„Eine Struktur ist kein Käfig“

Stendaler Studenten schaffen Hilfshomepage für Eltern während der Krise

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Julian Reinecke hat von seinem Computer aus die Website im Blick.

Stendal – Elisa-Maria Gebben, Kristin Hörauf, Katrin Kerkow und Julian Reinecke studieren Kindheitspädagogik – Praxis, Leitung, Forschung an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Bis vor Kurzem absolvierten sie ihre Abschlusspraktika in verschiedenen Kitas.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise mussten sie die Praktika unterbrechen, wollten jedoch nicht untätig bleiben.

„Wir haben überlegt, was kann man machen? Was kann man schnell umsetzen“, erklärt der Stendaler Student Julian Reinecke. Vor allem stand aber die Frage im Vordergrund „Was brauchen Eltern momentan?“ Da sich unter ihnen auch eine Mutter von zwei Kindern befindet, konnten sie die Frage aus erster Hand beantworten und entschieden sich dafür, eine Homepage ins Leben zu rufen. Unter www.kimily.de, zusammengesetzt aus Kids und Family, erhalten diese Tipps und Tricks, um den Alltag während der Ausnahmesituation zu gestalten und ihm ein wenig Normalität zurückzugeben.

Ein wichtiger erster Schritt sei die Schaffung von klaren Strukturen, die ruhig etwas stärker ausformuliert sein können. Dazu gehörten auch feste Zeiten, also nicht nur Frühstück, Homeschooling, Mittagessen, sondern: Frühstück um 8.30 Uhr, Homeschooling um 9.15 Uhr und Mittagessen um 12.30. Auch Aufgaben sollten, sofern möglich, klar verteilt werden. „Wer hilft bei den Hausaufgaben? Wer kocht das Mittagessen“, gibt Reinecke als Anregungen. Dabei dürfen die Rollen natürlich auch tageweise angepasst werden.

Wobei es natürlich normal sei, dass jeder lieber die Aufgabe übernähme, die ihm leichter fällt. „Eine Struktur ist kein Käfig“, stellt Reinecke klar. Wer feststelle, dass der Tagesablauf noch nicht optimal ist, könne ihn natürlich anpassen. Dabei sollten auch die Kinder einbezogen werden. Deshalb sollte am Abend mit allen gemeinsam geklärt werden, woran es noch hapert. „Möglicherweise sind zwei Stunden lernen am Stück zu lang“, erklärt Reinecke. Vielleicht müssten die Pausen verlängert oder verkürzt werden. Wichtig sei es, dass den Kindern nicht einfach nur ein Programm aufgestülpt wird. Sie müssten bemerken, dass sie sich bei der Tagesplanung einbringen können. „Das wird ja für die Kinder gemacht und nicht gegen sie.“

Dabei gebe es jedoch kein perfektes Konzept, das einfach kopiert werden kann. Was mit einem Einzelkind ein guter Ablauf ist, kann bei einer sechsköpfigen Familie gründlich schief gehen. „Jedes Kind ist anders und jede Familie ist anders“, gibt Reinecke Mut, einen Weg zu finden, der zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Dabei soll den Familien die von den Studenten geschaffene Homepage unter die Arme greifen. „Nicht in jeder Familie gibt es jemanden, der leidenschaftlich kocht“, gibt Reinecke zu bedenken. Deshalb können dort neben Bastelideen und Tipps für den Alltag auch Rezepte nachgeschlagen werden. Des Weiteren gibt es auch Hinweise dazu, wie Kindern die Corona-Problematik altersgerecht erklärt werden kann. „Es gibt aber keinen Bereich, der Eltern viel stärker interessiert als einen anderen“, erklärt Reinecke. Jedoch hätten sich die Priorität ein wenig verschoben. Während in der ersten Wochen gerade Themen zu Homeschooling und der Schaffung einer Tagesstruktur gefragt waren, seien Eltern jetzt etwas stärker auf der Suche nach Rezepten.

VON STEFAN HARTMANN

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