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Stendal: Wilder Müll ist oft sehr gewöhnlich

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Von: Stefan Hartmann

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Schwarze Müllsäcke liegen auf Gras. Im Hintergrund sind einige Bäume, durch die die Sonne scheint.
Die altmärkische Natur wird von einigen Bürgern mit Müllsäcken verunstaltet. © Hartmann, Stefan

Wenn Menschen Müll, Abfälle und Schrott in der Landschaft abladen, ist das nicht nur unschön anzusehen, sondern verursacht auch Kosten für alle. Diese sind oft unnötig, erklärt die ALS: Meist wäre die Abgabe kostenfrei. 

Stendal – Die Straße unter den Reifen wird immer hoppeliger. Ein großer Transporter der Abfallgesellschaft des Landkreises Stendal (ALS) muss den tiefer werdenden Schlaglöchern großzügig ausweichen: Nur wenige Meter außerhalb der Stadt beginnen sich die Ansammlungen wilden Mülls zu häufen. Fernseher, Müllsäcke, Haufen von Dachpappe und sonstiger Unrat finden sich zwischen vielen Büschen und Bäumen. Einsammeln darf der ALS-Mitarbeiter Sebastian Truthe nicht alles, was er sieht.

Zuerst müsse eine offizielle Meldung darüber eingehen, erklärt er auf AZ-Nachfrage. Gründe gibt es dafür viele. Einer der ganz entscheidenden ist jedoch, dass mit dem Einsammeln auch Beweise vernichtet werden können. „Manchmal finden sich Hinweise auf den Verursacher im Abfall“, erläutert der Ver- und Entsorgespezialist. Auch wenn das nicht der Fall ist, laden die Fundstücke doch immer wieder zum Staunen ein. Nicht, weil besonders Außergewöhnliches die Natur vermüllt, sondern weil es oft so gewöhnliche Dinge wie Flaschen, Papiertüten oder Gartenabfälle sind. Alle könnten entweder sehr günstig oder kostenfrei entsorgt werden – ohne sich beim Abladen in der Natur strafbar zu machen, erinnert der Entsorger.

Überraschend sei auch die Häufigkeit, mit der Elektroaltgeräte ausgesetzt werden. Diese können und müssen von Elektrohändlern kostenfrei angenommen werden. Auch bei den Recyclinghöfen der ALS ist die Abgabe kostenfrei. Und wer sie ohnehin schon ins Auto geladen hat – um sie im Fall vom wilden Müll – in der Natur abzuladen, könnte sie stattdessen auch direkt der ALS geben, anstatt alle Gebührenzahler mit dem Extraaufwand zu belasten. Dabei geht es nicht nur allein um den Naturschutz, erklärt Jastin Schmitz, Pressesprecher der ALS. „Die Rohstoffe nutzen auf dem Feld niemandem“, stellt er fest.

Auf die wertvollen Bestandteile haben es auch andere abgesehen. An einer besonders von Büschen umgebenen Stelle sammeln Truthe und Schmitz mehrere scheinbar ausgeschlachtete Staubsauger ein. Einen Beweis dafür, wer die Gerätereste abgelegt hat, gibt es nicht, aber ein Verdacht ist naheliegend. Illegale Müllsammler an der Haustür würden häufig nur die Metallteile herausnehmen, um sie beim Schrotthändler zu Geld zu machen. Der relativ wertlose Kunststoff landet dann häufig in der Natur.

Bürger haben – neben der Möglichkeit, ihren Müll nicht in der Natur abzuladen – mit der App der ALS eine einfache Möglichkeit, etwas gegen wilden Müll zu tun. Wer die App und schließlich deren Menü öffnet, findet dort den Punkt „Müllmelder“. Über diesen können Müllfunde direkt und noch vor Ort gemeldet werden. Hilfreich sei es dabei, direkt anzugeben, welche Art von Müll gefunden wurde. Kanister können beispielsweise eine Quelle von Gefahrstoffen darstellen, die speziell entsorgt werden müsse. Ebenfalls können Fotos gemacht werden. Praktischerweise markiert die App mittels GPS auch den Standort des Mülls. Doch dabei ist Vorsicht geboten, erinnert Schmitz. Wer auf einem Feldweg kein Netz hatte und die Meldung vom heimischen Sofa aus macht, gibt seinen aktuellen Standort an. Dieser muss dann von Hand auf der Karte markiert werden. Das helfe der ALS jedoch ungemein, die Arbeit zu verkürzen und sich möglichst verzögerungsfrei angemessen um den Abfall zu kümmern.

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