Stadt will Spezialputz nach Klimademo nicht selbst bezahlen

Farbstreit in Stendal könnte verblassen

Der Marktplatz in Stendal ist von Farbresten gereinigt worden.
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Der Marktplatz in Stendal am 17. Juni 2021. Durch die Reinigung entstandene Schattierungen, die sich selbst bei Sonne schwer ausmachen lassen, sollen nach und nach passé sein. Natürlich sind Steine auch so unterschiedlich gefärbt.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Die Spezialreinigung scheint zu fruchten. Schattierungen danach sollen sich noch angleichen. Der Streit um Reste von Kreide einer Klimademonstration in Stendal könnte verblassen. Allerdings: Die Stadt will nach wie vor von den Verursachern das Geld für den Putz.

Stendal – Wer nun noch Farbreste der Demonstration von Mitte März erkennen will, der müsste schon ganz besondere Augen haben. „Der Markt weist nach der Spezialreinigung noch einige Schattierungen auf“, schätzt Rathaussprecher Philipp Krüger auf Anfrage der AZ ein. „Nach Angaben des Reinigungsunternehmens sollen sich diese in einigen Wochen angeglichen haben.“ In der Tat: Auch die letzten Spuren der Parolen von Klimaaktivisten und anderen Protestierern scheinen verschwunden. Wo die Spezialreiniger Anfang vergangener Woche angesetzt haben, sind die Pflastersteine nun ein Stück weit heller als der Rest des Marktplatzes. Ein Streit um Sprühkreide und Verantwortlichkeiten, der sich schon fast zu einem Politikum auswuchs, könnte nun allmählich verblassen.

Ein Bild von Anfang April 2021. Zu diesem Zeitpunkt sind noch etliche Farbreste der Klimademonstration in Stendal zu sehen.

Markt weist vorerst Schattierungen auf

Putzaktionen anderer zuvor waren ohne den erhofften Erfolg geblieben. Bedenken, dass die Profis, wie berichtet, nun ausgerechnet mit einem Fahrzeug zur Ölspurbeseitigung anrückten, hatte die Stadt nicht, im Gegenteil. „Das Unternehmen hat den Markt mit einem Spezialfahrzeug für Öl- und Extremschmutzbeseitigung gereinigt. Das Fahrzeug ist für derartige Verschmutzungen absolut geeignet“, unterstreicht Krüger. „Gleichwohl wurde im Vorfeld eine Probereinigung an einigen Stellen durchgeführt, um die Wirksamkeit auf dem Natursteinpflaster zu testen.“ Im Rathaus dürfte erst einmal aufgeatmet werden. Ist der historische Marktplatz doch erst vor wenigen Jahren aufwendig saniert worden.

Rathaus spricht von Verursachern

Wie hoch die Kosten der Aktion genau sind, ist noch nicht raus. Auch die Frage, wer bezahlt, scheint nach wie vor offen. Der Rathaussprecher dazu: „Es liegen noch keine Rechnungen vor. Die Angebote lagen für das Reinigen bei 4800 Euro, für das Verfugen/Einschlämmen bei 2600 Euro netto.“ Und für die Stadt ganz klar: „Die Kosten werden den Verursachern auferlegt.“ Ausgemacht dürfte das aber eben nicht sein, die Versammlungsleitung von damals sieht sich nicht für einzelne Teilnehmer verantwortlich und hat bereits Justitia bemüht. Der Ausgang ist offen. Krüger kurz: „Es gibt keinen neuen Stand.“

Justitia bleibt wohl bemüht

Am 19. März war bei einer Versammlung von Fridays for Future und anderen Gruppen Kreide aufgetragen worden. Die Umweltaktivisten hatten anfangs unter anderem darauf gesetzt, dass durch einen größeren Regenguss alles restlos von allein verschwindet. Doch Pustekuchen. An einigen Stellen erwies sich die Kreide als hartnäckig. Die AfD entdeckte das Thema für sich, griff Demonstranten, Genehmigungsbehörde und Stadtmitarbeiter verbal an.

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