Naturschützer und Jäger einig

Stendal: Mink bleibt in Region verbissen

Ein Mink luchst aus einem Rohr im Tagermünder Hafen.
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Ein Nordamerikaner luchst an der Elbe bei Tangermünde aus einem Rohr zum Hafenanleger. Längst hat der Mink auch andere Gewässer in der Region für sich entdeckt. Das kleine Raubtier soll vornehmlich frühmorgens und spätabends aktiv sein. Den Großteil des Tages verbringt er in Einständen wie etwa Höhlen von Kopfweiden.
  • Marco Hertzfeld
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Naturschützer und Jäger sind sich bei ihm einig: Der Mink hat sich in Stendal und Umgebung regelrecht verbissen. Und: Dem eingewanderten Raubtier aus Nordamerika sollte weiter nachgestellt werden.

Stendal – Im Tangermünder Hafen scheint er einem schon fast über die Füße zu laufen. Mit etwas Glück und Geduld lässt sich der Mink dort beobachten. Was manch ein Bürger für ein durchaus putziges Tierchen hält, treibt Naturschützern wie Jägerschaft in der Altmark gleichermaßen die Sorgenfalten auf die Stirn. Schließlich stellt der Marder auch allerhand Arten nach, die der Mensch auf die Rote Liste gesetzt hat. Und ja, sie sind sich in diesem Fall recht einig: Das eingewanderte Raubtier verschwindet nicht einfach wieder von der Bildfläche. In der Jagdsaison 2020/21 sind 73 Minke erlegt worden. Damit bewegt sich die Strecke in etwa auf dem Niveau der Jahre zuvor. Für Fachleute lassen die Zahlen den Schluss zu, dass es im Landkreis Stendal nach wie vor noch viele dieser hungrigen kleinen Fleischfresser geben dürfte. Schätzungen sind naturgemäß schwierig.

73 Exemplare allein 2020/21

Vor gut einem Jahrzehnt bliesen Landesbehörden vor der Presse in Stendal zum Angriff auf den Mink, der auch Amerikanischer Nerz heißt. Pulver und Blei reichten ihnen nicht mehr, das Verbot der Fallenjagd wurde ausgesetzt, um den Mink auch in Naturschutzgebieten wie Schollener See und Stremel stärker zu bekämpfen. Ein weiterer Blick in die jüngere Vergangenheit: 2006/07 sind laut zuständiger Landkreisbehörde 97 Minke erlegt worden, 2014/15 waren es 65, in der Saison darauf 112 und 2018/19 sogar 158. Für die Jagdsaison 2019/20 wurden 81 Exemplare gezählt. „Es wird nicht möglich sein, die gesamte Population zum Erliegen zu bringen“, ordnet Stendals Kreisjägermeister Günter Scheffler die Zahlen auf AZ-Anfrage nüchtern ein. „Für uns ist es wichtig, den Mink auch weiterhin intensiv nachzustellen, um die Population so gering wie möglich zu halten.“

Kreisjägermeister sieht Erfolge

Der aus Nordamerika stammende Mink fühlt sich in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel pudelwohl. Im Landkreis Stendal mit all den Gewässern sei er quasi überall anzutreffen. Dr. Peter Neuhäuser, Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), sieht im Mink keine Bereicherung für die Tierwelt. Das invasive Neozoon (Neutier) plündere Eier und Gelege vieler Wasservögel. Es treffe kleine seltene Entenarten genauso wie Rallen, auch Rohrsänger, Seeschwalben sowie Wiesenvögel allgemein. Da die Bestände oftmals ohnehin gering seien, stimme die Entwicklung traurig. Nabu-Chef Neuhäuser hebt die Knäkente noch einmal besonders hervor, sie werde in der brandaktuellen Roten Liste in der Kategorie 1 geführt und sei vom Aussterben bedroht. Eine Jagd und gerade die durchaus aufwendige Fallenjagd auf den Prädator Mink seien „sehr zu begrüßen“.

Nabu-Chef bangt um Vogelwelt

Der Nordamerikaner ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Seit den 1950er-Jahren massenhaft in Pelztierfarmen in Europa gehalten, büxten immer wieder einige Tiere aus oder wurden freigelassen. Erinnert sei an eine Aktion 2007 in altmärkischer Nachbarschaft, die Ermittler selbst ernannten Tierschützern zuschreiben. Mehrere Tausend Minke aus einer Farm im Jerichower Land wurden aus den Käfigen gelassen, etliche starben gleich auf der Straße, viele andere aber überlebten und zogen weiter. Überhaupt steht dem Einwanderer ein kleines Paradies offen. Auch auf Kosten entfernter Verwandtschaft. Der Europäische Nerz, bei Weitem nicht so robust, kommt heutzutage auch wegen des Vetters nur noch im Baltikum und an wenigen anderen Stellen des Kontinents vor. Zudem steht der Mink in Verdacht, zumindest lokal, den Iltis zu verdrängen.

Der Mink soll weiter in die Falle gehen, mit der er fast ausschließlich bejagt werde. Die organisierten Weidleute in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel hätten sich über die Jahre „intensiv darum bemüht, den Bestand zu reduzieren und weiteren Schaden zu minimieren“. Kreisjägermeister Scheffler ist überzeugt: „Der Bestand konnte durch Aktivitäten entscheidend gesenkt werden.“ Wobei die genaue Zahl der noch vorhandenen Minke eben nicht beziffert werden könne. Und noch einmal: „Der Mink zählt zu den invasiven Arten und gehört nicht in unsere Landschaft, da er ja auch eine echte Gefahr für den Europäischen Nerz ist.“ In Deutschland läuft das eine oder andere Wiederansiedlungsprojekt für diesen, die Art galt dort als ausgerottet. Dabei mischt auch die Altmark mit, der Tiergarten Stendal beteiligt sich seit längerer Zeit an einem europäischen Zuchtprogramm (die AZ berichtete).

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