„Jeder für sich selbst verantwortlich“

Stendaler Apotheker warnt: Falsche Medikamenten-Dosierung kann zu Unfällen führen

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Ein Fünftel aller Medikamente haben Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit.

Stendal – Die Einnahme von Medikamenten im Straßenverkehr kann fatale Folgen haben. Verkehrsunfälle, die auf nachweislich fehlende Konzentrationsfähigkeit oder Benommenheit zurückgeführt werden können, können einen Autofahrer teuer zu stehen kommen.

Denn ist seine Fahrtüchtigkeit nicht gewährleistet, erlischt der Versicherungsschutz. Daher ist es wichtig, sich mit den Nebenwirkungen einer Arznei zu befassen.

„Ein Fünftel aller derzeit auf dem Markt erhältlichen Medikamente haben Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit“, sagt Christoph Schaefer aus Stendal, Inhaber der Roland-Apotheke. Dies gelte insbesondere für Präparate, die auf das Gehirn oder das Herzkreislaufsystem einwirken. Auch viele frei verkäufliche Arzneimittel können die Reaktionsfähigkeit am Steuer herabsetzen, darunter Schmerzmittel, Schnupfenspray, Hustensaft, Appetitzügler und andere. Schaefer war kürzlich zu Gast beim Stendaler Ortsclub im ADAC, um über die Wirkung von Medikamenten im Straßenverkehr zu berichten.

Doch wie sieht es der Gesetzgeber? Ein generelles Fahrverbot betrifft all jene, die in den letzten 24 Stunden unter Narkose standen. Gleiches gilt für Eingriffe am Auge, wenn pupillenerweiternde Tropfen eingesetzt werden. Für alle anderen Fälle, sofern die Medikamente keinen Alkoholgehalt aufweisen, gilt das Verbot nicht. Jeder Autofahrer ist selbst dafür verantwortlich, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet.

„Es gibt einige Warnzeichen, auf die man dringend achten sollte“, führt der Apotheker aus. Dazu gehören Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Unruhe oder auch Aggressivität. Im Zweifelsfall sollte man sich lieber von einem Freund oder Bekannten fahren lassen, rät der Fachmann.

Es gibt aber auch auch Arznei, die dazu beiträgt, die Fahrtüchtigkeit aufrecht zu erhalten. Dazu gehören etwa Bluthochdruck-Medikamente, Antidiabetika – damit der Fahrer während der Fahrt keinen Zuckerschock erleidet – oder auch Mittel bei Epilepsie. Die einmalige Einnahme von Schmerzmitteln, solange es sich dabei nicht um Morphine handelt, sei ebenfalls ungefährlich, meint Schaefer.

Grundsätzlich gilt: Für die richtige Einnahme von Medikamenten ist der Verkehrsteilnehmer selbst verantwortlich. Alkohol verträgt sich generell nicht mit Arzneimitteln, auch Über- und Unterdosierungen können fatale Folgen haben. „Werden Patienten medikamentös neu eingestellt, empfiehlt es sich zunächst, längere Autofahrten am Steuer zu vermeiden“, rät Schaefer, damit der Betroffene die Wirkung der Medizin besser einzuschätzen lernt. Die Informationen auf den Beipackzetteln sind stets zu beachten. Es bietet sich aber auch an, den Hausarzt oder Apotheker des Vertrauens nach Rat zu fragen.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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