PA-Mann hält Puhlmanns Vize für geeigneter

Stendaler Klinikstreit: Landrat will nicht an Tropf

Auch für Landrat Patrick Puhlmann gibt es keinen Hintereingang. Der SPD-Mann nimmt Notiz von den Demonstranten und findet durchaus festen Schritts den Weg ins Kommunalparlament. Einfach hat er es auch dort nicht.
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Auch für Landrat Patrick Puhlmann gibt es keinen Hintereingang. Der SPD-Mann nimmt Notiz von den Demonstranten und findet durchaus festen Schritts den Weg ins Kommunalparlament. Einfach hat er es auch dort nicht.

Stendal – Die Suche nach einer Zukunft des Havelberger Krankenhauses wächst sich für Landrat Patrick Puhlmann (SPD), seit März im Amt, zur Feuerprobe aus.

Zwischen den beiden für ihn wegweisenden Beschlussanträgen im Kreistag, einem von der CDU und einem der AfD, rückte Hennig von Katte von Lucke (Pro Altmark / PA) den Vize-Landrat Sebastian Stoll von der CDU in die erste Reihe. Der Erste Beigeordnete habe in dieser Sache bereits Wissen nachgewiesen und möge „federführend die Gespräche führen“. Gespräche mit potenziellen Betreibern, den Kassen, dem Land und allen anderen, die entscheidend seien. „Mindestens seit März, eher seit Januar 2020, sind wir damit beschäftigt, hier irgendwie voranzukommen. “.

Juliane Kleemann (SPD) konnten sich über die Worte des Kreistagskollegen nur wundern. Puhlmann selbst ließ sich vom Vorstoß des Kreistagsmitglieds nicht groß aus der Ruhe bringen. „Ich habe mich entschieden, Verantwortung hier in diesem Landkreis zu übernehmen, und dann muss ich dafür geradestehen, auch wenn es unbequem ist.“ Und überhaupt: Eine derartige Personalie „greift in die Organisationshoheit ein“ und „steht dem Kreistag nicht zu“. Der Sozialdemokrat hatte zuvor unter dem Tagesordnungspunkt „Krankenhaus Havelberg“ einen Arbeitsnachweis abgegeben, Gespräche und Gesprächsversuche penibel aufgelistet. Eine Beschlussvorlage von ihm gab es nicht.

Kreistagsvorsitzende Annegret Schwarz (CDU) redete sich kurz vor einer Pause heiß, sah eine „klare Beschlusslage“ bereits seit Juli und damit einen Auftrag an den Landrat, und sprach mit Blick auf Gedankenspiele zu einer Kommunalgesellschaft vom „kleinen Einmaleins des Kommunalrechts“, das hier nicht beherrscht worden sei. Es gebe ein eigenes Rechtsamt beim Landkreis. „Bedienen Sie sich bitte Ihrer Fachleute und lassen Sie diese nicht außen vor“, schleuderte sie dem SPD-Mann auf offener Bühne entgegen. Joachim Röxe (Linke) erinnerte Schwarz daran, dass es ihre Aufgabe als Kreistagsvorsitzende allein sei, die Sitzung zu leiten, nicht mehr. Und Puhlmann erklärte nach der Unterbrechung, dass das Rechtsamt sehr wohl und stets involviert sei.

Schon vor der Sitzung am Donnerstagabend hatten vornehmlich Menschen aus dem Raum Havelberg für eine Zukunft des Standortes demonstriert, einige nutzten auch die Einwohnerfragestunde. Geschlossen ist das Krankenhaus in privater Hand seit Monatsbeginn. Versuche, den Klinikstandort am Leben zu erhalten, in welcher Form auch immer, sind bislang fehlgeschlagen. Die Diskussion zog sich hin, aus mehreren Fraktionen hieß es, man drehe sich irgendwie im Kreis. Unterm Strich bleiben zwei Beschlüsse, mit denen sich nun arbeiten lassen dürfte. Wie bereits gestern berichtet, will der Landkreis die Liegenschaft kaufen, und mit den potenziellen Betreibern Johanniter und Salus sollen Gespräche geführt werden. Ein Sonderkreistag, wie noch von der CDU beantragt, wird es nicht geben, vorerst. VON MARCO HERTZFELD 

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