Selbst ist der Hotelbesitzer

Stendal: Markus Schuchardt modernisiert das Hanse-Hotel im Südosten der Kreisstadt

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„Wir machen hier etwa 99 Prozent selber“, sagt Markus Schuchardt über die Sanierung des Hanse-Hotels am Rande des Gewerbegebiets an der Industriestaße. Besonders beliebt ist die Unterkunft laut dem Besitzer bei Monteuren und Außendienstmitarbeitern.

Stendal – Wenn man Markus Schuchardt vor ein paar Jahren gefragt hätte, ob er jemals ein Hotel aufmachen würde, hätte er dies vermutlich verneint.

Denn der 33-Jährige, der eigentlich aus dem ostelbischen Rathenow stammt, ist heute in Braunschweig verwurzelt, hat Ehefrau und zwei kleine Kinder. Sein Job in der Geschäftsführung eines Elektronikentwicklers für den Wolfsburger Autohersteller Volkswagen gefällt ihm. Und doch kommt häufig alles anders, als man denkt.

Das heutige Hanse-Hotel am Rande des Stendaler Gewerbegebietes wurde 1991 als Lehrlingswohnheim für die nie fertiggestellte Betriebsberufsschule zur Erdgasförderung gebaut, es umfasst zwei Gebäude mit je sechs Stockwerken. Wenige Jahre nach dessen Fertigstellung gestaltete der Edeka Markt Minden-Hannover (MIHA GmbH) die Gebäude in ein Gästehaus um, ab 1996 galt das rechte der beiden Gebäude als Hotel. Weil sich die Bewirtschaftung offenbar nicht lohnte, wurde das heutige Hotel an eine Privatperson verpachtet.

Sein Vater stammt aus Stendal. Und nun hat auch der 33-jährige Markus Schuchardt seinen Weg in die Rolandstadt gefunden – wenn auch nur in Teilzeit.

Als Edeka die Gebäude vor zwei Jahren abreißen wollte, schlug Schuchardt spontan zu – und erfüllte sich damit einen Traum, wie er heute sagt. Doch das Hotel befand sich in keinem guten Zustand und bedeutet für den Hotelbesitzer seither eine Menge Arbeit. „Das Dach war undicht, dadurch hatte das sechste Obergeschoss Schaden genommen“, beschreibt der 33-Jährige. Hinzu kam, dass sich noch sämtliche alten und teils kaputten Möbel in dem Gebäude befanden. Doch für Schuchardt stand schnell fest, dass er das Projekt in seine eigenen Hände nehmen wollte – auch, um Geld zu sparen, das er lieber anderweitig in das Gästehaus stecken wollte. Rund 200 000 Euro habe er bisher in die Modernisierung der beiden Plattenbaublöcke gesteckt, noch mindestens 200 000 Euro sollen folgen.

Doch bei dem Mammut-Projekt ist er nicht allein: „Ich habe gute Hilfe von Freunden und viel Unterstützung von meiner Familie, die mich vor allem an den Wochenenden entbehren muss“, zeigt Schuchardt sich dankbar. Die Modernisierung stelle ihn und seine Helfer fast jeden Tag vor unbekannte Aufgaben. „Gerade habe ich das erste Mal eine Raufasertapete tapeziert“, berichtet er stolz – und ist mit dem Ergebnis zufrieden. Überfordert habe er sich bisher nicht gefühlt. Es bedürfe aber einer gewissen Organisation, die wenig zur Verfügung stehende Zeit effizient zu nutzen. Denn zusätzlich zu seiner 40-Stunden-Woche in Wolfsburg verbringt er wöchentlich zwei Tage in der Rolandstadt. Die Arbeitstage im Hotel sind lang, dauern oftmals 14 oder 15 Stunden.

Doch Schuchardt findet Freude an seiner neuen Aufgabe: „Gerade der handwerkliche Teil ist ein hervorragender Ausgleich zu meinen sonst sehr bürolastigen Tätigkeiten.“ Den Hotelbesitzer mache es glücklich, wenn sich seine Gäste und auch Mitarbeiter an dem neu geschaffenen Ambiente erfreuen – „und natürlich, wenn mal wieder ein Teilprojekt geschafft ist“, schmunzelt er.

Auch die Stadtverwaltung ist froh darüber, dass in den Standort Hanse-Hotel investiert wird, wie Pressesprecher Philipp Krüger auf Nachfrage mitteilt. „Wir sehen, dass die Sanierung vorangeht, sowohl im Gebäude als auch außen. Und das ist selbstverständlich in unserem Sinne“, meint Krüger. „Schließlich hängen an dem Projekt Arbeitsplätze und es trägt zur Verschönerung des Stadtbildes bei.“

VON CHARLOTTA SPÖRING

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