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Stendaler Innovation: Alstom rüstet auf Wasserstoff um

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Von: Stefan Hartmann

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Aus einer Lokomotive kommt weißer Wasserdampf heraus.
Eine technische Innovation wird am Stendaler Alstom-Werk präsentiert: Eine ehemalige Diesellok wird nun mit Wasserstoff betrieben. © Hartmann, Stefan

Das Alstom-Werk in Stendal ist sich sicher, eine technische Innovation geschafft zu haben. Künftig sollen in der Hansestadt Dieselloks auf Wasserstoff umgerüstet werden können. 

Stendal – Das Stendaler Alstom Werk feiert sich für eine technische Errungenschaft, die vor Ort entwickelt wurde: Künftig soll zum bekannten Portfolio des Standortes auch die Umrüstung von Dieselloks auf Wasserstoff angeboten werden.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um die bekannte Brennstoffzellentechnologie: Den Stendaler Eisenbahnern ist es gelungen, die Dieselmotoren umzurüsten, um sie mit Wasserstoff betreiben zu können. Das bringe neben mehreren anderen auch einen ganz entscheidenden Vorteil: Es ist schlicht günstiger, als den gesamten Motor mit einer Brennstoffzelle auszutauschen.

Auch wenn das Projekt ganz neu ist, nimmt die Geschichte ihren Anfang 2006. Damals wurde die Hybridlok entwickelt. Ein Dieselmotor lädt die Batterie bei Bedarf während der Fahrt auf. Das sorgt dafür, dass die Rangierloks beispielsweise in Fabrikhallen fast flüsterleise fahren können und die dort arbeitenden Kollegen nicht mit Dieselabgasen in Berührung kommen müssen. Nun die nächste Stufe der Entwicklung erreicht: Mit dem Einsatz von Wasserstoff statt Diesel sei die Lok quasi emissionsfrei.

Für die Langstrecke ist diese Art der Technologie allerdings nicht gedacht. „Langstrecke fährt man an der Oberleitung“, stellt Standortleiter Jörg Neubauer fest. Zum Einsatz kommen kann sie aber überall dort, wo rangiert werden muss oder an Bahnbaustellen, an denen es noch keine Oberleitungen gibt. Allein für den europäischen Markt sieht Alstom gute Voraussetzungen. Rund 4000 alte Dieselrangierloks seien derzeit im Einsatz. Sie werden nicht ausgetauscht, weil es schlicht günstiger ist, sie weiterzuverwenden und alle paar Jahre erneuern zu lassen, als Neuanschaffungen für mehrere Millionen Euro zu tätigen.

Den genauen Preis für die Aufrüstung auf Wasserstoff nach dem Prinzip Alstom Stendal kann noch niemand nennen. Im April 2022 lief der erste Dieselkolben mit Wasserstoff. Wenige Wochen später alle sechs und am Donnerstag, 24. November, wurde das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert.Die exakten Preise, auch für Teile von Zulieferern, sind damit noch in Abstimmung. Aber geplant wird, dass die Umrüstung nur wenig teurer wird, als die notwendige Erneuerung, die alle paar Jahre bei industriell genutzten Dieselloks ohnehin ansteht. Angebote an Kunden sollen ab Herbst 2023 gemacht werden können.

Die erste Wasserstoff-Hybrid-Lok soll dann 2024 in Betrieb gehen. Das in der Rolandstadt entwickelte System soll auch im Stendaler Werk für den deutschsprachigen Raum angeboten werden können. Weitere Werke in Europa und weltweit sollen das Konzept aber übernehmen können.

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