Temperatur hoch: Jäger sehen steigende Unfallgefahr

Stendaler Jägerschaft warnt: Wild früh hitzig unterwegs

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Die Gefahr eines Wildunfalls ist laut Jägerschaft derzeit besonders hoch.

Stendal – „Die Forderung nach höheren Abschüssen durch die Weidleute gleich weniger Wildunfälle greift nach unseren Erfahrungen viel zu kurz.“ Siegfried Holzinger, Sprecher der Jägerschaft, sieht einen drastischen Wandel in der Kulturlandschaft und einen reich gedeckten Tisch für das Schalenwild in der Altmark.

So oder so: Die hohen Temperaturen dieser Wochen ließen die Brunft des Rehwildes erfahrungsgemäß frühzeitig beginnen. „Nicht nur Jäger bemerken die steigende Aktivität des Wildes, auch Autofahrer sehen die treibenden Wildtiere immer öfter gefährliche Straßen überqueren.“

Die ständigen Unfallmeldungen der Polizei seien besorgniserregend. „Die Gefahr auf Straßen entlang der Wald-Feld-Kante ist dabei besonders hoch.“ Alle zweieinhalb Minuten passiere ein Wildunfall auf deutschen Straßen. Nach einer solchen Kollision nehme die Polizei den Unfall auf und rufe, auch mitten in der Nacht, den für das Revier zuständigen Pächter an.

Dieser entsorge das überfahrene Wild, übernehme eventuell notwendige Fangschüsse und stelle die Unfallbescheinigung für die Versicherung aus. „Das machen die Jägerinnen und Jäger freiwillig und ehrenamtlich“, betont Holzinger.

Siegfried Holzinger, Jägerschaft Stendal.

Für Wildschweine beispielsweise habe sich der Lebensraum in den vergangenen vier Jahrzehnten verdreifacht und sie besetzen diese Räume auch. „Folgerichtig ist im selben Zeitraum das erlegte Schalenwild um circa 130 Prozent gestiegen“, nennt der Uenglinger weitere Zahlen. Der Anbau von energiereichem Raps und Mais ohne Bitterstoffe sowie die Vergrößerung der Felder biete demnach gerade Schalenwild, also Reh, Hirsch und Wildschwein, mehr Nahrung.

In den nächsten Wochen gingen besonders Rehböcke auf Brautschau. „Hat ein Bock eine Ricke ins Visier genommen, treibt er seine Verehrte auch tagsüber häufig über größere Strecken durch Wald, Flur und Straßen.“ Ihren Höhepunkt erreicht die Paarungszeit im weiteren August. „Jedes sechste Reh wird nicht vom Jäger erlegt, sondern stirbt bei Verkehrsunfällen“, kennt Holzinger bundesdeutsche Statistiken.

Fahrzeuglenker sollten deshalb einiges beachten. Tiere kennen weder Verkehrsregeln noch Zeitumstellung. Angepasste Geschwindigkeit sei unerlässlich im Wald und an unübersichtlichen Wald-Feld-Rändern. „Und deshalb: Fuß vom Gas!“ Bei Tempo 80 statt 100 verkürze sich bereits der Bremsweg um 35 Meter. Besondere Aufmerksamkeit sei in der Dämmerung morgens und abends geboten.

„Steht Wild an oder auf der Straße abblenden, kontrolliert abbremsen und hupen“, rät Holzinger. Wild sei im grellen Scheinwerferlicht nun einmal schnell orientierungslos und reagiere panisch. Erscheine Wild unmittelbar vor dem Auto auf der Straße, Lenkrad festhalten und bremsen. „Ein kontrollierter Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver.“ Und „Achtung!“, wird der Sprecher der Jägerschaft besonders deutlich: „Bereits bei 60 Stundenkilometern hat ein Wildschwein das Aufprallgewicht eines Nashorns.“

VON MARCO HERTZFELD  

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