Erbe und neue Ideen: Neuzeitlicher Flanke droht momentan kein Abriss

Stendal: Stadttor mit Anhang bleibt abseits

Der neuzeitliche Anbau links passt nicht für alle Stendaler ins Bild. Zu Füßen des Tangermünder Tores am Schadewachten laufen seit Monaten Bauarbeiten.
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Der neuzeitliche Anbau links passt nicht für alle Stendaler ins Bild. Zu Füßen des Tangermünder Tores am Schadewachten laufen seit Monaten Bauarbeiten.

Stendal – Mit den umfassenden Arbeiten am Schadewachten, der früheren Prachtstraße Stendals, rückt das Tangermünder Tor noch einmal in ein besonderes Blickfeld.

Die Diskussion um die neuzeitlichen Anbauten, die manchem wie ein Fremdkörper erscheinen, kennt Rathaussprecher Armin Fischbach sehr wohl.

„Diese Überlegungen zielten auf einen Abriss und einen architektonisch ansprechenderen Bau. “ Inwieweit die Gedankenspiele durch den Umbruch der großen Straße am Fuße des Tores wieder Fahrt aufnehmen, bleibt abzuwarten. „Aktuell sind aber keine Veränderungen konkret geplant. “.

Das historische Erbe nahe Landratsamt und Alstom-Werk sei in einem ganz guten Allgemeinzustand. „Grundlegende, tiefgreifende Mängel bestehen nicht. Aber leider stehen geplante Putz-, Dachdecker-, Fassaden- und Malerarbeiten immer noch aus, da für deren Umsetzung derzeit die Kapazitäten fehlen“, lässt der Stadtsprecher auf Nachfrage der AZ wissen. „Wir hoffen, dies schnellstmöglich nachholen zu können.“ Die Diagnose für das Uenglinger Tor falle ähnlich aus. Und ja, die Coronakrise mit all den Beschränkungen habe natürlich auch Öffnungszeiten und das Angebot an Führungen gehörig beschnitten.

Das Tangermünder Tor ist neben dem Uenglinger Tor eines der noch erhaltenen historischen Stadttore Stendals. Der untere Bereich des Tangermünder Tores stammt aus dem 13. Jahrhundert, die wesentlichen Teile oberhalb sind jünger und lassen sich auf die Zeit um 1440 datieren. Ursprünglich hatte Stendal mehrere Tore und Türme, einige wurden im 18. Jahrhundert abgebrochen. „Der Anbau wurde bereits zu DDR-Zeiten geplant und realisiert. Damals wurde wesentlich mehr ,einfach mal gemacht’. Teilweise natürlich auch nach Parteivorgaben. Die genauen Beweggründe kann ich deshalb nicht erläutern“, reagiert Fischbach auf Nachfrage dieser Zeitung.

Und, wie bereits erwähnt, habe es in den vergangenen Jahren eben Anregungen gegeben, die Anbauten neu zu machen oder zumindest anders zu nutzen. „Diese verliefen jedoch im Sande, ehe es konkreter werden konnte.“ Ähnliche Anstöße soll es auch für das Uenglinger Tor bereits gegeben haben, wenngleich sich beide Sehenswürdigkeiten nicht eins zu eins vergleichen ließen. Heute sei in den Anbauten zum einen natürlich der Treppenaufgang zu finden, dazu kämen etliche technische Einrichtungen, insbesondere Stromkästen, sowie einige Ausstellungsräume, vor allem beim Uenglinger Tor, erläutert der Rathaussprecher.

Letztgenanntes historisches Erbe scheint immer ein Stück mehr im touristischen Rampenlicht, das Uenglinger Tor erlaubt einen eindrucksvollen Blick über die Altstadt. Auf besondere Weise ins Licht gerückt wird seit eineinhalb Jahren das Tangermünder Tor mit der Dämmerung, der renommierte Lichtgestalter Herbert Cybulska zeichnet für das Konzept verantwortlich. „Gerade in der dunklen Jahreszeit fällt das Tor jetzt wesentlich mehr Menschen auf und es hat schon einen gewissen filmischen Charme“, lobt der Stadtsprecher. Und weiter: „Ein tolles Beispiel für Ideen und Anregungen.“

Eine wichtige Rolle in dem Szenarium spielt ein rekonstruierter Pferdebahnwagen, der unterm Torbogen seinen Stellplatz bekommen hat. „Derzeit suchen wir nach keinem alternativen Standort.“ Warum auch?! „Als der Husarenverein seinerseits nach einem geeigneten Ort zum Abstellen gesucht hat, bot sich das Tangermünder Tor an. Es ist nahe am Stadtzentrum und der Wagen kann somit schnell und unkompliziert für Rundfahrten herangeholt werden. Außerdem fällt die Pferdebahn dort auch denjenigen ins Auge, die unsere Stadt besuchen und dann mehr darüber erfahren wollen“, meint Fischbach.

Der Husarenverein hat sich vor allem der Militärgeschichte der Hanse- und Rolandstadt Stendal verschrieben, das Erinnern an die frühere Straßenbahn liegt ihm auch am Herzen, der Wagen wurde für den neuzeitlichen Einsatz aufbereitet, es gab Mitstreiter. Eine Initiative, im oberen Bereich des Tangermünder Tores ständige Ausstellungen über die Militärgeschichte und die historische Pferdebahn einzurichten, konnte sich bislang nicht in dem erhofften Maße durchsetzen. Unter anderem hatte sich dafür auch Prof. Hans-Jürgen Kaschade, Ehrenbürger der Stadt Stendal, starkgemacht (die AZ berichtete).

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