„Bitte untersagen Sie das!“ / „Bürgermelder“ gibt auch Antwort

Stendal: Virtuelle Beschwerdestelle rege genutzt

Das Rathaus der größten Stadt der Altmark setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Beschwerden gibt es über Baustellen und das Angebot auf dem Wochenmarkt.
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Das Rathaus der größten Stadt der Altmark setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Beschwerden gibt es über Baustellen und das Angebot auf dem Wochenmarkt.

Stendal – 25 Fälle von Einwohner-Kritik per Mausklick registriert der „Bürgermelder“ der Kreisstadt sieben Wochen nach seinem Start. Der erste Eintrag erfolgte keine 24 Stunden nach Freischaltung des Online-Angebots.

Die Verantwortlichen im Rathaus der größten Stadt in der Altmark wollen mit der interaktiven Internet-Möglichkeitdafür sorgen, „dass Bürger ihre Anliegen noch detaillierter und bequemer“ mitteilen können, hatte die Pressestelle Anfang März angekündigt.

Bis Montagmittag hat der bislang letzte Eintrag, der Ende voriger Woche verfasst worden ist, ein Baustellenproblem am Haferbreiter Weg thematisiert und damit ein Ärgernis angesprochen, dass in ähnlicher Form vielfach gemeldet wird – und auf der Seite der Rubrik „Beschädigte Verkehrszeichen/Verkehrsanlagen melden“ zugeordnet worden ist.

Ähnlich häufig haben die virtuellen Botschaften aus der Bürgerschaft wilde Müllhaufen zum Inhalt, besonders oft geht es um das großflächige Wald- und Wiesengebiet zwischen den Ortsteilen Wahrburg und Uenglingen. „Illegale Ablage von Müll jeglicher Art“ lautet drei Tage nach Beginn der Eintrag Nummer vier. Er zählt zur Kategorie „Rechtswidrig entsorgte Abfälle melden“ und bezieht sich auf das Areal zwischen Ritzdamm und Forstweg. Erneut auf diese Fläche weist ein Eintrag von Mitte voriger Woche hin: „Entlang am Ritzdamm Richtung Uenglingen wurden wieder einmal Bauschutt und Steine sowie in Richtung Möringen Asbestplatten abgeladen“, heißt es dort.

Obwohl der Bürgermelder in seinem Titel keine Antworten verspricht, informiert die virtuelle Beschwerdestelle über den jeweiligen Stand der amtlichen Abarbeitung. „Leider dient diese Stelle einigen rücksichtslosen Individuen immer wieder als Müllhalde“, verweist die Stadtverwaltung auf eine Besichtigung der „rechtswidrig entsorgten Abfälle“ durch den Außendienst. Da sich der Verursacher nicht feststellen habe lassen, werde ein Team des Bauhofs zum Einsatz kommen – wegen der Corona-Pandemie gebe es derzeit allerdings jede Menge Abfall abzuarbeiten.

Dies hänge mit der Schließung der Recyclinghöfe zusammen, die am 23. März in Kraft trat und bis auf Tangerhütte erst am gestrigen Montag aufgehoben worden ist. So habe Covid-19 „leider auch unsere Planungen bezüglich der Beseitigung illegal entsorgter Abfälle zurückgeworfen“, teilt die Stadtverwaltung mit. Wegen der geschlossenen Abfallannahme und Umladestation in Stendal“ habe es vier Wochen lang „keine geeignete Abgabestelle für diese zusätzlichen Abfälle“ gegeben.

Unter zahlreichen Hinweisen, die inzwischen den Status „erledigt“ und ein grünes Häkchen zeigen, ist auch die Meldung „Gully abgesackt im Kreisel Gardelegener Straße“ vom 3. März. Die Schadstelle im Verkehrsrund am südlichen Stadtrand ist ab Mitte April in Gestalt von geplant viertägigen „Arbeiten an einem Schacht“ mit Teilsperrung „im Zuge einer Baumaßnahme der Stendaler Abwassergesellschaft beseitigt worden“, heißt es dazu seitens der Stadt in dem Eintrag.

Auch ein gewünscht hartes Eingreifen lässt sich im Bürgermelder finden. „Bitte untersagen Sie das“, fordert ein Eintrag am 1. April wegen Covid-19 eine Sortimentseinschränkung auf dem Stendaler Wochenmarkt. Dort würden Produkte, „die in dieser Zeit niemand dringend braucht“. Kleidung, Taschen und Knöpfe, heißt es dort, würden die Verbreitung der Pandemie fördern, dies sei „unverantwortlich“. Wochenmärkte aber seien vom allgemeinen Öffnungsverbot ausgenommen, da dort nicht nach Lebensmittelständen oder sonstigen Verkaufsständen unterschieden werde, erklärt dazu die Stadt.

„Für den Menschen ist das Insekt völlig harmlos“, kommentieren Verantwortliche eine Meldung vom 5. April, wonach die Bäume an der Goethe-Ganztagsgrundschule „mit Käfern befallen“ seien. Dabei handele es sich um Lindenwanzen, deren massenhaftes Auftreten in Frühling und Herbst „mitunter Besorgnis“ verursache, aber für die Bäume „ungefährlich“ sei, wie die Stadt informiert. Da sich die Bäume aber im Bereich der Schule befinden, will die Stadt „geeignete Maßnahmen zur Entfernung der Wanzen“ prüfen.

Das Meldesystem soll ausdrücklich die „Bürgerbeteiligung stärken“. Es setzt auf die Unterstützung der Bevölkerung, weil ihr „Probleme im Stadtbild meist zuerst auffallen“ würden – wie etwa Defekte in Gehwegen in Röxe, herrenlose Fahrräder in Börgitz oder fehlende Hundekotbehälter in der Altstadt.

VON ANTJE MAHRHOLD

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