Amtsleiterin Silke Pidun: „Ein Gerät macht keine Inklusion“ / Zeit und Ort für Umsetzung noch unklar

Stendal: Stadtrat beschließt inklusiven Spielplatz

Sport- und Spielfläche im Stadtteil Stadtsee.
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Alternative in Stadtsee: Nach den ersten Diskussionen ist ein inklusiver Spielplatz am Schwanenteich unwahrscheinlicher geworden. Andere Möglichkeiten, wie bei der Stadtseeallee, sind im Gespräch.
  • Stefan Hartmann
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Es ist beschlossene Sache: Die Hansestadt Stendal soll einen inklusiven Spielplatz bekommen. Ein alternativer Vorschlag im Stadtrat hätte für das Projekt jedoch das Aus bedeuten können. 

Stendal – Der Beschluss steht, aber Zeit und Ort sind noch unklar: Der Stadtrat gab am Montagabend sein Ja zum Bau eines inklusiven Spielplatzes in der Hansestadt.

Große Diskussionen erwartete Dr. Herbert Wollmann (Fraktionsvorsitzender SPD/FDP/Ortsteile) offenbar nicht, denn: die Verbesserungsvorschläge der vergangenen Ausschusssitzungen seien eingearbeitet worden. Auch die Festlegung auf den Schwanenteich als Standort, der in den vorherigen Sitzungen kritisiert wurde (AZ berichtete) gestrichen. Stattdessen soll die Stadtverwaltung binnen vier Monaten einen geeigneten Standort für eine Neuerrichtung oder den Umbau eines vorhandenen Spielplatzes finden.

Einiges zu besprechen gab es dennoch. Arno Bausemer (Fraktionsvorsitzender AfD) meldete sich mit einem Änderungsantrag zu Wort: Der dritte Punkt des Antrages soll gestrichen werden. Dieser sieht die Beauftragung der Stadtverwaltung zur Errichtung eines inklusiven Spielplatzes vor. „Punkt drei ist zu früh gesprungen“, sagte Bausemer. Zumindest solange die Förderlage noch unklar sei. Ein Mittelgeber könne abgeschreckt werden, wenn bereits ein Bekenntnis zu dem Projekt stehe, auch wenn es keine Förderung geben sollte.

Samuel Kloft (Fraktion FSS/BfS) kritisierte die Streichung. Punkt drei enthält neben der Beauftragung der Verwaltung auch die Unterstützung der Kinder- und Jugendinteressenvertretung in das Projekt mit einzubeziehen. Bausemer stellte fest, dass dieser Punkt natürlich wichtig sei, nahm jedoch keine Anpassung des Änderungsantrages vor. Er wurde schließlich bei sieben Ja-Stimmen, 29 Gegenstimmen und drei Enthaltungen abgelehnt.

Neben der Kritik am Änderungsantrag brachte Kloft noch andere Punkte in die Diskussion ein und fragte, ob Kinder nicht lieber mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft spielen wollten, als einen speziellen, gegebenenfalls weit weg liegenden Spielplatz zu besuchen. „Ich fürchte, das wird eine Karteileiche“, stellte Kloft fest. Vielleicht sei es einfacher, Stück für Stück die Spielplätze mit inklusiven Geräten auszustatten.

Für die Abstimmung im Stadtrat sah Dr. Marcus Faber (Fraktion SPD/FDP/Ortsteile) hingegen nur zwei Möglichkeiten. „Entweder es gibt einen inklusiven Spielplatz oder keinen inklusiven Spielplatz“, stellte er klar. Die Idee der stückweisen Nachrüstung werde nicht funktionieren. Es gehe schließlich nicht nur um die Spielgeräte, sondern auch um viele weitere Maßnahmen, wie eine Anpassung der Zuwegung. Es sollte lieber mit einem Spielplatz angefangen werden und dann sukzessive die anderen ebenfalls bearbeitet werden.

Silke Pidun, Leiterin des Amtes für Technische Dienste, stimmte dem zu: „Ein Gerät macht keine Inklusion.“ Ebenso wichtig sei es, unter anderem die Bodenbeläge auf die Bedürfnisse von Rollstühlen und Gehhilfen anzupassen. Außerdem erinnerte sie daran, dass es von ihrer Seite aus keine Zusage zu dem im Antrag vorgesehenen Abschlusstermin vom 31. Dezember 2023 gegeben habe.

Bei 33 Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen wurde der Antrag beschlossen.

Janine Kaminski, Ansprechpartnerin für Kinder und Jugendliche in der Kinderinteressenvertretung der Hansestadt Stendal, bewertete im Vorfeld zum Stadtrat die Gespräche als positiv. Mit einem inklusiven Spielplatz werde ein von den Jugendlichen geforderter Rückzugsort geschaffen (AZ berichtete). Dieser würde dann natürlich auch älteren Bürgern zur Verfügung stehen. „Es wäre gut, wenn man da für Jung und Alt eine gute Kombination hinkriegt“, stellte Kaminski fest.

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