„Haben andere Dinge zu tun“

Kreistag weist Gender-Antrag der AfD zurück

Kritik an "Gender-Unfug"-Aufruf
+
Ein AfD-Antrag, der den Landrat und die Kreisverwaltung auffordert, das Gendern zu unterlassen, löst im Kreistag eine halbstündige Debatte aus.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
    schließen

Der Antrag der AfD-Fraktion, Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und der Kreisverwaltung das Gendern zu verbieten, fiel trotz einer Änderung kurz vor der Abstimmung am Donnerstagabend im Stendaler Kreistag durch.

Stendal - Ulrich Siegmund hatte im Namen der AfD-Fraktion noch den Wortlaut des Antrages von „fordert den Landrat auf“, in allen Äußerungen die gendergerechte Sprache nicht anzuwenden und in der landkreisbezogenen Kommunikation darauf zu verzichten, hin zu „empfiehlt“ abgeändert. Diese Umformulierung konnte die Kreistagsmitglieder nicht umstimmen. Von 37 Anwesenden stimmten nur acht dafür, einer enthielt sich.

Zuvor hatten mehrere Mitglieder das Wort ergriffen und mehr als einer warf der AfD das vor, was sie laut ihrem Antrag zu vermeiden suchten: Zeit zu verschwenden. Im Beschlusspapier war die Rede davon, dass es größere Herausforderungen zu bewältigen gebe als die Verwendung des Genderns. „Warum ein solcher Antrag? Wir haben andere Dinge zu tun“, bekräftigte Juliane Kleemann (SPD). Linke-Fraktionsvorsitzende Katrin Kuhnert stimmte ihr zu: „Ich verstehe die Aufregung überhaupt gar nicht. Es sei denn, das Aufregerthema wird groß gemacht, um Menschen gegen Menschen aufzuhetzen.“

Auch Elisabeth Seyer, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, kam zu Wort. Beim Verwenden der Gendersprache verliere man nichts, sondern nehme etwas dazu. „Nämlich Menschen, die sich angesprochen fühlen wollen.“ Die Sprache verändere sich und Dingen sollten laut ihr ausprobiert werden.

Nico Schulz (Pro Altmark) sprach sich anfänglich gegen die „verwirrende“ Gendersprache aus, gestand aber dann jedem zu, für sich selbst zu entscheiden. Diese Einstellung bedauerte Siegmund. Er hielt den Mitgliedern vor, dass auch Kollegen aus ihren Parteien sich kürzlich gegen das Gendern ausgesprochen hätten. Als Beispiele führte er CDU und SPD auf, ohne selber Namen zu nennen. Trotzdem die AfD den Antrag gestellt hatte, warf sein Parteikollege Arno Bausemer dem Kreistag vor, eine „feministische Scheindebatte“ zu führen, und forderte, „keine Sprachpanschung“ vorzunehmen.

Puhlmann ließ es sich nicht nehmen, seinen Teil zu dem Antrag zu sagen. Ihm selbst sei nicht bewusst, dass er gegendert habe, mit Ausnahme der üblichen männlichen und weiblichen Form. Er hätte gerne Beispiele für diese Behauptungen gesehen. „Ich werde mir auf keinen Fall den Mund verbieten lassen. Erst recht nicht von der Partei des ‘Man wird doch wohl noch sagen dürfen’“, bekräftigte der Landrat seine Position.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare