Stadt Stendal hält an Plänen zur Fallenjagd fest

Nutria soll in Stendal in ihr Verderben laufen

Eine Nutria sitzt am Ufer des Stadtsees in Stendal.
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Am Stadtsee in Stendal tummelt sich momentan unter anderem dieses Tier. Der Bestand allein an diesem Gewässer dürfte mehr als eine Familie umfassen.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Sie spaltet die Meinungen. Die Stendaler Stadtverwaltung will nun wachsenden Unmut von Bürgern gegenüber der Nutria erkennen. Auch bleibt das Rathaus bei seinem Plan: Fallen sollen die Population im Stadtgebiet zumindest stark reduzieren helfen.

Stendal – Ein Angler will schon einen Jäger mit Lebendfallen für die Nutria gesehen haben. Stadtsprecher Armin Fischbach kann einen Einsatz nicht bestätigen. Auch lässt er sich nicht auf einen offiziellen Startschuss festnageln. Wenngleich: „An unserer Einschätzung zum gesamten Sachverhalt hat sich nichts geändert.“ Der ursprünglich aus Südamerika stammende Großnager soll möglichst wieder verschwinden. Wichtiger denn je scheint dem Rathaus die Rückendeckung aus der Bevölkerung. Die Anzahl anonymer Anzeigen von unerlaubten Fütterungen sei stark angestiegen. „Und immer mehr Passanten sowie Anwohner bringen ihren Unmut über die Nutria im Speziellen zum Ausdruck“, heißt es auf Nachfrage der AZ.

Sprecher: Fütterung häufiger angezeigt

Konkrete Zahlen nennt Fischbach nicht. Noch einmal zur Erinnerung: Bereits Anfang 2019 wurde die Gefahrenabwehrverordnung um ein Fütterungsverbot für Wildtiere im gesamten Stadtgebiet erweitert, welche auch die Nutria explizit einbezieht. Wer sich nicht an die Spielregel hält, dem droht eine Strafe von bis zu 5000 Euro. Weil sich das Pelztier gern durch den Boden wühlt und sich Erdbauten schafft, fürchtet die Hansestadt zunehmend nicht zuletzt um die Ufer von Stadtsee und Uchte. Wie viele Exemplare dieser sogenannten invasiven Art in der Einheitsgemeinde leben, dazu gibt es bislang keine verlässlichen Angaben. Ganz unerheblich dürfte die Zahl allerdings nicht sein.

Strategie unverändert: Auf Käfig folgt Tod

Es klingt verquer: Geht eine Nutria in eine Lebendfalle, bedeutet das für sie den Tod, nur später. Vor einigen Wochen ist das auch schon einmal „tierschutzgerecht töten“ genannt worden. Ihre Jagdpläne brachten der Stadt einige verbale Angriffe aus der Einwohnerschaft und einen Protestbrief der Tierrechtsorganisation Peta ein. Wie viele Fallen an Brennpunkten aufgestellt werden, kann der Rathaussprecher noch nicht sagen. „Aber wir reden hier von Kosten im vierstelligen Bereich.“ Darin enthalten seien auch schon die Ausgaben für den Jäger selbst. „Der von Peta vorgeschlagene großflächige Einsatz von Drahtgeflechten an sämtlichen Uferböschungen wäre ungleich teurer“, zeigt sich Fischbach überzeugt. Im Übrigen umschreibt er die Falle als Käfig, in den die Nutria gelockt werde, womit genau, lässt der Stadtsprecher offen. „Beifang wird wieder freigelassen.“

Im Zuge der durch den Stadtrat verschärften Verordnung seien insbesondere am Stadtsee Schilder zum Fütterungsverbot aufgestellt worden. Auch habe der Stadtordnungsdienst in diesem Bereich mithin die Zahl seiner Streifzüge erhöht. Eine „durchgehende Überwachung“ sei allerdings schon rein organisatorisch schlichtweg unmöglich. Die gesamte Wegführung um den See ist circa zwei Kilometer lang. Und natürlich: Corona und ganz andere Kontrollaufgaben 2020 haben die Kollegen laut Fischbach „weiter ausgelastet“. Unterm Strich heißt das: „Das Fütterungsverbot hat deshalb nicht den erwünschten Effekt zur Populationskontrolle erfüllen können.“ Die Lebendfallen der Stadt dürften schon bald scharf gestellt werden.

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