Artenvielfalt und Angebote unverändert

Stendaler Tiergarten den Bürgern lieb und teuer: Konzept sieht höheren Eintritt vor

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Noch ist der Tiergarten von oben in Grün gehüllt, doch der Herbst ist da und die Blätter fallen.

Stendal – Der Eintritt in den Stendaler Tiergarten soll steigen. Der Stadtrat möge sich im nächsten Jahr mit der Gebührensatzung befassen und die Sätze ab 2021 „moderat erhöhen“.

So steht es in der Tiergartenkonzeption 2020 bis 2024, die der Kulturausschuss als erstes Gremium für Dienstag vorliegen hat.

Was moderat in dem Fall bedeutet, bleibt abzuwarten. Die Stadtverwaltung spricht in einem passenden Beschlussvorschlag davon, „dass angesichts der steigenden Kosten Gebührenerhöhungen unumgänglich sein werden“. Bislang kostet beispielsweise die Karte für Erwachsene drei Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen einen Euro. Die Jahreskarte für Erwachsene kostet 30 Euro, die für Kinder und Jugendliche die Hälfte. Die Einrichtung am Stadtsee wurde 1952 eröffnet.

Das Konzept für die nächsten fünf Jahre ist straff formuliert und hat auf siebeneinhalb DIN-A4-Blättern Platz. Die Aufgabe, sich stärker mit höheren Eintrittsgeldern befassen zu müssen, kommt für den Stadtrat nicht überraschend, 2017 war sie noch vertagt worden. In dem Papier ist die Rede von steigenden Kosten, insbesondere für Energie, Wasser und Abwasser, Futtermittel, Kraftstoff und Heizöl. Die betriebswirtschaftliche Entwicklung sieht dementsprechend aus: Die Aufwendungen der Stadt haben sich über die Jahre deutlich erhöht, 2013 waren es an die 745 000 Euro und 2018 bereits rund 935 000 Euro. Der Eintritt war zuletzt 2014/15 verändert worden, wobei der für Kinder und Jugendliche unverändert blieb und nicht, wie es bereits diskutiert wurde, auf 1,50 Euro angehoben wurde.

Bei den Gästezahlen zeichnen die Autoren ein positives Bild. 2005 haben demnach 56 683 Menschen den Tiergraten besucht. „Mittlerweile haben sich die Besucherzahlen auf einen mittleren Wert von etwa 68 500 eingependelt.“ Immer wieder einmal liegt die Zahl aber auch unter der Marke von 60 000 oder knapp darüber. Im vergangenen Jahr sollen 71 754 Leute die zoologische Einrichtung besucht haben. „Das zeigt, wie viele Menschen, insbesondere Familien mit Kindern, den Tiergarten als Freizeit- und Erholungsstätte schätzen.“ Dass es noch immer keinen neuen Kiosk gibt, kritisiert nicht zuletzt der Förderverein. In dem Papier heißt es nun, dass das Bauvorhaben „prioritär“, vorrangig, verfolgt werde. Eine Erweiterung des Zoo-Geländes ist hingegen erst einmal vom Tisch (die AZ berichtete).

Der Investitionsplan gestaltet sich ansonsten recht übersichtlich. Dach und Fassade des Futterlagers sollen saniert werden. Der Fußboden im Sozialgebäude müsse erneuert werden. Zudem stehen in den zwei Damwildgehegen Arbeiten an. Bis 2024 sind insgesamt 90 000 Euro eingeplant. Für den Kiosk wird keine Zahl genannt, gesprochen wurde immer wieder von Ausgaben im Bereich von 150 000 Euro. Die Gehege sind fast durchweg erneuert, auch dank des Vereins der Tiergartenfreunde und zahlreicher Spenden. Eine Südamerikaanlage beispielsweise wurde 2015 eröffnet, die Nordluchsanlage 2017/18 erweitert. Zuletzt hatten die organisierten Förderer eine neue Anlage für Käuzchen im Blick. Im Tiergarten arbeiten insgesamt 13 Leute, knapp der Hälfte sind Tierpfleger.

Dem Konzept ist eine Bestandsliste angehängt. Sie habe sich in den vergangenen Jahren im Wesentlichen nicht verändert. In der Einrichtung sind aktuell 73 Tierarten untergebracht. Die Mitarbeiter zählen zudem regelmäßig nach, demnach leben 456 Tiere dort. Den Hauptanteil machen Säugetiere mit 230 Exemplaren aus, gefolgt von Vögeln, Fischen und Reptilien. Sogar Insekten werden betreut, zehn Madagaskar- Fauchschaben. Sie können bis zu knapp neun Zentimeter lang werden. Die Liste reicht von einheimischen Arten wie Eichhorn und Rotfuchs bis zu Exoten wie Totenkopfäffchen und Kaschmirziege, von Bergsittich und Köhlerschildkröte bis Wolf und Tiger. Der Bär ist das Wappentier des Tiergartens, seit 2015 leben Schwarzbären in Stendal, zuvor waren es Braunbären.

18 Tierarten gehören laut Konzept zu den besonders geschützten Arten. Genannt wird als bedrohte Art der Europäische Nerz. Stendal beteiligt sich, wie schon einmal berichtet, an einem Auswilderungsprogramm. „Inhaltlich werden die Mitarbeiter zukünftig noch stärker auf die Botschaften zum Wohle der Tiere und der bedrohten Natur eingehen“, heißt es. Was das konkret bedeuten soll, muss sich zeigen. Die Rede ist bisher von „Führungen, Informationsmaterial und vielen anderen Aktivitäten“. Ein Schwerpunkt seien auch „allseits bekannte Haus- und Heimtiere“, gerade Kinder sollen durch das „unmittelbare Erleben“ ihre Welt erweitern können und lernen. Hausesel, Kleinpferd, Zwergziege und andere mehr werden im Stadtsee-Zoo gehalten.

VON MARCO HERTZFELD  

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