Quarantänebescheide gehen verzögert raus

Stendaler Gesundheitsamt überlastet: Nicht jeder Kontakt wird getestet

Die Lage im Landkreis ist angespannt: Landrat Patrick Puhlmann erklärt, dass der Corona-Virus nicht die einzige Erkrankung ist, die die Verwaltung beschäftigt. Fotos: Hartmann
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Die Lage im Landkreis ist angespannt: Landrat Patrick Puhlmann erklärt, dass der Corona-Virus nicht die einzige Erkrankung ist, die die Verwaltung beschäftigt.

Stendal – Die Lage im Landkreis ist angespannt. Das gilt nicht nur für die steigenden Infektionszahlen, sondern auch für die Menschen, die in der Kreisverwaltung arbeiten, wie sich bei der kurzfristig einberufenen Corona-Pressekonferenz mit dem Landrat Patrick Puhlmann (SPD), Amtsärztin Iris Schubert und Anja Fischer vom Kreisordnungsamt zeigte. „Bis jetzt spricht der Landrat und ich bin da“, erklärte Schubert den wartenden Pressevertretern kurz vor Beginn.

Im Vergleich zu den Zahlen in Köln sei das, was im Landkreis passiert, „Pillepalle“, erklärte Puhlmann. Aber das sei auch eine Millionenstadt, während der Landkreis deutlich weniger Einwohner hat. Die Situation habe sich dennoch eindeutig geändert. Innerhalb kurzer Zeit habe es 70 neue Infizierte gegeben. „Das hat im Frühjahr fast sechs Wochen gedauert“, verdeutlichte er die Lage. Der große Anstieg bedeute nicht nur, dass mehr getestet werden müsse, sondern auch, dass unzählige Kontaktpersonen informiert und in Quarantäne geschickt werden müssen. „Zehn neue Fälle bedeuten 100 oder 200 Kontaktpersonen“, berichtet Schubert. Im Fall einer Hochzeit, die zu 400 Quarantänefällen geführt hatte, war wegen der großen Datenmengen auch das System ausgefallen. „Die Excel-Listen sind einfach zusammengebrochen“, sagt Schubert. Das hätte zu einer Verzögerung geführt, weshalb noch nicht alle Betroffenen informiert werden konnten. Das solle in den kommenden Tagen nachgeholt werden. „Wir müssen einfach priorisieren“, machte Puhlmann den Arbeitsaufwand deutlich. Keine Verzögerung solle es jedoch bei notwendigen Negativbescheiden für die Aufnahme in Altenpflegeeinrichtungen, Reha-Maßnahmen und Ähnliches geben.

Auch wenn die Amtsärztin die Sorge der Menschen verstehen könne, müsse nicht jeder, der mal einem Infizierten über den Weg gelaufen wäre, in Quarantäne. „Corona ist kein Freizeitvirus“, stellt Schubert klar. In Teilen der Bevölkerung werde die Auffassung vertreten, dass ein einfacher Anruf beim Gesundheitsamt zur Quarantäne und damit zum Spontanurlaub führe. „So läuft das bei uns nicht“, machte sie klar. Dabei sorgten auch gute Hygienekonzepte bei Veranstaltern und Organisationen dafür, dass nicht jeder in Quarantäne müsse. Die aufwendige Nachverfolgung aufrecht zu erhalten erfordere jedoch viel Kraft – in allen Bereichen der Verwaltung, die das Gesundheitsamt bei seiner Arbeit unterstützen.

Wie auch im Frühjahr stehe die Kreisverwaltung im ständigen Austausch mit den Kommunen des Landkreises. Dabei kommen auch, teilweise für die Bürger frustrierende Unterschiede in der Vorgehensweise zutage. So müsse der Wochenmarkt in Stendal geschlossen bleiben (AZ berichtete), während andere geöffnet bleiben müssen. „Es ist klar, dass Zugangsbeschränkungen nötig sind“, erläuterte Fischer. Bei einem so stark frequentierten Markt wie in der Hansestadt sei das jedoch, im Gegensatz zu anderen Städten, nicht möglich.

Neben dem Corona-Virus wurde auch eine weitere Krankheit bei der Konferenz angeschnitten: Die Afrikanische Schweinepest. „Sie ist noch nicht hier“, stellte Puhlmann klar. Ein wichtiges Mittel, damit das so bleibe, sei die Jagd aufs Schwarzwild. Deshalb sollen trotz des dabei entstehenden höheren Menschenaufkommens die Jagden weiter stattfinden können. „Viele Jäger machen das ehrenamtlich und sind auf ihre Gesundheit bedacht“, erklärte der Landrat. Deshalb gebe es bei diesen auch Unsicherheiten. Um die Gefahr möglichst gering zu halten, sollen deshalb maximal 50 Jäger teilnehmen und auf ein gemeinsames Essen und einen Umtrunk verzichtet werden.

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