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Stendal: Regionalerzeuger in der Krise

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Von: Stefan Hartmann

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Mehrere Regionale und Bioprodukte in einer Auslage.
Produkte in regionalen Läden gelten als teurer, als sie es in vielen Fällen sind. © Hartmann, Stefan

Fast überall wird versucht Geld zu sparen, oder mehr einzunehmen. Während große Ketten teilweise einfach die Preise erhöhen können, haben regionale Erzeuger diese Möglichkeit nicht.

Stendal – Steigende Preise und klamme Geldbeutel sind besonders für Klein- und Regionalerzeuger eine Bedrohung. Sie können aber auch eine Chance darstellen und ein Umdenken bedeuten: „Das regionale Produkt ist wieder mehr wert“, sagt André Stallbaum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stendal und Betreiber des Scheunenladens Stallbaum an der Osterburger Straße. Der vom Kunden und Verbraucher erkannte Mehrwert zeige sich aber nicht immer in finanzieller Sicht.

Mit einer Prophezeiung hat sie recht behalten, stellt Manuela Svedik, die den renommierten Hof Bio Edelpilze Altmark in Heeren betreibt, fest. Schon im Oktober hatte sie beobachtet, dass die Preise von konventionellen Produkten schneller steigen als die von Bioprodukten. Mittlerweile mache es finanziell kaum noch einen Unterschied, urteilt sie. Aber den ihrer Ansicht nach nötigen Schritt, dann das höherwertige und regionale Produkt zu kaufen, machten noch immer zu wenig Menschen. „Es ist wie mit den Neujahrsvorsätzen“, erklärt sie. Die Erkenntnis sei oft schon da, aber sie umzusetzen doch immer noch schwieriger. Insbesondere wenn auch noch an anderen Stellen gespart werden muss. „Man merkt, dass die Menschen weniger herumfahren“, nennt Svedik als Beispiel. Das treffe insbesondere die kleineren Regionalerzeuger auf den Dörfern und Ortschaften besonders hart. Wenn der Laden nicht ohnehin auf dem Weg liegt oder man in direkter Nachbarschaft wohne, könne der zusätzliche Weg eine Belastung sein.

André Stallbaum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stendal, hält eine Kiste mit Äpfeln.
André Stallbaum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stendal, freut sich über die Apfelernte. © Hartmann, Stefan

Dieses Standortproblem hat Stallbaum an der Osterburger Straße kaum. „Wir sind natürlich vor allem unseren Stammkunden dankbar“, erklärt er auf AZ-Nachfrage. Tatsächlich habe es aber auch einen gewissen Zulauf an Kunden gegeben. Teilweise, so vermutet der Landwirt, ausgelöst davon, dass zur Weihnachtszeit auch regionale Produkte verschenkt wurden und so der Blick auf die Regionalerzeuger gelenkt wurde. Gerade mit Blick auf immer wieder gestörten oder sogar zusammenbrechenden Lieferketten in den vergangenen Jahren hätten die regionalen Höfe wieder mehr Wertschätzung in der Öffentlichkeit erfahren. „Vom Baum zur Halle und dann in den Scheunenladen bricht keine Lieferkette zusammen“, schätzt Stallbaum die Versorgungssicherheit ein. Trotzdem müssen auch für die Geräte und Fahrzeuge vor Ort Treibstoffe eingekauft werden. Auch steigende Lohnkosten machen vor den kleineren Betrieben nicht halt. Diese Kostensteigerungen sollen – und da sind sich die beiden Regionalerzeuger einig – so wenig wie möglich an die Kunden weitergegeben werden. Bei für den eigenen Laden von anderen Regionalerzeugern angebotenen Produkten hätten sie natürlich weniger Spielraum, geben sie auch zu bedenken. Von diesem Problem sind auch Großhändler betroffen. Jedoch seien einige Preiserhöhungen in Supermarkt und Discounter nur schwer nachvollziehbar, sagt Svedik. Teilweise werde sich da sicher auf Kosten der Bevölkerung eine goldene Nase verdient, schätzt sie.

Trotzdem sind auch für die Regionalerzeuger Anpassungen nötig. Ein Apfelhain im Bereich an der Salzwedeler Straße zwischen Stendal und Uenglingen sei nun quasi außer Betrieb gegangen, erklärt Stallbaum. Dort stünden alte Bäume, die gemessen an dem Aufwand, der unter anderem in ihre Pflege gesteckt werden müsse, nicht mehr genug Ertrag bringen. Auch, um die Wünsche der Kundschaft zu erfüllen, würden diese Bäume nicht mehr benötigt. Ihr Ertrag werde von anderen Feldern gedeckt. Das bedeute jedoch nicht, dass dem Landkreis Stendal landwirtschaftliche Fläche verloren geht. Der Hain soll künftig zu Acker umgewandelt werden, kündigt der Landwirt an. Auch generell würden die Feldflächen derzeit ausgeweitet werden. Nur passiere das oft in den Bereichen, die nicht so gut einsehbar sind, wie von der L15 aus. Wer am Scheunenladen vorbei in Richtung Umladestation fahre, könne aber sehen, wie sich die Flächen hinter dem Laden auch im vergangenen Jahr vergrößert hätten, sagt Stallbaum.

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