Opfer suchen wieder Hilfe

Stendal: Verein Miß-Mut erwartet großes Dunkelfeld bei häuslicher Gewalt

Der Vereinsvorstand von Miß-Mut Sybille Stegemann (von links), Heike Busenthür und Eva Tralles rechnet mit einem großen Dunkelfeld bei häuslicher Gewalt.
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Der Vereinsvorstand von Miß-Mut Sybille Stegemann (von links), Heike Busenthür und Eva Tralles rechnet mit einem großen Dunkelfeld bei häuslicher Gewalt.

Stendal – Die Zeit der Corona-Krise war für alle Menschen eine außergewöhnliche Belastung. Besonders getroffen hat es jedoch die, die von häuslicher oder sexueller Gewalt betroffen sind, wie der örtliche Verein Miß-Mut auf AZ-Anfrage erklärt.

„Vergleicht man die akute Phase im Lockdown mit der aktuellen Situation, so wird ein Anstieg der Fallzahlen deutlich. Es gehen aktuell wieder deutlich mehr Meldungen ein als während der Einschränkungen“, berichtet der Vereinsvorstand.

Einen, wie vielfach befürchteten, Anstieg der Fallzahlen während der stärksten Kontaktbeschränkungen konnte der Verein jedoch bisher nicht bestätigen. Der Austausch mit anderen Interventionsstellen des Landes Sachsen-Anhalt lege jedoch nah, dass diese Erfahrung nicht repräsentativ ist. In mindestens einer dieser Stellen sei es zu einem effektiven Anstieg der monatlichen Fallzahlen gekommen. Inwieweit dies gegebenenfalls mit den härteren Einschränkungen während der Krise im entsprechenden Landkreis oder fehlenden Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme, um Unterstützung wahrzunehmen, zusammenhänge, könne noch nicht beurteilt werden.

„In den Gesprächen, die es bisher nach der Lockerung der Einschränkungen gab, wurden die Gewalterfahrungen nicht im Zusammenhang zur Krise thematisiert und somit auch nicht, welche Situationen mit Bezug auf die Krise besonders schwer und belastend waren“, wird weiter erläutert. In den Beratungen würden die Schilderungen der Betroffenen angenommen und nicht so erörtert, wie es für eine corona-spezifische Untersuchung eventuell wichtig wäre.

Bekanntermaßen sei einer der Risikofaktoren weiterhin die fehlende Möglichkeit, dem häuslichen Milieu oder der akuten Gefahrensituation zu entkommen. Dies ergebe sich aus der ländlichen Lage der Orte und mangelnder Mobilität, auch während der Zeit, als die Schulbusse nicht als Transportmittel zur Verfügung standen. Viele Opfer schämten sich, im Ort Hilfe zu suchen, und verbergen die Auswirkungen der Gewalt. Sie isoliere sie noch weiter. Dieser Umstand werde immer, aber im besonderen Maße während der Zeit des Lockdowns als Belastung empfunden. VON STEFAN HARTMANN

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