Hochwasserschutz: Land hat Nutria im Blick / Behörde kritisiert Fütterungen

Stendal: Schäden registriert und die Ufer verstärkt

Der Tisch ist gedeckt: Nutrias werden wie hier im Tangerhütter Park immer wieder von Bürgern gefüttert.
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Der Tisch ist gedeckt: Nutrias werden wie hier im Tangerhütter Park immer wieder von Bürgern gefüttert.

Stendal – In der Frage, wie die Stadt mit der Nutria, die sich Höhlen und Gänge baut, umgehen kann, meldet sich der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Magdeburg zu Wort. Der Bestand entlang der Uchte in Stendal sei schon längere Zeit bekannt.

„Spaziergänger oder Tierfreunde sollten tunlichst auf Fütterungen verzichten“, betont Sprecherin Martina Große-Sudhues auf Nachfrage der AZ.

Die Umwelt leide darunter, wenn frei lebende Tiere mit Lebensmitteln gefüttert würden. „Es hat unter anderem Einfluss auf die Wassergüte. Natürliche Auslese durch Nahrungsknappheit verhindert normalerweise die zu starke Ausbreitung einer Art. “.

Die Uchte am Stadtsee werde regelmäßig kontrolliert. „Entstandene Schäden werden bei Bedarf gesichert.“ Auch deshalb habe der Flussbereich Osterburg Faschinen in die Böschung zur Stabilisierung eingebaut. Faschinen sind mit Draht fest zusammengeschnürte Bündel aus natürlichem Material wie Reisig. Wie die Großnager und Höhlenbauer noch zu bekämpfen wären, dazu äußert sich die Behördensprecherin nicht. Die Nutria scheint im Stadtgebiet auf dem Vormarsch, die Schäden an Böschungen nehmen zu, die Stadtverwaltung hält von der eingeschleppten Art wenig bis nichts (die AZ berichtete).

Die Nutria habe sich an Gewässern ganz Mitteldeutschlands etabliert, weiß Große-Sudhues. Die Art stammt ursprünglich aus Südamerika. „Nutrias wurden überwiegend gezielt freigesetzt, um sich Farmtiere zu entledigen. Deren Haltung wurde unwirtschaftlich, nachdem spätestens ab den 1990er-Jahren keine Nachfrage mehr nach Fleisch und Pelz bestand.“ Einige Exemplare seien auch unabsichtlich in die Wildnis gelangt. „Starkes Populationswachstum führte zur spontanen Ausbreitung, wodurch die meisten Flusseinzugsgebiete besiedelt wurden.“

Der Fraß an Ufer- und Unterwasserpflanzen durch Nutrias habe gebietsweise erhebliche Auswirkungen. In bestimmten Fällen können Nutrias das Röhricht schädigen, Ufergehölze hingegen werden laut Landesamt in Magdeburg kaum geschädigt. „Allerdings kann die Nutria die lokalen Populationen von Großmuscheln gefährden.“ Inwieweit das für die Altmark-Gewässer eine Rolle spielt, muss offenbleiben. Die Nutria sei eine invasive Art, aber „kein überlegener Konkurrent heimischer Arten“. „Nachteilige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit können nur bei Verzehr des Fleisches auftreten.“ Stichwort: Trichinen, winzige Fadenwürmer.

VON MARCO HERTZFELD

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