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Stendal: Mutmaßliche Impfpassfälscherin ließ ihr Baby verhungern

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Von: Stefan Hartmann

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Die Staatsanwaltschaft Stendal.
Die Staatsanwaltschaft Stendal steht noch am Anfang ihrer Ermittlungen. © Hartmann, Stefan

Die Mitarbeiterin einer Stendaler Arztpraxis, die Impfpässe gefälscht haben soll, ist kein unbeschriebenes Blatt. 2012 wurde sie wegen Totschlags an ihrem Kind zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Stendal – Im Fall des mutmaßlichen Verkaufs von gefälschten Impfnachweisen durch die Mitarbeiterin einer Stendaler Arztpraxis haben sich neue Erkenntnisse ergeben. Die der Tat beschuldigte Frau ist kein unbeschriebenes Blatt: 2012 war sie wegen Totschlags zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, wie Thomas Kramer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stendal, auf AZ-Nachfrage bestätigte. Die Frau hatte ihren drei Monate alten Sohn verhungern lassen. Die Öffentlichkeit über diesen Sachverhalt in Kenntnis zu setzen, hatte die Staatsanwaltschaft nicht für wichtig erachtet. „Man muss immer überlegen: Spielt das für den konkreten Vorwurf eine Rolle?“, erklärt Kramer.

Bei den Ermittlungen stehe die Staatsanwaltschaft noch ganz am Anfang, wie der Sprecher betont. Sichergestellt worden seien bislang vier falsche Impfausweise und zwei gefälschte Impfzertifikate. Hinzu kämen 90 bis 95 sogenannte Prüffälle, bei denen festgestellt werden müsse, ob tatsächlich nicht verabreichte Impfungen eingetragen wurden. Rund die Hälfte der Fälle stamme aus dem Raum Stendal. „Der Rest sind überregionale Fälle“, bestätigt Kramer.

Einer der Interessenten habe eine besonders weite Reise auf sich genommen: 300 Kilometer sei er aus Brandenburg gezielt nach Stendal gefahren, habe in der Arztpraxis um ein Zertifikat gebeten und Bargeld auf den Tisch gelegt. Die Bitte und das Geld habe der Hausarzt jedoch sofort zurückgewiesen.

Um welchen Geldwert es bei den zur Debatte stehenden Straftaten geht, sei noch unklar. Ebenfalls noch keine Angaben könnten dazu gemacht werden, ob die Fälschungen auch über das Internet angeboten wurden. Erkenntnisse habe die Staatsanwaltschaft Stendal bislang nur über sogenannte Mundpropaganda.

„Die Aussagebereitschaft der Frau ist gering“, stellt der Staatsanwalt fest. Dabei könnten sich sachdienliche Angaben nicht nur für die Aufklärung der mutmaßlichen Straftat lohnen. Im Falle einer Selbstanzeige und Aussage bei den Ermittlungsbehörden könne sich das strafmildernd auswirken.

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