat folgte und legte alles im Mai auf Eis. Fischbach: „Endgültig vom Tisch sind Pläne einer Erweiterung damit nicht, aber es ist unwahrscheinlich, dass diese allzu bald wieder aufgegriffen werden.“

VON MARCO HERTZFELD 

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