Hansestadt hält Toiletten offen und denkt bereits ans Landesfest

Stendal: Virus stört stilles Örtchen nicht

Im Unterschied zu anderen öffentlichen Toiletten verlangt die Stadt für den Lokus am Bahnhof ganz offensichtlich einen Obolus. Ausnahme oder nicht, gestern ließ sich die Tür auch ohne Münzeinwurf öffnen.
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Im Unterschied zu anderen öffentlichen Toiletten verlangt die Stadt für den Lokus am Bahnhof ganz offensichtlich einen Obolus. Ausnahme oder nicht, gestern ließ sich die Tür auch ohne Münzeinwurf öffnen.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Stendal – Was das mehr oder weniger stille Örtchen angeht, lässt sich Stendal vom Virus nicht groß stören. „Die Corona-Pandemie hat auf den Betrieb der öffentlichen Toiletten keinerlei Einfluss“, teilt Armin Fischbach auf Nachfrage der AZ mit.

„Die Toiletten werden täglich gereinigt.“ Circa 40 000 Euro gibt die Einheitsgemeinde jährlich für den Betrieb aus. Inwieweit die verstärkten allgemeinen Hygieneregeln 2020 die Ausgaben spürbar steigen lassen könnten, darauf geht der Stadtsprecher noch nicht ein.

Dafür richtet sich der Blick schon einmal weiter nach vorn auf den Sachsen-Anhalt-Tag. Für das Landesfest im Sommer 2022 soll es nicht zuletzt einen „speziellen temporären Toilettenstand“ geben.

Die Planungen dafür laufen. Stehen soll das Ganze mit Rückgriff auf wichtige Wasser- und Abwasseranschlüsse auf der Windgasse zwischen Rathaus und Marienkirche. Wie die Anlage aussieht und was sie besonders macht, dazu geht Fischbach derzeit nicht weiter ins Detail. Auf jeden Fall soll dieser Toilettenstand nah an Marktplatz und Winckelmannplatz zukünftig generell für Veranstaltungen dienen. Beim Landesfest in knapp eineinhalb Jahren müssten natürlich sehr viele Toilettenwagen aufgestellt werden. Die Standorte seien abhängig vom Verlauf der Händlerstrecken. „Danach können wir bestimmen, in welchen Gassen, auf welchem Hof oder wo sonst noch ein zusätzlicher Wagen platziert wird.“

Öffentliche Toiletten ganz normal und außerhalb dieser Hochzeit gibt es in der Kernstadt eine Handvoll: Hospitalstraße, Priesterstraße, Bahnhof, Uenglinger Tor, Tierpark und Friedhof. Zudem lässt die Einheitsgemeinde eine Mobiltoilette am Abenteuerspielplatz im Stadtforst betreiben. In den kleinen Ortschaften gibt es keine sanitären Angebote. Der Fachbegriff lautet übrigens Öffentliche Bedürfnisanstalt, kurz ÖBA. 75 Prozent der etwa 40 000 Euro Jahresausgaben sind Personalkosten für die Reinigung. Der Rest geht für Energie, Abwasser, Reinigungsmittel und Hygieneartikel drauf. Zudem muss regelmäßig Miete für das besagte Mobil-WC bezahlt werden.

Die Hansestadt sei mit öffentlichen Toiletten „insgesamt ausreichend“ versorgt, weitere Angebote für Einheimische und natürlich auch Gäste der Stadt seien derzeit nicht geplant. Wer es nicht mehr weiß: Vor fast genau sieben Jahren wollte die FDP öffentliche Anlagen aus Kostengründen abschaffen, Toiletten in Gaststätten und Geschäften sollten ausreichen und diese für ihre Bereitschaft eine Entschädigung bekommen. Selbstverständlich scheint das Stadt-WC also nicht. Zumal immer wieder Zerstörungswut Spuren hinterlässt. „Vandalismus und extreme Verschmutzungen“ waren und sind laut Rathaussprecher ein Thema. Ein Beispiel: Anfang 2020 wurde in der Toilette Priesterstraße ein Spiegel zerstört.

Gefragt wird auch immer wieder einmal nach dem historischen Toilettenhäuschen an der Bismarckstraße. Das markante backsteinrote Haus gehört schon rein optisch zum Gebäudeensemble Diesterwegschule gleich nebenan. Einst offenbar so gut wie stets und ständig geöffnet, dann nur noch zu Veranstaltungen auf dem Schützenplatz, wurde der Betrieb 2012/13 ganz eingestellt. „Das Häuschen wurde 2018 an eine Privatperson veräußert, die uns ein akzeptables Nutzungskonzept vorlegen konnte“, erinnert der Rathaussprecher. Weitere Angaben macht er nicht. Damals war die Rede davon, dass es dort am Schützenplatz wieder eine sanitäre Einrichtung geben könnte.

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