Bedenken im Amt und bei Linkspartei

Stendal: Stadtrat setzt Laub-Container durch

Mann entfernt Herbstlaub auf dem Rasen vor einem Einfamilienhaus.
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Gegen Ungleichbehandlung: Laub fegen, kann auch Spaß machen. Wer städtische Bäume vor dem Haus stehen hat, dem quillt schnell die eigene Biotonne über, die inzwischen auch kostenpflichtig ist.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
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Der Stendaler Stadtrat hat die Aufstellung von 100 Laub-Containern im Herbst beschlossen. Das Amt für Technische Dienste befürchtet, dass es ein „zeitliches Problem“ geben könnte.

Stendal – 100 Laub-Container sollen im Herbst dieses Jahres als Pilotversuch in der Stendal und allen 18 Ortsteilen aufgestellt werden. Einen entsprechenden Beschluss hat der Stadtrat Mitte der Woche in namentlicher Abstimmung mit 16 mal Ja bei zehnmal Nein und vier Enthaltungen gefasst. Die Bedenken der zuständigen Amtsleiterin überzeugten nicht genug, obwohl Silke Pidun eindringlich davon sprach, dass es „ein zeitliches Problem“ gebe und für die voraussichtlich 30 600 Euro teure Baumblätterboxen-Aktion erst eine Straßenreinigungssatzung geändert werden müsse. „Das ist schwierig zu händeln“, verwies die Chefin der städtischen Behörde für Technische Dienste auf eine ebenfalls nötige öffentliche Ausschreibung des Container-Auftrags.

Im Stendaler Stadtrat werde „viel zu oft diskutiert, was nicht geht“, höre Dr. Herbert Wollmann (SPD/FDP/Ortsteile) in diesen Tagen gerade von Anwohnern des Eigenheimgebiets Haferbreite, wo viele städtische Bäume ihr Laub auf private Grundstücke fallen ließen. „Das geht den Bürgern sehr nah und auch an den Geldbeutel“, warb der SPD-Bundestagskandidat für die Containerlösung. Es seien allein in Stendal mehr als 60 Straßen, an denen das Problem bestehe, dass Anwohner beim Entsorgen des Laubs städtischer Bäume „über ihre Biotonne zur Kasse gebeten werden“, hatte Wollmanns Fraktionskollege Jürgen Schlafke zuvor argumentiert. Es gehe darum, eine „Ungleichbehandlung“ zu beenden, da es nur wenige Straße geben, die bei der Laubentsorgung gebührenpflichtig seien, schilderte der Uchtspringer Ortsbürgermeister – dessen Ortschaftsrat es war, der die Container-Idee im Dezember auf die Stadtratstagesordnung gesetzt hatte.

Es sei „erfreulich, dass man zu Wahlkampfzeiten parteiübergreifend sachlich zusammenarbeiten“ könne, unterstützt Bundestagskandidat Arno Bausemer (AfD) den Laub-Antrag der Fraktion SPD/FDP/Ortsteil als „gute Lösung“. „Sie schauen immer nach rechts und nach links gar nicht mehr“, maßregelte dagegen Katrin Kunert (Linke/Bündnisgrüne) namentlich den Uchtspringer Ortsbürgermeister, womit sie im Rat deutlich hörbare Verwunderung auslöste. Die Ex-Bundestagsabgeordnete habe in ihrer Funktion als Kreistagsmitglied Stendals Stadträte „ausdrücklich darum gebeten“, sich in die Abfallentsorgungssatzung des Landkreises „einzubringen“. Nach Paragraf 24 sei die Rolandstadt nämlich bestens für einen „Modellversuch“ geeignet, erklärte sie. Eine „vernünftige Lösung“ sei ihrer Ansicht nach „nur mit der Abfallentsorgungsgesellschaft und dem Landkreis“ möglich.

Wie der Stadtrat hatte zu Wochenbeginn auch schon der Hauptausschuss etwa 20 Minuten lang die Laub-Idee diskutiert. An dem Abend im Rathausfestsaal schlug Bausemer vor, die 68 Laubbehälter für das Kernstadtgebiet und 32 Container für die 18 Ortsteile 2021 einmalig über den Stadthaushalt zu finanzieren. Dieser Test soll auch zeigen, ob die Boxen wirklich nur mit Laub befüllt werden – oder womöglich, wie befürchtet wird, als wilde Müllkippen missbraucht werden.

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