1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Stendal: Zwei Varianten für hochwertige Biomüllverwertung möglich

Erstellt:

Von: Stefan Hartmann

Kommentare

Eine Grafik zeigt den maximal gewählten Abstand für eine Verwertungsanlage.
Nicht weiter als 85 Kilometer Luftlinie soll der Bioabfall aus dem Landkreis Stendal zur hochwertigen Verwertung transportiert werden müssen. Grafik: Gavia © Privat / Gavia

Der Biomüll des Landkreises Stendal soll hochwertig verwertet werden. Dafür müssen mehrere Möglichkeiten abgewogen werden. Eine erste Auswertung ergibt, dass zwei Varianten in die nähere Betrachtung fallen. 

Stendal – Was wird aus dem Biomüll? Verbrennen, kompostieren oder gibt es noch weitere Möglichkeiten? Diese Frage beschäftigt den Landkreis schon länger – und nimmt nun neu an Fahrt auf.

Ziel ist eine „hochwertige Verwertung“. Allein schon diese Einschränkung reduziert die Zahl der Möglichkeiten, die die beauftragte Gesellschaft für Beratung, Entwicklung und Management Gavia ermittelt hat. Da bislang keine Anlagen in der Region existieren, die die hochwertige Verwertung ermöglichen, müsse von einem Abtransport ausgegangen werden. Um potenziellen Partnern bei der Standortsuche einen gewissen Spielraum zu ermöglichen, werde ein Radius von 85 Kilometern Luftlinie als angemessen eingestuft. Dabei werde sichergestellt, dass die CO2-Ersparnis mit der Vergärung der Bioabfälle die zusätzlichen Emissionen für deren Transport mindestens um den Faktor 20 übersteigt.

Damit verbleiben zwei Optionen, deren Realisierung von der Gavia als wahrscheinlich eingestuft werden. Zum einen eine Kooperation mit dem Landkreis Havelland, dem Landkreis Ostprigniz-Ruppin sowie den Städten Brandenburg an der Havel und Potsdam. Der Landkreis Havelland betreibt am Standort Schwanebeck bereits eine Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage, die zu einer Vergärungsanlage umgebaut werden wollen. Die anderen Städte und Landkreise hätten bereits den Beschluss gefasst, sich an einer Kooperation zu beteiligen. Zum anderen steht dem Landkreis die Option einer EU-weiten Vergabe offen. Ein potenzieller Bieter hätte dem Landkreis einen Lösungsansatz vorgestellt, bei dem eine Vergärungsanlage errichtet werden soll. Diese beiden Varianten stuft die Gesellschaft im Bezug auf die Realisierung und fristgerechte Inbetriebnahme als „wahrscheinlich“ ein.

Nur noch theoretisch möglich ist demnach eine Kooperation mit dem Altmarkkreis Salzwedel oder „einem regionalen Energieversorger“ möglich. Im ersten Fall würden die Bioabfälle in der aktuellen Verwertungsanlage Gardelegen kompostiert werden. Um dort eine Vergärungsstufe, und damit eine hochwertige Verwertung, zu ermöglichen, müsste die Anlage jedoch ertüchtigt werden. Da der Altmarkkreis Salzwedel dies in Sondierungsgesprächen ausgeschlossen habe, stehe diese Option nicht zur Verfügung.

Die Kooperation mit einem regionalen Energieversorger wurde ebenfalls ausgeschlossen: Die für einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb erforderliche Bioabfallmenge von 20 000 Tonnen pro Jahr sei nicht verfügbar. Auch die planungs- und genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen seien nicht geklärt, weshalb nicht klar sei, ob und welchen Bedingungen eine Realisierung möglich sei. Der damit einhergehende Zeitverzug könnte die Entsorgungssicherheit im Landkreis Stendal gefährden.

Auch interessant

Kommentare