Bahn und Tiergarten werben mit längst aussortierter Katze

Stendal: Ozelot geistert noch umher

Eines der letzten Bilder eines Ozelots im Tiergarten Stendal. Der Südamerikaner wird dort nicht mehr gehalten.
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Eines der letzten Bilder eines Ozelots im Tiergarten Stendal. Der Südamerikaner wird dort nicht mehr gehalten.

Stendal – In einem aktuellen Kundenblatt der Deutschen Bahn an die Region Magdeburg wird unter anderem mit dem Ozelot für einen Besuch im Stendaler Tiergarten geworben.

„Das kann eigentlich nicht sein“, wundert sich ein Altmärker am Telefon gegenüber der AZ und glaubt an eine mögliche Fehlerquelle schon auf der Internethausseite der Einrichtung.

Er habe das Raubtier, welches ursprünglich in Mittel- und Südamerika vorkommt, schon länger nicht mehr in der Freizeitstätte am Stadtsee beobachten können. Und der Mann hat recht. „Seit 2017 gibt es die Kleinkatzenart nicht mehr im Tiergarten“, teilt ein Rathaussprecher auf Nachfrage mit. „Der letzte Ozelot ist plötzlich verstorben, ohne Krankheitsanzeichen.“

Mindestens 350 Tiere und 65 Arten sollen auf dem Gelände am Stadtsee leben. Die Besucher kämen nicht zuletzt wegen der Katzen, in all ihren Formen, heißt es regelmäßig vonseiten der Tiergartenleitung. Afrikanischer Serval, bei dem es erst vor Kurzem wieder Nachwuchs gegeben hat, Wildkatze, Nordluchs und natürlich der Sibirische Tiger sind ein Magnet. Noch im Dezember 2015 wurde öffentlich eine Zuchtoffensive beim Ozelot angekündigt, drei Jahre später erklärte die Leitung, eine Haltung gänzlich eingestellt zu haben. Einige wenige Zoos würden sich darauf spezialisieren. Doch so richtig kann Stendal vom Ozelot wohl nicht lassen, schon auf der ersten Internetseite wird die Katze genannt.

„Die Homepage ist relativ aktuell, es können sich jedoch immer mal kleine Fehler einschleichen“, bleibt der Rathaussprecher gelassen. „Die Leiterin des Tiergartens und eine Kollegin betreuen die Homepage selbst.“ Eine größere Änderung und Auffrischung des Auftritts im weltweiten Netz stehe derzeit übrigens nicht auf dem Plan. „Wichtig ist doch, dass der Besucher, wenn er sich im Internet über den Tiergarten erkundigt, auf einen Blick erkennen kann, wie man dahin gelangt und was man bei einem Besuch erwarten darf.“ Böse Zungen könnten an dem Punkt festhalten: Einen Ozelot jedenfalls nicht und doch steht der Räuber auf einer Seite der Hanse- und Rolandstadt.

Und kurz von einer kleinen Katze zu einer großen, dem Tiger. Warum Stendal nicht einfach ordentliches Mitglied im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) sei oder werde, das würde doch ganz offensichtlich beim Streben nach einem neuen Kater helfen, wollen Leser nach der AZ-Berichterstattung wissen. „Als EEP-Mitglied muss man auch Mitglied im Dachverband EAZA sein“, heißt es dazu aktuell von der Stadt. EAZA meint European Association of Zoos and Aquaria. „Innerhalb dieses Verbandes findet zum Beispiel der Tieraustausch zwischen den einzelnen Zoos zu Zuchtzwecken statt und es wird dort das EEP koordiniert. Im Dachverband sind alle großen Zoos organisiert.“

Im Umkehrschluss könnte das heißen, dass die Stendaler Einrichtung nicht groß genug ist. Ins Detail geht der Stadtsprecher nicht und auch zu möglichen Mitgliedsbeiträgen und anderen Kosten könne er keine Auskunft geben. Am 29. Juli ist übrigens der Internationale Tag des Tigers. Der Tag soll nicht zuletzt auf den Überlebenskampf der verschiedenen Unterarten in freier Natur hinweisen. Irgendwelche Veranstaltungen anlässlich dieses Tages seien derzeit in Stendal nicht geplant. Und noch einmal zur Erinnerung: Für Stendals Tigerin Taina soll ein passender Kater gefunden werden. Mitte Mai wurde Augustus aus dem Zoo Eberswalde angekündigt. Doch ganz perfekt scheint der Umzug noch immer nicht (die AZ berichtete). VON MARCO HERTZFELD  

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