Selbsttests jetzt auch für Apotheken lieferbar / Dunkelziffer aufspüren

Stendaler Apotheker erklärt: Coronatests sind ungefährlich

Jeweils ein Stäbchen für Schnelltests (links) und Selbsttests.
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Die Teststäbchen für Schnelltests (links) sind viel dünner, damit der Rachenraum besser erreicht werden kann. Selbsttests haben dickere Köpfe, um im vorderen Teil der Nase mehr Material aufzunehmen.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Nach langer Wartezeit sind auch in Apotheken Selbsttests verfügbar. Apotheker Mark Crusius erklärt, wo der Unterschied zum Schnelltest liegt und, dass niemand vor den Stäbchen Angst haben muss. 

Stendal – Lange hatten Apotheken kaum Zugang zu Selbsttests, das hat sich mittlerweile geändert. Seit Montag sind sie lieferbar und wie Apotheker Mark Crusius von der Löwen-Apotheke erklärt, werde das voraussichtlich so bleiben. Für seine eigenen Kinder sei das Testen kein Problem. Die seien, was auch seinem Beruf geschuldet sei, oft über das Thema Corona informiert worden und hätten dementsprechend auch vor den Selbsttests wenig Angst. Das könne ein guter Weg sein, den Kindern die Angst vor dem Stäbchen zu nehmen, stellt er fest.

Vor den Selbsttests müsse niemand Angst haben. Im Gegensatz zu den teilweise unangenehmen Schnelltests müssen diese nur in den vorderen Teil der Nase eingeführt werden.

Wirkliche Furcht brauche man vor diesen ohnehin nicht zu haben. Im Gegensatz zu den bekannten Schnelltests, die tief in die Nase eingeführt werden, sind bei den Selbsttests die Stäbchen viel dicker und müssen nur rund zwei Zentimeter tief eingeführt werden. Dafür müsse aber ordentlich „gerührt“ werden, wie Crusius es umschreibt. Wie alle Fremdkörper werden Viren von der Nase sowohl nach vorne, als auch nach hinten zum Rachen abgeleitet. Mit den schmalen Schnelltests wird dabei eine Probe aus dem Rachenbereich, in dem bei einer Infektion eine höhere Virenlast herrscht, genommen. Im vorderen Teil der Nase fänden sich jedoch weniger Viren, weshalb dort mehr „gerührt“ werden müsse – gemeint ist das sorgfältige Abstreichen der Nase für rund 30 Sekunden. Gerade bei den sehr schmalen Schnelltests könne das stark kitzeln. Mit den breiteren Selbsttests, die ungefähr dreimal so dick wie ein handelsübliches Q-Tipp seien, wäre es angenehmer. Prinzipiell könnten jedoch theoretisch auch die dünneren Stäbchen für einen Selbsttest genutzt werden. Davon abgesehen seien die Tests jedoch völlig ungefährlich, wie der Apotheker erklärt.

Stimmen, die behaupten, Kinder zu testen sei ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, hält Crusius entgegen: „Viel gefährlicher wäre es, sie nicht zu testen.“ Damit könne die Dunkelziffer an Betroffenen herausgefischt werden, die möglicherweise keine Symptome zeigt, aber dennoch andere anstecken kann. Das sei auch einer der Gründe, wieso in den vergangenen Wochen die Inzidenzzahlen gestiegen sind. Es würden mehr laufende Infektionen erkannt – auf diesem Weg aber auch die entsprechenden Ansteckungsketten unterbrochen.

Apotheker Mark Crusius erklärt den Unterschied zwischen Schnell- und Selbsttests.

Auch mit einem beliebten Gerücht möchte der Apotheker aufräumen: Angeblich seien auf den Teststäbchen krebserregende Stoffe. „Sie müssen steril sein“, erläutert Crusius. Ein Mittel, das dafür zum Einsatz kommt, ist beispielsweise Ethylenoxid, das tatsächlich krebserregend ist. Jedoch verfliege es auch nach drei Wochen und stelle am gebrauchsfertigen Teststäbchen keine Gefahr dar, sagt Crusius.

Eine besondere Vorbereitung für einen Selbst- oder Schnelltest müsse man nicht machen. Zu beachten sei jedoch, dass Personen mit Erkältungssymptomen in der Apotheke nicht getestet werden dürfen. Eine grundlegend saubere Nase sei jedoch hilfreich, wie Crusius mit einer Anekdote verdeutlicht: Ein Testkandidat kam direkt von der Kartoffelernte – bei diesem kam das Teststäbchen dann komplett schwarz aus der Nase.

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