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Stendaler Lehrer kämpft für seine Rückkehr ins Klassenzimmer

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Mann zeigt sein Testzertifikat.
Mathelehrer Axel Jaeger will einfach nur zurück zur Arbeit. Einen entsprechenden Negativ-Bescheid für eine Freitestung kann er vorweisen – aber das Gesundheitsamt ist anderer Ansicht. © Stefan Hartmann

Eigentlich will er nur eins: So schnell wie möglich zurück in den Klassenraum, erklärt ein Mathelehrer. Aber die neuen verkürzten Regeln zur Freitestung nach einer Corona-Infektion, gelten im Landkreis scheinbar noch nicht. 

Stendal – Für manche ist die Zeit in der Quarantäne oder Isolation ein willkommener Grund, einfach mal die Füße hochzulegen und die zwei Wochen Sonderurlaub zu genießen – sofern es sich um einen äußerst milden Verlauf handelt. Nicht so für Axel Jaeger. Der 29-jährige, dreifach geimpfte Mathelehrer an der Privaten Sekundarschule Stendal wollte sich nach möglichst kurzer Zeit freitesten lassen, um kurz vor der Zeugnisausgabe wieder für seine Schüler da sein zu können. Doch das Gesundheitsamt stellt sich quer. Die neu beschlossenen Regeln des Bundes würden noch nicht angewandt, habe man ihm erklärt.

„Ich wollte so schnell wie möglich wieder zurück in die Schule“, sagt Jaeger. Und die relativ neuen verkürzten Regeln zum Freitesten hätten ihm das ermöglichen können. Aus dem Gesundheitsamt habe es jedoch unklare und widersprüchliche Aussagen gegeben. Es hieß, die Freitestung sei möglich, dann wieder nicht. Einige Mitarbeiter schienen die Neuregelung nicht einmal zu kennen. „Die Leute, die die Kontaktverfolgung machen, sind sicher an der Belastungsgrenze“, erklärt der Lehrer. Aber trotzdem könne man erwarten, dass sie sich informieren oder gebrieft werden, welche Regeln derzeit gelten. Dass je nachdem welcher Mitarbeiter an einem Fall sitzt, die Quarantäne oder Isolation anders gehandhabt wird, könne nicht sein.

Auf den verschiedenen Informationen wollte es Jaeger nicht belassen, informierte sich nach eigenen Angaben telefonisch beim Landes- und Bundesgesundheitsministerium. Nach deren Angaben gelten die bundesweit eingeführten Regeln auch für Sachsen-Anhalt – und damit natürlich auch den Landkreis Stendal. Dieser scheine jedoch eine Art interne Übergangsregelung getroffen zu haben. So habe ihm eine Mitarbeiterin erklärt, dass die Regel erst für Personen, die ab dem 15. Januar getestet wurden, gelte. Zwei tage später, als Jaegers Test positiv war. Der Arbeitsaufwand, alle vorher Infizierten anzuschreiben, und sie darüber zu informieren, dass die Quarantäne oder Isolation verkürzt werden kann, sei zu viel Aufwand. Für Jaeger ein Skandal. Er lese die entsprechende Verordnung jedenfalls anders. „Für mich ist das Freiheitsberaubung“, sagt Jaeger. Wegen der unterschiedlichen Auslegungen und Anwendungen würden ihm vier oder sogar sieben Tage seines Lebens geraubt.

Eine gewisse Lösung ergab sich für den 29-Jährigen doch noch. Am Donnerstag, eine Woche nach seinem Positivbefund, sei ihm aus dem Gesundheitsamt erlaubt worden, sich freizutesten. Allerdings „schere er damit aus“, solle sein Testergebnis an das Gesundheitsamt schicken und dann „trennen sich unsere Wege“, sei ihm gesagt worden. Einen Aufhebungsschein für seine Isolationsbescheinigung solle er jedoch nicht erhalten. Damit befindet er sich im rechtlichen Limbo: Theoretisch ist er freigetestet, aber die Isolation nicht aufgehoben. Ein paar Tage wolle er sich noch mit Kontakten zurückhalten – so wird es bei der Freitestung auch empfohlen, aber am Montag wolle er wieder zur Arbeit gehen. Eine klare rechtliche Lage sieht anders aus, jedoch wolle Jaeger für seine Schüler da sein.

Der Landkreis hat eine Anfrage zur Stellungnahme zu den Vorwürfen erhalten, heißt es aus dem Landratsamt. Die Beantwortung könne erst im Verlauf des heutigen Freitags erfolgen.

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