„Nicht länger aufzuschieben“

Stendal: Stadt verteidigt Baumfällungen und Schadewachten-Ausbau

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Gleich um die Ecke an der Hospitalstraße ist gestern ein Baum gefällt worden. Die Pflegearbeiten sollen nicht in Zusammenhang mit dem Schadewachten-Projekt stehen.

Stendal – Die Wellen müssen in manchem Quartier hochschlagen, die Stadtverwaltung hat „teils hochemotionale Zuschriften“ von Bürgern erhalten.

Doch es soll dabei bleiben: Die Bäume entlang des Schadewachtens werden im Herbst wegen der im Frühjahr beginnenden Bauarbeiten gefällt. Arbeiter setzen voraussichtlich in der ersten vollen Novemberwoche die Sägen an. Der genaue Termin soll in Kürze verkündet werden. Die einstige Prachtstraße wird nach einigem Hin und Her ab März erneuert. Die AZ berichtete Mitte September darüber. In der Öffentlichkeit wurde viel diskutiert. In einem Schreiben aus dem Büro von Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) heißt es nun: „Auch mit Rücksicht auf die Anwohner ist eine grundlegende Sanierung des Schadewachtens nicht länger aufzuschieben. “.

Säge ab November im vollen Einsatz

Der Schadewachten ist reich an Bäumen. Hier ist ein kurzer Abschnitt mit dem Stadttor zu sehen.

Der Schadewachten sei seit Langem ein Aushängeschild, eine Straße voller Geschichte, weshalb sie auch baulich eher unangetastet geblieben sei. „Die Versorgungsansprüche einer modernen Stadt sind in der Vergangenheit jedoch enorm gestiegen“, führt Rathaussprecher Armin Fischbach ins Feld. Trink- und Abwasser, Straßenbeleuchtung, Kommunikation und da vor allem schnelles Internet, Fernwärme und Regenwasser, all das und mehr brauche moderne Leitungen, von denen einige auf beiden Seiten der Straße verlegt werden müssen. Hinzu komme ein Parkkonzept, das in die Zukunft weise. Die betroffenen Anwohner seien frühzeitig informiert worden. Innerhalb dieser Bürgerbeteiligung sei den Plänen auch mehrheitlich zugestimmt worden.

Prachtstraße von einst ganz modern

„Die Bäume stehen direkt auf einem Teil der Leitungen, die ersetzt werden sollen.“ Das Wurzelgeflecht erstrecke sich noch wesentlich weiter. Ein Teil der Bäume weise ob ihres Alters bereits Schäden auf, weshalb eh fraglich sei, ob diese eine derart grundlegende Sanierung der Straße ohne Weiteres überstehen würden. Ein nicht mehr standhafter Baum könnte die Bauarbeiten dann verlängern und die Kosten hochtreiben. „Auch die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Stendal schloss sich dieser Einschätzung an und befürwortet die Planungen der Stadt“, betont Fischbach weiter. Mit all diesen Informationen will die Stadt nicht hinter dem Zaun halten und offen umgehen. „Dies ist unser eigener Anspruch an eine transparente und bürgernahe Verwaltungsarbeit.“

30 Linden auf der neuen Pflanzliste

Die Baumreihen seien nicht zu retten. „Die Hansestadt bedauert diesen Umstand, jedoch ist die Fällung unumgänglich.“ Für das Straßenbild und ein besseres Klima sollen aber neue Bäume her. Fischbach schreibt von einer „vollständigen Ersatzpflanzung“. Das heißt konkret: 30 Winterlinden, jede mit einem Durchmesser von zunächst 20 bis 25 Zentimetern und einer Höhe von etwa zweieinhalb Metern, sollen neu gesetzt werden. „Diese werden handverlesen durch erfahrene Mitarbeiter der Stadt danach ausgewählt, ob sie von ihrer Gesundheit, Krone und Blattwerk her geeignet sind, das aktuelle Straßenbild in möglichst naher Zukunft wiederherzustellen.“ Als weiterer Ausgleich werden laut dem Rathaussprecher 61 zusätzliche Bäume an unterschiedlichen Orten angepflanzt.

VON MARCO HERTZFELD  

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