Fachamt: Bedarf an Bauland nicht so groß, wie von Politik oft behauptet

„Stendal muss am Leben bleiben“

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Das Baulandkataster gibt hier einen Überblick über Baulücken im Stadtsee-Viertel: Hellgrüne Flächen sind „sofort bebaubar“, dunkelgrüne erst „nach Klärung von Sachverhalten“.

Stendal – Der Traum vom Eigenheim ist bei vielen Deutschen in etwa so präsent wie der Wunsch nach eigenen Kindern. Doch kann die Nachfrage nach Bauplätzen in Stendal überhaupt befriedigt werden?

Was dieses Thema angeht, hat es in der Vergangenheit unterschiedliche Ansichten von Politik und Verwaltung gegeben. Mit den Gerüchten um einen Bedarf an Bauplätzen, der das Angebot übersteigt, will Axel Achilles, Leiter des städtischen Planungsamtes, nun aufräumen: „Ja, wir kriegen hin und wieder Anfragen. Aber längst nicht so viele, wie es häufig dargestellt wird.“

Baulücken in der Rolandstadt können im Netz unter www.stendal.de/de/baulandkataster/baulandkataster eingesehen werden. Das Baulandkataster zeigt nicht nur, wo es in der Stadt unbebaute oder geringfügig bebaute Grundstücke innerhalb der bebaubaren Siedlungsflächen gibt, es beinhaltet auch Informationen zu Grundstücken wie Flur- und Flurstücksnummer, Straßennamen sowie Angaben zur Grundstücksgröße.

Alle Baugebiete in Stendal und seinen Stadtteilen sind zudem im Flächennutzungsplan (FNP) ausgeschrieben. Der stammt aus dem Jahr 1999 und wird derzeit von den Mitarbeitern des Planungsamtes in Abstimmung mit dem Land Sachsen-Anhalt überarbeitet. Gebaut werden kann momentan etwa in Stendal-Nord (Am Galgenberg) sowie im Westen der Stadt, nämlich in „Stadtsee III“ (Mühlenweg).

Derzeit läuft außerdem das Umlegungsverfahren „Südliche Haferbreite“, das Platz für 27 Einfamilienhäuser schaffen soll. Bis zum Verfahrensende wird aber vermutlich noch etwas Zeit ins Land gehen. Denn aus den Reihen der Bevölkerung hatte es massiven Widerstand gegen den Bebauungsplan gegeben (AZ berichtete).

Mit Ausnahme der Haferbreite konnte das Planungsamt alle im FNP festgeschriebenen Baugebiete umsetzen. „Und das schafft nicht jede Stadt“, zeigt sich Achilles stolz. Der Amtsleiter kündigt an, dass die Stadt im Rahmen des überarbeiteten FNP weiteres Bauland schaffen werde, mahnt aber realistisch zu bleiben.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Stadt am Leben bleibt.“ Das bedeutet: Es kann nur so viel Bauland geschaffen werden, wie auch benötigt wird. Denn Stendal wird immer älter und verliert pro Jahr derzeit rund 200 Einwohner, Tendenz steigend. Es ist wichtig, vorhandene Häuser weiter zu nutzen. Ansonsten drohen Leerstand und Ghettoisierung im Stadtgebiet, wie der Amtsleiter weiß. Grundstückseigentümern rät er, nicht mehr genutzte Flächen zu verkaufen, damit diese weitervermarktet werden können.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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