„Dauerhaft und mit aller Konsequenz“

Stendal sagt Höhlenbauer Nutria den Kampf an und hat doch noch keine Waffe

Die Böschung der Uchte wie hier nahe der Grabenstraße sieht an einigen Stellen recht ramponiert aus. Ob allein die Nutria daran schuld ist, müssen die Behörden entscheiden. Der Nager scheint weiter auf dem Vormarsch. Fotos: hertzfeld
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Die Böschung der Uchte wie hier nahe der Grabenstraße sieht an einigen Stellen recht ramponiert aus. Ob allein die Nutria daran schuld ist, müssen die Behörden entscheiden. Der Nager scheint weiter auf dem Vormarsch.

Stendal – Sie scheinen überall zu sein, in der Uchte und deren Zuflüsse, im Schwanenteich und im Stadtsee sowieso. Die Nutria hat sich im Stadtgebiet von Stendal breitgemacht. Mit unübersehbaren Folgen.

Auch für Verwerfungen oberhalb der Böschung zur Grabenstraße könnte der Erdbaubewohner verantwortlich sein.

Am Ufer der Uchte entlang der Grabenstraße beispielsweise sind die Schlupflöcher der Großnager ob des niedrigen Pegels momentan gut zu sehen.

Zwischen Annenstraße und Katharinenstraße und weiter weist die Böschung Löcher und Verwerfungen auf, für die der Einwanderer aus Südamerika verantwortlich sein könnte. Was die Stadt von der Biberratte hält, macht Armin Fischbach deutlich: „Wenig bis nichts. “ Inwieweit sie bekämpft werden sollte, dazu meint der Rathaussprecher: „Dauerhaft und mit aller Konsequenz. “ Doch so einfach ist das gar nicht, die Nutria kann recht sicher leben.

Im Umland der Hanse- und Rolandstadt kommen die Jäger zum Zug, schon einige Zeit zahlen Gewässer-Unterhaltungsverbände Fangprämien. In der Stadt ist die Bejagung nicht erlaubt. Eine Sondergenehmigung wäre nötig, doch die scheint nach wie vor nicht in Sicht. Jagdrechtlich handele es sich um sogenanntes befriedetes Gebiet. Und dort käme „in erster Linie die Fallenjagd infrage“, bleibt der Rathaussprecher vage. Von einer kommunalen Jagdgenehmigung im Zuge einer Gefahrenabwehr ist nicht die Rede. Noch lässt die Stadtverwaltung lieber an die Bürger appellieren, „die Nutrias auf gar keinen Fall zu füttern“. Denn: „Je besser sie sich entwickeln können, umso höher ist nun einmal auch die Vermehrungsrate.“ Schäden an den Uferböschungen sind schon jetzt unübersehbar.

Eine genaue Prognose will und kann Fischbach nicht abgeben. „Es ist jedoch klar, dass mit weiterem Anstieg der Population im Uchteverlauf auch eine Zunahme der Schadensbilder verbunden sein wird.“ Die Bestände in Deutschland sollen sich von 2006 bis heute nahezu verdoppelt haben. Wie viele Familien in der Einheitsgemeinde Stendal leben, Höhlen bauen und die Ufervegetation fressen, lässt sich nur schwer einschätzen. Die Europäische Union stuft die Nutria als invasive gebietsfremde Art ein. Nutrias können insbesondere Deichanlagen erheblich zusetzen und gefährden. Wenn es um eine genaue Einschätzung der „aktuellen Gefahrenlage“ in Stendal geht, verweist Fischbach auch auf den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, eine Nachfrage der AZ dort läuft.

Die Landesbehörde sei für die Unterhaltung und Bewirtschaftung der Uchte im Stadtgebiet zuständig. Bei der Nutria handele es sich um keine heimische, sondern um eine eingeschleppte Art, betont der Rathaussprecher noch einmal. Sie sei bereits nach einem halben Jahr geschlechtsreif und sorge für reichlich Nachwuchs. „Theoretisch können aus einem Pärchen innerhalb von drei Jahren 1000 Nachkommen erwachsen.“ Immer wieder sollen Bürger regelrechte Futterplätze anlegen. Wer Nutrias füttere, schade dem Stadtbild und greife in die Lebensräume der Tiere ein. „Daraus entstandene Schäden müssen letztendlich oft vom Steuerzahler beglichen werden.“ In Stendal stellt das Füttern eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden.

VON MARCO HERTZFELD 

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