Stadt setzt auf den neuen Eigentümer / Erste Arbeiten erledigt

Stendaler Ex-Obi aus dem Schwarzbuch

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Erste Aufräumarbeiten sind bereits erledigt. Der Parkplatz ist geräumt.

Stendal – Die Versteigerung des früheren Obi-Komplexes Mitte Februar lässt die Stadt auf eine bessere Zukunft für den gesamten Bereich an der B 188 hoffen.

„Denkbar wäre es, dass durch die Veränderungen auf dem Gelände neue Interessenten angezogen werden“, meint Rathaussprecher Philipp Krüger gegenüber der AZ. „Hoffnungen auf eine gewerbliche Nutzung, insbesondere auf das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen, werden geweckt. “ Dass das Gewerbegebiet Bindfelde 2007 im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler stand, scheint für die Einheitsgemeinde weit weg. Und überhaupt: „Der Umstand der Eintragung resultierte aus der Eingemeindung Bindfeldes. “.

Die Geschichte geht zurück bis Anfang der 1990er-Jahre. Bindfelde vor den Toren Stendals wünschte sich ein Gewerbegebiet und arbeitete mit einer Planungs- und Vermarktungsgesellschaft zusammen. Der Erfolg blieb ziemlich überschaubar.

Steuerzahler-Bund kritisiert Ausgaben

Die Stadt soll dem Vorhaben von Beginn an zumindest skeptisch gegenübergestanden haben. Mit der Kommunalreform 1997 kam das Dorf zu Stendal und das erbte eine Belastung in Millionenhöhe. Als der Baumarkt vor 15 Jahren dichtmachte, fiel das gesamte Gewerbegebiet schließlich so richtig in den Dornröschenschlaf. Bis auf die Straßen und weitere Erschließungsanlagen befinden sich die Flächen in Privatbesitz.

Die Natur holte sich zurück, was ihr einst mit viel Geld abgerungen wurde. Gestrüpp schoss in die Höhe. Mitte 2003 keimte noch einmal kurz Hoffnung auf. Das Unternehmensnetzwerk Altmark sprach von einem Konzept, Investoren, 30 Millionen Euro, einem Möbelhaus, einem Sport- und Freizeitzentrum, einer Fast-Food-Filiale und anderem mehr. Bei den Plänen blieb es. Tristesse machte sich weiter breit. Der frühere Obi-Markt wurde zur Geisterkulisse. Mülltouristen entdeckten das Gelände für sich. In der Liste Stendaler Gewerbegebiete taucht es schon einige Zeit nicht mehr auf. Immerhin: Seit gut fünf Jahren stehen auf einem beachtlichen Teil des Gesamtgeländes Solaranlagen.

Bismarck-Firma ersteigert Komplex

Das frühere Obi-Grundstück wechselte durch eine Versteigerung im Amtsgericht Stendal den Besitzer. Die Bismarck Immobilien GmbH habe den Zuschlag für 258.000 Euro erhalten, informiert stellvertretende Gerichtssprecherin Stefanie Hüttermann auf Nachfrage der AZ.

Der neue Eigentümer hat sein Revier markiert.

Der Verteilungstermin ist auf den 9. April anberaumt, bis spätestens dahin muss das Geld bezahlt sein. Das Areal gehörte die ganzen Jahre zwei Geschäftsleuten, die es auch an die Obi-Kette vermietet hatten. Die Stadt erhofft sich nun neue Impulse für das gesamte Gebiet. „Einen Handelsplatz für Innenstadt-relevante Angebote sehen wir hier jedoch nicht“, schränkt Sprecher Krüger bereits ein Stück weit ein. Auf dem Areal nahe der B 188 sind derweil erste Arbeiten erledigt worden. Wildwuchs und Abfall wurden entfernt, das Gebäude gesichert.

Alexander von Bismarck in Döbbelin handelt im großen Stil mit Weihnachtsartikeln und Dekorationen. Das Unternehmen könnte den früheren Obi-Markt als Lager benutzen, zumindest ist davon bereits die Rede gewesen. Inwieweit er weiterreichende Pläne für das Objekt hat, lässt von Bismarck auch auf Nachfrage bislang offen.

Politik wünscht sich mehr als das Lager

Das Rathaus beobachtet die Entwicklung jedenfalls wohlwollend. Noch einmal Stadtsprecher Krüger: „Die Hansestadt Stendal bewertet den Umstand positiv und erhofft sich nun vom neuen Eigentümer gute Ideen zur Umsetzung.“ Von Bismarck dürfte erst einmal zusätzliches Geld in die Hand nehmen müssen, um das Gebäude nach all dem Leerstand in Schuss zu bringen.

VON MARCO HERTZFELD 

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