Theaterleiter Günther Tyllack: „Corona ist wie ein Damoklesschwert“

Stendaler Kino bleibt voraussichtlich über den Lockdown hinaus geschlossen

Leere rote Kinosessel.
+
Leer blieben die Sitze bereits im vergangenen Jahr im Stendaler Uppstall-Kino. Auch bei denkbaren Öffnungsmöglichkeiten nach Ablauf der aktuellen Eindämmungsverordnung wird ein Besuch voraussichtlich erst im Sommer möglich sein.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
    schließen

Viele Freizeiteinrichtungen können darüber sinnieren, wie sie mit einem möglichen Ende des Lockdowns umgehen. Für das Kino gilt das nicht: Auch ohne Lockdown gibt es keine Filme zu zeigen. 

Stendal – Viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, gibt es in der Pandemie nicht. Nach der aktuellen Eindämmungsverordnung sind die meisten Freizeiteinrichtungen geschlossen. Ab dem 19. April könnte das wieder anders aussehen – sofern der Lockdown nicht verlängert wird. Für das Stendaler Uppstall-Kino ist eine Öffnung jedoch auch dann keine Option, wie Theaterleiter Günther Tyllack auf AZ-Anfrage erklärt. Eine Öffnung sei voraussichtlich erst ab Juli realistisch – natürlich immer unter dem Corona-Vorbehalt.

2019 waren die Besucherzahlen mit 95 000 Kinogängern noch recht ordentlich. Mit der ausgesprochen kurzen Öffnungszeit bis zum 17. März sowie vom 26. August bis zum 1. November konnten nur 27 000 Menschen einen Film auf der großen Leinwand verfolgen. 145 Tage, also keine fünf Monate, lockten weniger als ein Drittel der Vorjahresbesucher ins Kino. Seit einer ähnlich langen Zeit ist das Kino wieder geschlossen. Ändern wird sich das vermutlich noch einige Monate nicht: Es fehlt einfach das Filmangebot. Bereits 2020 wurden viele Blockbuster, in die das Kinogewerbe Hoffnungen setzte, auf das laufende Jahr verschoben – teilweise sogar schon bis 2022. In einigen Fällen wurde ein Kinostart komplett ausgesetzt und die Produktionen stattdessen bei Streamingdiensten angeboten.

„Wegen alter Kamellen geht keiner ins Kino“, verwirft Tyllack auch die Idee, bekannte Filme und Klassiker, die gut gelaufen sind wie die Neuverfilmung vom „König der Löwen“ oder „Die Eiskönigin 2“ erneut ins Programm aufzunehmen. Das hätten die Erfahrungen von Kinos, die die erste Möglichkeit im Mai 2020 zu öffnen genutzt hätten, gezeigt.

Besser wird es vermutlich erst im Sommer. „Nach aktuellem Stand könnte es vom Filmangebot im Juli wieder interessant werden, der Fußball-EM zum Trotz“, sagt Tyllack. Mit „Peter Hase 2“, dem Marvel-Film „Black Widow“ und „Top Gun: Maverick“ dem neunten Teil der „Fast & Furious“ Reihe sowie dem nächsten Thriller von M. Night Shyamalan „Old“ gebe es genug Auswahl, damit für jeden etwas dabei ist. Profitieren kann das Kinogewerbe davon jedoch nur, wenn es die jeweiligen Eindämmungsverordnungen zulassen. „Corona ist wie ein Damoklesschwert“, stellt der Kinochef fest. Es lasse sich einfach nicht prognostizieren, wie sich die Lage entwickelt. Unter anderem auch, weil die Verleihfirmen global agieren und nicht auf einzelne Öffnungen in verschiedenen Ländern reagieren können. Sie verhielten sich teilweise noch so, wie in der Zeit der Filmrollen. „Da wird verlangt, dass ein Film drei Wochen am Stück gespielt werden muss, egal wie gut er ankommt“, erklärt Tyllack. Da müsste mehr Flexibilität in die Sache kommen. Lieber wäre es ihm, wenn nach dem Bedarf vor Ort Filme an bestimmten Wochentagen gespielt werden könnten.

Aber auch die Kinos selbst müssten sich in Zukunft weiterentwickeln. Beispielsweise könnten am späten Abend Vorstellungen mit einem Wunschfilm gebucht werden, wenn jemand in seinen Geburtstag hineinfeiern möchte. „Das kam auch schon mal vor“, berichtet Tyllack. Denkbar seien auch Sondervorstellungen für die Hochschule mit anschließender Diskussion für Kurse. „Es muss vielfältiger werden“, findet der Kinoleiter. Nur zu warten, welchen Blockbuster die Verleihfirmen als Nächstes ins Kino zu bringen, sei langfristig nicht der richtige Weg. Fest stehe jedoch: Das Kino sei nicht tot und er freue sich, die Popcornmaschine wieder anzuschmeißen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare