1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Phosphatwerte im Stadtsee gefährden Biotop

Erstellt:

Kommentare

Norbert Mädge steht auf dem Stauwehr an der Blumenthalstraße.
Norbert Mädge sieht das geschlossene Wehr an der Blumenthalstraße als erste Anlaufstelle zur Verbesserung der Phosphatwerte im Stadtsee. © Lisa Maria Krause

Ein fauler Geruch steigt vom Stauwehr an der Blumenthalstraße in Stendal auf. Im stehenden Wasser hat sich eine Menge Laub angesammelt. Das Gitter des geschlossenen Absperrbauwerks ist verrostet. Das Wasser zwischen Stadtsee und Uchte kann dort nicht fließen.

Stendal - Der fehlende Wasseraustausch und damit die Zunahme von Blaualgen im künstlichen See beschäftigen Norbert Mädge schon seit einer Weile.

Der Rentner hatte im Juli ein Bild in der Presse gesehen. Seitdem lässt es ihn nicht mehr los. „Der Stadtsee ist ganz grün“, beschrieb er kürzlich auch die Lage vor dem Stadtrat (AZ berichtete). Den zweiten Sommer in Folge war das Gewässer grün, weil die Blaualgenkonzentration so hoch ist. Das führt der Diplom-Bauingenieur im Ruhestand auf die hohen Phosphatwerte im Wasser zurück.

Phosphor fördert das Pflanzenwachstum und gelangt über Dünger, Waschmittel und Vogelkot in Gewässer. Es ist zunächst ungefährlich. Die Auswirkungen einer hohen Konzentration können aber verheerend sein: Das Algenwachstum nimmt rasant zu. Sie nehmen anderen Pflanzen im See das Licht. Außerdem: „Das Problem ist, dass Algen beim Verfall zu viel Sauerstoff verbrauchen. Das können die Anlagen gar nicht nachliefern“, erklärt Mädge der AZ. Die im Auftrag der Stadt installierten Belüftungsanlagen auf dem Stadtsee könnten gegen diesen Sauerstoffmangel nicht ankommen und nur das Fischsterben hinauszögern.

Mädge, der selbst in Seenähe wohnt, fühlt sich von der Stadtpolitik allein gelassen. Seine Proben aus dem Stadtsee und der Uchte ließ er auf eigene Faust von einem Stendaler Institut prüfen. Beim Phosphor sieht es nicht gut aus: Der Stadtsee hat einen Wert von 0,45, die Uchte von 0,21 Milligramm pro Liter. „Das Phosphat ist doppelt so hoch wie die Grenze für das Algenwachstum“, erklärt der Stendaler. Laut ihm ist bereits eine Konzentration von 0,25 Milligramm pro Liter schädlich. Gesetzliche Grenzwerte für Phosphor gibt es nur für Trink- und Abwasser.

Laub, Äste und Müll schwimmen im stehenden Wasser vor dem geschlossenen Wehr.
Stehendes Wasser, dazu einiges altes Laub verschlimmern den Zustand des Gewässers. © Lisa Maria Krause

Die einfache Lösung des Problems: Die beiden Stauwehre zur Uchte, die an beiden Enden des Sees liegen, dauerhaft öffnen und so einen Wasseraustausch ermöglichen, der die Phosphorkonzentration senken würde. Denn eigentlich sind die Wehre zum Hochwasserschutz gedacht. „Das ist relativ unwahrscheinlich, kann aber niemand ausschließen“, findet Mädge, der nicht verstehen kann, warum das Stauwehr an der Blumenthalstraße dauerhaft geschlossen wurde. Ein Termin mit Stadtvertretern am Wehr Mitte September führte nicht zu der geplanten Probeöffnung. Zumindest wurde es aber von einem Bauhofmitarbeiter funktionsfähig gemacht. Das Getriebe des Zulaufwehres dagegen sei ein „einziger Rostklumpen“. Die leichte Öffnung dieses Wehres führe zu keinem nennenswerten Wasseraustausch, erläutert der Stendaler.

Immerhin: Eine Firma soll bis Ende des Jahres das Ablaufwehr an der Blumenthalstraße von jahrelang angehäuftem Laub befreien. „Die müssten noch 20 bis 30 Meter in den See rein“, schätzt Mädge, denn Äste und Laub stauen sich in dem Graben bis in den See hinein. Eine Antwort auf sein Angebot im Stadtrat, sich ehrenamtlich um den Stadtsee zu kümmern, hat Mädge bisher nicht.

Auch interessant

Kommentare