Geschichtsfreunde wollen altes Fachwerk für Bahnhofszeitreise umbauen

Stendal: Licht am Ende des Tunnelhäuschens

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Der Eingang zum Röxer Tunnel auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Unterführung ist mehr als 100 Jahre alt, der Fachwerkbau dürfte in dieselbe Kategorie gehören. 

Stendal – Es ist nicht sonderlich groß und wirkt ein Stück weit wie aus der Zeit gefallen. Und dennoch prägt es den modernen Bahnhofsvorplatz in Stendal mit.

Das Eingangshäuschen zum Röxer Tunnel soll unbedingt erhalten bleiben, egal, ob der Denkmalschutz das sowieso festschreibt oder nicht. Wenn die Unterführung in absehbarer Zeit verfüllt ist, wünschen sich Geschichtsfreunde eine kleine feine Ausstellungshalle. „Dort wäre ein geeigneter Platz“, ist Michael Trösken im AZ-Gespräch überzeugt. Erste Kontakte zur Stadtverwaltung habe es bereits gegeben. Das Vorhaben soll nun Fahrt aufnehmen.

Michael Trösken, Geschichtsfreund

Andreas Möhlmann, ein Architekt, Wolfgang List, ein Autor und Eisenbahnexperte, und er, Trösken, hätten bereits die Köpfe zusammengesteckt. Bahnfreund Trösken engagiert sich auch im Husarenverein und bei den Oldtimerfans. Der Fachwerkbau biete nicht viel Raum, vielleicht 20 Quadratmeter, aber der reiche durchaus für eine prägnante Zeitreise. Wenn die Angabe stimmt und richtig gerechnet wurde, wird das Bahnhofsgebäude 2021 stolze 150 Jahre alt. Der Röxer Tunnel ist einige Jahrzehnte später 1911 geschaffen worden. Trösken: „Es gibt einiges zu erzählen und darzustellen.“

Der Stendaler sammelt historische Bauskizzen, in dem Bestand befinden sich Lagepläne von Strecken und Bahnhof, einige bis zu sechs Meter lang. Ein solches Exemplar hätte vielleicht gerade so im Eingangshäuschen Platz. Noch einige andere Dokumente dazu, womöglich auch das eine oder andere Exponat, und die Stadt wäre um einen Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen reicher. Natürlich sollte auch die Deutsche Bahn ins Boot, ein saniertes und umgebautes Tunnelhäuschen könnte nach Ende der umfangreichen Modernisierungsarbeiten im Bahnhof 2021 so etwas wie das i-Tüpfelchen sein.

Der Tunnel hat seine besten Zeiten hinter sich.

Natürlich müsse das Häuschen saniert und zukünftig vielleicht besser von beiden Seiten zugänglich sein. Das nötige Geld könnte von der Stadt kommen. Trösken kann sich aber auch gut vorstellen, dass Spenden das Projekt umsetzen helfen. Wie viel die Frischekur kosten könnte, kann der Altmärker noch nicht abschätzen. Nur so viel: „Die Riesensumme wird es nicht sein, aber strecken müsste man sich natürlich schon.“ Der Einsatz lohne sich auf jeden Fall. Das Häuschen habe schon jetzt einen gewissen Charme und atme regelrecht Geschichte.

Trösken kann das fertige Produkt schon vor seinem geistigen Auge sehen. Am anderen Ende des Röxer Tunnels befindet sich das Gegenstück, am Aufgang zur Lüderitzer Straße hat das Trio Möhlmann, List und Trösken kein Interesse, bislang jedenfalls nicht. Ob das Häuschen wirklich abgerissen werden kann oder darf, wird sich zeigen. Der Tunnel soll jedenfalls zugeschüttet werden. Der moderne Haupttunnel gleich daneben erhält noch Aufzüge. Überhaupt soll der Bahnhof barrierefrei und zukunftstauglich gestaltet werden. Rund 17 Millionen Euro sind für die Sanierung des Komplexes vorgesehen. Nach einigem Hin und Her haben die Arbeiten dieses Jahr begonnen.

VON MARCO HERTZFELD 

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