Autobahnbau führt womöglich zu mehr Tempofallen im Umfeld

Lokales Blitzgewitter in Stendal wächst sich aus

Eine Messsäule in der Stendaler Ortschaft Buchholz nimmt Raser ins Visier.
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Insgesamt sind es zwei Säulen, die in Buchholz Raser ins Visier nehmen. Die Anlage wurde gleich zu Beginn 2014 beklebt (auf Scheiben) und an der Tür beschädigt (versuchter Aufbruch). 2018 ist sie mit Farbe besprüht worden.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Noch sind Standblitzer in Stendal und Landkreis sehr selten. Spätestens mit der fertigen Autobahn will die Hansestadt die Situation neu bewerten. Weil mancher Autofahrer auch gern vor oder nach einer Autobahn auf die Tube drückt, könnte das zu mehr Tempofallen führen.

Stendal – Die Altmark-Autobahn wird das Straßennetz in der Region verändern und vielleicht auch das Fahrverhalten manchen Bürgers schon im Umfeld. Die Ordnungsbehörden wollen das genau im Auge behalten. Als Schnellfahrstrecke bekannt ist die Bundesstraße 189 um Stendal, fast auf den Monat genau vor sieben Jahren sind in Buchholz zwei Tempofallen aufgebaut worden. Weitere stationäre Messgeräte sollen in der Einheitsgemeinde erst einmal nicht errichtet werden. Der Verkehr auf der A 14 könnte ab 2025 durchgängig rollen. Die Situation werde spätestens nach der kompletten Fertigstellung der Trasse in Richtung Norden neu beurteilt werden müssen, meint Rathaussprecher Armin Fischbach.

Wer auch abseits einer Autobahn allzu schnell unterwegs ist, sollte wissen: Die Standblitzer in der Stendaler Ortschaft bleiben erhalten, sie haben so gesehen kein Ablaufdatum. „Der Vertrag wird jährlich verlängert und von unserer Seite ist keine Kündigung vorgesehen“, betont Fischbach. Die Anlage werde jedes Jahr gewartet und geeicht. Außerdem schaut der eigene Stadtordnungsdienst wöchentlich vorbei. Anschaffungskosten seien damals nicht angefallen. Die Firma Jenoptik Robot GmbH vermietet die Säulen und erhält 6,50 Euro pro auswertbaren Fall. Die Miete verrechnet sich also mit der Summe an Fällen. Hinzu kommen noch die Stromkosten von knapp annähernd 400 Euro.

Nach Trassenbau Raser neu im Blick

Für das vergangene Jahr lagen die Gesamtkosten bei genau 20 950,86 Euro. Ein Zuschussgeschäft im Kampf gegen Raser ist das Ganze dennoch nicht. 2019 hat die Stadt mehr als 62 000 Euro eingenommen und im Jahr danach fast 59 000 Euro. Wobei sich die Verkehrsüberwachungen nahe der Kernstadt längst herumgesprochen haben und die Zahl der Verkehrssünden nicht mehr jene der Anfangsphase erreichen dürfte. Doch auch so bleibe der eigentliche Zweck der Anlage, die Verkehrsüberwachung und vornehmlich die Verkehrsberuhigung, „noch immer merkbar erfüllt“. Die Raserei, so der Stadtsprecher auf AZ-Nachfrage weiter, sei an dieser Stelle stark zurückgegangen. Das Jahresaufkommen 2020 beispielsweise wurde früher, in rein mobilen Messgerätezeiten, in sechs bis sieben Wochen geschafft.

Buchholzer Säulen schier unverwüstlich

Weil das Ordnungsamt eher für die „Überwachung der Gegenwart“ verantwortlich sei, würden dort vergleichsweise wenige Statistiken zum Vergleich geführt. Auf die Schnelle gibt es das: Vor dem Frühjahr 2014 wurden in Fahrtrichtung Stendal durchschnittlich 250 Verstöße pro Woche registriert, in Richtung Magdeburg 200. Damals war ein mobiles Gerät im Einsatz, eine durchgängige Kontrolle also nicht gegeben. Beide Standblitzer verzeichneten 2020 jeweils 1579 auswertbare Fälle und ja, die Zahlen in beide Fahrtrichtungen sollen tatsächlich identisch sein. Wer weitere Daten mag: Im Jahr 2019 gab es Fischbach zufolge in Richtung Stendal 1607 Verstöße und in Richtung Landeshauptstadt 1483.

Messgeräte rechnen sich für Stadt

Die Säulen in Buchholz sind am 15. April 2014 in Betrieb genommen worden. Ein Blick auf fragwürdige Rekorde des vergangenen Jahres: In Richtung Stendal erwischte es Ende Februar jemanden mit Tempo 129, Anfang August wurde ein Fahrzeug mit 113 Sachen registriert und Ende Mai eines mit 101. Nicht ganz so schnell sind Verkehrssünder in Richtung Magdeburg unterwegs: Ende Juni mit Tempo 96, dann Mitte Juli mit 92 und Ende Februar mit 85. Zur Erinnerung: Innerorts ist Tempo 50 erlaubt. In östlicher Altmark und Elb-Havel-Winkel arbeitet momentan noch eine weitere stationäre Anlage. Für die Säulen in der Osterburger Ortschaft Erxleben zeichnet der Landkreis verantwortlich.

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