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Stendaler Notunterkunft verzückt Landesverwaltungsamt

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Zimmer in der Notunterkunft in Stendal. Zu sehen sind ein Bett und eine kleine Schrankzeile mit einer Babywanne.
Die Zimmer in der Stendaler Notunterkunft sind überdurchschnittlich gut ausgestattet. Viele haben eigene Badezimmer und mehrere sogar Babywannen. © Hartmann, Stefan

Vielerorts müssen aus der Ukraine Geflüchtete vorerst provisorisch in Turnhallen untergebracht werden. Qualitativ ist die Notunterkunft in Stendal auf einer deutlich höheren Ebene. Das bleibt auch in Bund und Land nicht unbemerkt.

Stendal – Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ist es tatsächlich nicht. Die Zimmer der Stendaler Notunterkunft für aus der Ukraine Geflüchtete sind überdurchschnittlich gut ausgestattet, nicht nur im Vergleich zur absoluten Notlösung, Menschen in Turnhallen campieren zu lassen.

„Ein Bundesamt in Berlin hat eine Unterkunft für eine 91-jährige Dame und ihre 69-jährige Tochter gesucht“, erzählt Sebastian Stoll, Erster Beigeordneter des Landkreises, eine kleine Anekdote. Wichtig war: Barrierefreiheit. Die Frau vom Bundesamt habe aber keine passende Bleibe für die 91-jährige Dame mit Behinderung gefunden, bis sie in Stendal angerufen hat. „Die war richtig gerührt“, erinnert sich Stoll. Die Überraschung, wie Stendal barrierefreie Zimmer quasi aus dem Ärmel schüttelt, konnte der Beigeordnete auch schnell aufklären: Als ehemalige Frauen- und Kinderklinik ist die Notunterkunft natürlich barrierefrei. Aber da hören ihre Vorzüge nicht auf: Unmittelbare Nähe zum Bahnhof, im zweiten Obergeschoss ist jedes zweite Zimmer mit einer Babywanne ausgestattet. Das habe auch bei einem Besucher vom Landesverwaltungsamt (LVWA) Eindruck gemacht. „Da war der total begeistert“, fasst Stoll den Besuch zusammen. Gerade bei einer solchen Krise, bei der viele vulnerable Menschen wie Frauen mit Kindern und Kleinkindern betroffen sind, sei es ein Luxus, so eine Zimmerausstattung zu haben. Aber natürlich, so Stoll, gebe es auch Zimmer ohne eigenes Bad.

Die geschilderten sehr guten Standortfaktoren seien dem LVWA aufgrund eines Besuches bekannt, bestätigt Denise Vopel, Pressesprecherin des LVWA, auf AZ-Nachfrage. Größtenteils handele es sich bei den von den Aufnahmekommunen eingerichteten Unterbringungsmöglichkeiten um Turnhallen. Doch auch trotz der Bekanntheit dieses gewissen Alleinstellungsmerkmales muss der Landkreis Stendal voraussichtlich nicht mit einer größeren Zuteilung von Geflüchteten, insbesondere Personen mit Kleinkindern oder mit körperlicher Einschränkung rechnen. Denn eine statistische Erhebung über die Anzahl barrierefreier Unterbringungsmöglichkeiten in den Kommunen existiere nicht, erklärt Vopel weiter.

Trotzdem, so vermutet Stoll, könnten sich Stendals Vorzüge weiter herumsprechen. Dass sich Geflüchtete austauschen und sich herumspricht, wo gute Unterkünfte zur Verfügung stehen. Zuteilungen habe es bereits seit Wochen nicht gegeben, aber dennoch erreichen immer wieder Menschen die Hansestadt. Dabei seien auch immer wieder Bewohner mit Rollatoren zu beobachten. Den weitaus größeren Anteil nähmen jedoch Frauen mit Kindern ein, so Stoll. Eben Menschen, die sich über das Vorhandensein der Babywannen freuen. Absehbar sei es bislang nicht, aber wenn ein neues Verteilverfahren etabliert werde, könne es gut sein, dass Stendal dann eine besondere Rolle erhalte. Aber Anrufe, wie von der freundlichen Dame aus Berlin, habe es seither nicht gegeben.

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