Gipfel-Kritik überdauert Jahre / Pöbelei „Kripo“ hat ein Nachspiel

Stendal: Schmierereien gegen den Strich

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Diese Politbotschaft an der Sporthalle dürfte schon ziemlich alt sein.

Stendal – „Diese Schmierfinken“, schimpft eine Frau mit zwei Einkaufstüten in der Hand. Wer ein gutes Auge hat, sieht den Schriftzug nicht nur vom Parkplatz des Marktes aus, sondern auch noch von der Arneburger Straße.

„Stoppt G 8“ steht groß an der Fassade der Haferbreite-Sporthalle, dazu das Anarchie-Zeichen.

Und alles nicht erst seit gestern, sondern seit vielen Monaten, ja Jahren. „Und was heißt das ganze Zeug da überhaupt?“, fragt sich die Stendalerin, die ihren Namen zwar nicht in der Zeitung lesen will, dafür aber den schnellen Einsatz einer städtischen Putzkolonne fordert. Und überhaupt: Illegale Graffiti wie dieses gebe es doch einige in Stendal.

„Von der Angelegenheit wussten wir bis dato nichts“, teilt Stadtsprecher Philipp Krüger auf Nachfrage mit. Wie lange die denkmalgeschützte Halle an dieser Stelle beschmiert ist, kann er nicht sagen. Viel wichtiger sei auch: „Das Hochbauamt wird sich dieser sofort annehmen.“

G 8 steht vermutlich für die Gruppe der Acht, einer Vereinigung der sieben größten Industrienationen und Russlands. Regelmäßig finden Gipfel statt, so auch 2007 in Heiligendamm. Im nahen Rostock kam es damals zu schweren Auseinandersetzungen zwischen linken Autonomen und der Polizei mit zahlreichen Verletzten auf beiden Seiten.

Stendal ist immer wieder einmal von illegalen Schriften und Bildern gezeichnet. Ab 2016 hatten Ordnungsamt und Polizei sogar mit einer regelrechten Serie zu kämpfen. „Fick die Kripo“ pöbelte es vielfach von öffentlichen wie privaten Fassaden. Allein die Stadtverwaltung zählte im ersten Jahr mindestens 17 Sudeleien, weitere kamen danach noch hinzu, einige davon sind noch heute zu sehen. Die Stadt ließ ihre Gebäude umgehend säubern. Kostenpunkt: 2000 Euro und mehr. „Seit dem letzten Quartal hat sich die Situation entspannt und es gab keine neuen Graffiti-Vorfälle“, gibt Rathaussprecher Krüger vorsichtig Entwarnung.

Betroffen waren unter anderem das Stadtarchiv an der Brüderstraße und das Uenglinger Tor, eines der Wahrzeichen der Hanse- und Rolandstadt. Die Stadt brachte in ihrem Fall alles zur Anzeige. Auch etliche private Hausbesitzer hatten mit der Schmiererei zu tun. Ob es sich immer um ein und denselben Täter handelte, schien unklar. „Bei einem besonderen Fall wurde eine verdeckte Kameraüberwachung in Zusammenarbeit mit der Kripo Stendal  /  Magdeburg durchgeführt.“ Ob dieser Einsatz im direkten Zusammenhang mit der Serie steht, lässt Krüger auch auf Nachfrage offen.

Das vulgäre Wort mit F wurde hier als Erstes entfernt.

Stendals Polizei hat derweil gestern Nachmittag hinsichtlich der Schmiererei-Serie „Fick die Kripo“ einen Erfolg vermelden können. „Die Ermittlungen stehen kurz vor der Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Der Abgleich einer DNA-Spur steht noch aus“, informiert Polizeisprecher Dirk Marscheider die AZ. Es sei gegen fünf Beschuldigte ermittelt worden.

Polizeilich relevant werde eine Schmiererei übrigens grundsätzlich schon, wenn sie mit einer Sachbeschädigung einhergehe. Inwieweit im Fall der Sporthalle Anzeige erstattet wurde, sei nicht mehr nachprüfbar. Entfernt werden müssten Schriftzüge zwingend dann, wenn noch weitere Straftatbestände dazukämen. Marscheider nennt als Beispiele insbesondere das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung.

VON MARCO HERTZFELD

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