Neubelebung nicht passé

Stendal: Wohngebiet Süd an Scheideweg

Ein Fahrzeug des Stendaler Bauhofes steht am Markt und hat ein Schild Wohngebiet Süd auf der Ladefläche.
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Ein Bild mit Symbolkraft: Mitarbeiter der Stadt Stendal haben am Marktplatz zu schaffen. Das Schild zum Wohngebiet Süd auf der Ladefläche hat damit nichts zu tun. Das Gebiet ist nach der Wende fast komplett geschleift worden.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Das Wohngebiet Süd in Stendal steht am Scheideweg. Eine Neubelebung scheint nicht passé.

Stendal – Zweifelsfrei hat der Stadtteil Süd Menschen und Wohnquartiere verloren. Auch dürfte der Bestand an Verkehrs- und Hinweisschildern in den vergangenen gut zwei Jahrzehnten ausgedünnt worden sein. Als Ende August ein Trupp des Bauhofes am Marktplatz Arbeiten verrichtet, klappt auf der Ladefläche des Fahrzeugs auch ein großes gelbes Schild, welches auf das Wohngebiet Süd verweist. Aus welchen Gründen ausgemustert oder auch nicht, es schien, als würde das Plattenbaugebiet aus DDR-Zeiten weiter ausgeräumt, einer der letzten Hinweise darauf verwischt. Ein Fingerzeig, und der ausgerechnet vorm Rathaus, wo regelmäßig die politischen Entscheidungen zur Stadtentwicklung fallen. Bei der Zukunftsfrage will und muss sich Rathaussprecher Armin Fischbach dieser Tage recht zugeknöpft zeigen. „Das Ziel der Verwaltung bleibt der Rückbau der Plattenbauten.“

Fraktionen zeigen Initiative

So steht es auch im aktuellen Stendaler Stadtentwicklungskonzept. Und doch muss das nicht das endgültige Aus des Stadtteils bedeuten. Erinnert sei an einen Stadtratsbeschluss aus dem Dezember 2020, der auf einer recht knappen Mehrheit fußt und für einiges Aufsehen gesorgt hat. Die Fraktionen SPD/FDP/Ortsteile und FSS/BfS wollten durch ihre Initiative eine gewisse Kehrtwende für Süd erreichen und hatten dabei vornehmlich den Bau weiterer Eigenheime im Sinn. Geändert werden müsste dafür nicht zuletzt der Flächennutzungsplan. Innerhalb von sechs Monaten sollte die Stadtverwaltung einen passenden Beschlussvorschlag liefern. Inwieweit der Einsatz besagter Fraktionen noch fruchten soll und kann, wird sich zeigen. Fragwürdige Eigentumsverhältnisse übrig gebliebener Plattenbauten hatten zuletzt die öffentliche Wahrnehmung von Süd beherrscht.

„Grundsätzlich hat der Stadtteil Süd schon deshalb Relevanz, weil er für das Gesamtkonzept der städtebaulichen Neuordnung mitbedacht werden muss“, zeigt sich der Stadtsprecher auf AZ-Nachfrage salomonisch. Und weiter: „Ob dies in einem vollständigen Rückbau, einer Umnutzung oder einer teilweisen Weiternutzung resultieren wird, ist noch unklar.“ Ziel der Verwaltung bleibe eben der Rückbau der DDR-Plattenbauten. Eine eventuelle Neubelebung, in welcher Form auch immer, sei bislang eher als „langfristiges Ziel“ zu betrachten. „Gegebenenfalls nach Aktualisierung der Bedarfsanalyse für städtische Wohnbauflächen, dem Rückbau, der Erarbeitung von alternativen städtebaulichen Entwürfen und Konzepten und insbesondere der Findung einer einheitlichen Zielkonzeption, die für alle Akteure zufriedenstellend ist.“

Was das alles letztendlich bedeuten soll, Fischbach kann das derzeit nicht detailliert beantworten. Zumal die mögliche Renaissance von Süd auch reichlich Facharbeit bedeuten dürfte. „Derzeit ist die entsprechende Stelle im städtischen Planungsamt unbesetzt und das Verfahren noch nicht vergeben“, teilt Fischbach weiter mit. Übrigens, wer es nicht oder nicht mehr weiß: Stendal zählte kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland mehr als 50.000 Einwohner, und das noch ohne größere Eingemeindungen. Aktuell sind es um die 40.000 Menschen. Das vom Stadtrat 2001 beschlossene Stadtentwicklungskonzept und dessen Fortführung einige Jahre später sehen den Rückbau von circa 6000 Wohneinheiten vor. Die Zahl scheint heute in etwa erreicht, könnte aber nicht ausreichen. Auf der Grundlage des Konzeptes wurde Süd weitgehend und Stadtsee zum Teil zurückgebaut.

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