Präsentation am kommenden Mittwoch durch die Kaschade-Stiftung

Stendal: Marktplatz-Modell nach über 70 Jahren wieder da

+
Nach über sieben Jahrzehnten in der Versenkung stellt die Kaschade-Stiftung am Mittwoch das Stendaler Marktplatz-Modell vor.

Stendal – Das Modell des Stendaler Marktplatzes taucht nach über sieben Jahrzehnten wieder aus der Versenkung auf. Am Mittwoch stellt die Kaschade Stiftung das Modell vor, welches aus 1945 im Altmärkischen Museum eingelagerten Gebäudeteilen wieder aufgebaut wurde und Ende März zur Partnerschaftsausstellung in Lemgo gezeigt werden soll.

Begonnen hatte die Geschichte des Modells laut einer Akte im rolandstädtischen Stadtarchiv im Jahr 1941.

Nach Einholen mehrerer Angebote von namhaften Architektur-Modellbaufirmen im Sommer 1941 fiel die Wahl auf das Unternehmen Rohn & Janson, Berlin W 35, Potsdamer Straße 61. Gemäß Angebot vom 5. September 1941 sollte das Modell im Maßstab 1:200 auf einer 105 mal 55 Zentimeter große Modellplatte angefertigt werden. Der Kosten-Voranschlag belief sich auf circa 2400 Reichsmark.

Das Modell würde aus leichtem und haltbaren Material mit auswechselbaren Gebäuden entsprechend den gegeben Unterlagen angefertigt und farbig behandelt werden. Die Firma übernahm die Gewähr für plastische und künstlerische Wirkung und nannte gemäß Schreiben vom 17. September 1941 eine Lieferfrist „etwa 8 Wochen“. Der bei der Firma Rohn & Janson angestellte Modellbauer Emil Kuhne wurde mit der Anfertigung des Marktplatzmodells in den Werkstatträumen in der Potsdamer Straße 61 beauftragt.

Das Marktplatz-Modell wurde nach der Pfingst-Ausstellung Ende Mai 1944 im Schaufenster des Kaufhauses von Gustav Ramelow dem Altmärkischen Museum übergeben und überdauerte dort durch glückliche Umstände die Jahrzehnte. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges war die Stadt Stendal mehrmals aus der Luft angegriffen worden.

War das Modell in Berlin schon während der Bauarbeiten durch die ständigen Bombenangriffe stark gefährdet und zur Fertigstellung nach der Lutherstadt Wittenberg ausgelagert worden, schlugen am 8. April 1945 auch am Stendaler Dom Bomben ein, wobei der Westflügel des Kreuzganges zerstört wurde. Er war ein Teil der Räumlichkeiten des Altmärkischen Museums, das dort bis 1963 untergebracht war. Zum Glück sind die Räume, in denen auch das Modell stand, verschont geblieben.

Das Architektur-Modell besticht durch seine handwerklich bemerkenswert sorgfältige Arbeit. Die Einzelteile bestehen aus Sperrholz und Pappe. Alle Fassaden und Dächer sind auf der Basis von zahlreichen Fotografien bis ins Detail durchgestaltet und farblich behandelt.

VON THOMAS WESTERMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare