Kunden sind verunsichert / Elektronische Terminvergabe ist weltfremd

Schleppender Start für Einzelhändler

Ladeninhaberin Carola Garlipp steht in ihrem Schuhgeschäft und hält ein kleines Schild hoch. Auf diesem steht „Termin frei“.
+
Trotz schleppendem Start freut sich Carola Garlipp, wieder Kunden in ihrem Schuhgeschäft an der Breiten Straße empfangen zu dürfen.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
    schließen

Seit mittlerweile einer Woche dürfen die Einzelhändler, bei vorheriger Anmeldung, Kunden in ihre Geschäfte lassen. Dass das nicht immer reibungslos läuft, ist eine der besseren Möglichkeiten.

Stendal – Seit mittlerweile einer Woche dürfen die Einzelhändler, unter strengen Auflagen, wieder Kunden in ihren Geschäften empfangen. Das kann zwar ein, wenn auch bei den meisten kleiner, Grund zur Freude sein, aber die zugrunde liegenden Probleme, denen sich die Geschäfte in der Hansestadt Stendal gegenübersehen, werden damit nicht behoben.

Die Saisonware wurde bereits 2020 bestellt und steht jetzt, fast unverkäuflich, im Geschäft herum, berichtet Carola Garlipp in ihrem Schuhgeschäft an der Breiten Straße. Für sie läuft es, gelinde gesagt, schleppend. „Es ist total furchtbar. Eine Anmeldung habe ich heute, für 17.30 Uhr“, erklärt sie am Montagmittag. Das ist nicht der Neustart nach dem Lockdown, den sie sich erhofft hatte.

Nach dem ersten Lockdown vor fast einem Jahr hatten sie und andere Händler an der Breiten Straße viel Rückhalt aus der Bevölkerung gespürt. Von dieser Welle der Solidarität spüre sie jetzt nur noch wenig. Die Leute seien ängstlich, die Verbindlichkeit, einen Termin machen zu müssen, setze sie zusätzlich unter Druck. „Die Leute denken, jetzt macht sie extra für mich den Laden auf, dann muss ich auch was kaufen“, erklärt die Selbstständige. Sie hat sich extra ein kleines Schildchen gebastelt, das oft an ihrer Eingangstür hängt. „Termin frei“, steht darauf. Aber die Regelung, dass vor einem Besuch telefonisch oder per E-Mail ein Termin für eine Person beziehungsweise sie und Mitglieder ihres Haushalts, vereinbart werden muss, sei weltfremd. Die Leute wollten lieber zu einem Geschäft gehen, die Tür öffnen und sich im Zweifelsfall für eine halbe Stunde später anmelden. „Wenn zwei Freundinnen gemeinsam shoppen gehen, muss ich eine vor der Tür warten lassen“, gibt Garlipp ein weiteres Beispiel. Obwohl die Lage so schwierig ist und sie schon aufs Heizen verzichtet, um keine zu hohen Kosten wegen der Öffnung zu haben, steht sie jeden Tag im Laden und wartet darauf, dass sich Kunden bei ihr unter Tel. (03931) 21 34 18 oder (0173) 68 89 313 oder per E-Mail an carola.garlipp@t-online.de melden.

Nur rund zehn Prozent ihrer sonstigen Kundschaft kann Carola Liebisch in ihrem Musikfachhandel begrüßen.

Ähnlich unglücklich mit der Situation ist auch Carola Liebisch, die in ihrem Musikfachhandel an der Breiten Straße gerade eine Gitarre repariert. Es passiere zwar ein bisschen was, aber sie habe nur ungefähr zehn Prozent der Kundschaft, die sie sonst bedienen würde. Auch eine Veranstaltung, die sie in Rathenow geplant habe, musste mittlerweile wieder abgesagt werden. Und im Angesicht wieder steigender Inzidenzzahlen sei es auch unklar, wie lange sie noch ihre wenigen Kunden bedienen könne. „Die ganze Geschichte demotiviert einen“, findet sie. Für ihre Kunden will sie trotzdem da sein. Da sie einen kurzen Arbeitsweg habe, könne sie auch zuhause warten und dann binnen knapp zehn Minuten vor Ort sein, wenn sich jemand unter Tel. (03931) 21 30 77 oder über www.facebook.com/musikhausliebisch anmeldet.

Italienische Mode kommt an: Maria Lewerenz verbindet Online-Marketing mit ihrem Standort am Marktplatz.

Besser läuft es bei Boutiquen-Inhaberin Maria Lewerenz. Sie hatte erst im November ihr Geschäft am Marktplatz eröffnet und musste kurz danach in den Dezemberlockdown. Dass er so lange dauern würde, hätte sie nicht gedacht. Dass die Zahlen jetzt erneut steigen, sei ebenfalls ein schlechtes Zeichen. Glücklicherweise laufe es recht gut. „Ich habe das Gefühl, dass meine Kunden ein wenig ausgehungert waren“, freut Lewerenz sich, wieder Kunden empfangen zu können. Dabei habe sie Glück, dass diese auch bereit sind, ein paar Minuten in der Stadt zu vertrödeln und noch eine kleine Besorgung zu erledigen, wenn ein vorheriger Termin sich verzögert. Schon früh hat sie darauf gesetzt, ihren Kunden per Social Media unter www.insta-gram.com/fashionboutique.malee/ neue Outfits zu präsentieren. Bei Gefallen können diese einfach vorbestellt und in einem praktischen Karton verpackt abgeholt werden. Aber auch das gewohnte Betrachten von Waren im Ladengeschäft ist, natürlich unter vorheriger Voranmeldung, unter Tel. (0173) 24 20 237 oder per E-Mail an maria.lewerenz@gmx.de möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare