1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Stendal: Regenbogenfahne soll zum Ende der Woche wieder wehen

Erstellt:

Von: Stefan Hartmann

Kommentare

Fahnenmasten auf dem Stendaler Marktplatz.
Wo am Vortag noch bunte Flaggen wehten, sind nun nur die blanken Fahnenmasten zu sehen. Das sei so geplant gewesen, erklärt die Stadtverwaltung. © Hartmann, Stefan

Nur relativ kurz konnte sich die queere Community in Stendal über eine am Rathaus gehisste Regenbogenflagge freuen. 

Stendal – Kaum ist sie da schon war sie wieder weg. Erst am Montagmittag war die Regenbogenflagge vor dem Stendaler Rathaus gehisst worden. Am Abend während der von der AfD initiierten Demonstration, die sich „gegen Preisexplosionen und Kriegstreiberei“ richten sollte, war von der Regenbogenfahne jedoch nichts mehr zu sehen. Auch die Deutschland-, Europa- und Sachsen-Anhalt-Flaggen waren nicht mehr an ihren Plätzen zu entdecken.

Von einer Entfernung wollte die Stadtverwaltung auf AZ-Nachfrage jedoch nicht sprechen. „Es handelt sich um keine Entfernung, sondern um die regulär vorab festgelegten Zeiten für die Beflaggung“, schreibt Stadtsprecherin Susanne Hellmuth. Grundlage für die Zeiten sei der Erlass der Bundesregierung über die Beflaggung der Dienstgebäude des Bundes. Entsprechend dieser beginnt die Beflaggung mit dem Tagesanbruch jedoch nicht vor 7 Uhr und endet bei Sonnenuntergang. „Die Abnahme der Flagge zum Sonnenuntergang, derzeit um 19 Uhr, hielten wir am Montag nicht für zielführend“, heißt es weiter im Antwortschreiben der Stadt. „Daher hatten wir bereits vorab festgelegt, dass die Flaggenhissung am Tage des Pressetermins lediglich zwischen 13 bis 16.30 Uhr erfolgt.“ Dies sei auch ausgerichtet an den Dienstzeiten der städtischen Mitarbeiter.

Noch ist die Flagge nicht wieder gehisst worden. Vorgesehen sei das planmäßig für den 30. September, dem Tag vor dem geplanten Christopher Street Day, sowie schließlich auch am 1. Oktober passend zum Anmeldungstag der Kundgebung und der Veranstaltung auf dem Stendaler Marktplatz. Während dieser Tage richte sich die Beflaggungszeit dann wieder entsprechend der Zeiten des Erlasses, also von Tagesanbruch ab 7 Uhr bis Sonnenuntergang.

Während der Demonstration am Montagabend auf dem Stendaler Marktplatz wurde tendenziell eher begrüßt, dass die Beflaggung nicht mehr zu sehen war. Ob es denn keine wichtigeren Probleme in Stendal und der Welt gebe, wurde unter anderem von den Rednern unter Beifall gefragt. Ulrich Siegmund, Redner und AfD-Politiker, erklärte auch gegenüber der AZ, dass er sich an die Stadtverwaltung gewandt hatte, um zu erfragen, unter welchen Regularien die Hissung erfolgte. Beschwerden über die Beflaggung habe es jedoch nicht gegeben. „Abgesehen von deutlich ablehnenden Facebook-Kommentaren sind keine Beschwerden an uns herangetragen worden“, heißt es aus dem Stendaler Rathaus.

Kommentar von AZ-Redakteur Stefan Hartmann
Sichtbarkeit fällt aus / Signal verpufft schnell:
Ein bisschen veräppelt müssen sich die CSD-Organisatoren schon vorkommen. Noch am Montagmittag ist die Freude groß, dass ein Zeichen für die queeren Menschen aus Stendal gesetzt wird und pünktlich zur Demonstration der Partei, die immer wieder ihre Ablehnung gegenüber der Regenbogenflagge kundtut, wird diese auch wieder abgehängt. Sicher könnte argumentiert werden, dass nicht der Eindruck erweckt werden wollte, auf etwaige erwartete Abhängeforderungen eingegangen zu sein. Aber dennoch ist das sicher nicht das Zeichen und die Sichtbarkeit, die einige Stendaler erhofft hatten. 

Auch interessant

Kommentare