Revolutionär kommt erst 2022 in Stendals Feuerwehrmuseum aufs Fundament

Stendal: Lenin bis zum Landesfest kaltgestellt

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Brandschützer Michael Schneider und Lenin auf Augenhöhe: Aus der Ecke heraus ins Rampenlicht gerückt ist der verbannte Revolutionär auch seit August nicht.

Stendal – Lenin bleibt erst einmal in der Ecke und kehrt nicht wie geplant dieses Jahr ins Rampenlicht zurück. Die überlebensgroße Statue sollte eigentlich schon auf frischem Fundament am Tor des Landesfeuerwehrmuseums stehen.

„Es passt zeitlich einfach nicht“, findet Michael Schneider. Der Verein Feuerwehrhistorik habe momentan genug andere Dinge vor der Brust.

Lenin wäre vor wenigen Tagen 150 Jahre alt geworden. Museumsleiter Schneider hat seit einiger Zeit ein anderes Jubiläum für den Kommunisten im Blick. 2022 besteht die freiwillige Feuerwehr in Stendal seit 150 Jahren. Und: Sachsen-Anhalt feiert in genau diesem Jahr sein Landesfest in der altmärkischen Kreisstadt.

Schneider ist kein Leninist, er ist mit Leib und Seele Feuerwehrhistoriker. Das Feindbild der freien bürgerlichen Welt ist Teil eines Projektes, das an die deutsch-sowjetische Nachkriegsgeschichte erinnern soll. In der Besatzungszone und damit auch in Stendal wollten die neuen Machthaber für die Neuorganisation des Löschwesens ein Dekret heranziehen, das Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, nach der Revolution in Russland mitverfasst hatte. Ein solcher Brandschutz wäre fast durchgehend militärisch organisiert gewesen, das Prinzip der Freiwilligkeit beerdigt worden. Es kam anders. „Eine Tafel am Ehrenhain wird das genau erklären“, hält der Vereinschef hier an seinen Plänen fest.

Ehrenhain scheint ein schwieriges Wort und in diesem Fall nicht groß gemeint. Dass ein prominent platzierter Weltrevolutionär nicht jedem schmecken könnte, auch dies dürfte Schneider durchaus bewusst sein. „Lenin und diese Statue gehören zu unserer Geschichte, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Die Figur aus Granit musste Anfang der 1990er-Jahre den heutigen Nachtigalplatz räumen und fristet nun im Museum ein Schattendasein. Der marxistische Theoretiker soll von Schmutz und Schmierereien befreit werden. Vor gut einem Jahr war die Rede von 3000 Euro Kosten insgesamt. Die Stendaler Einrichtung ist in Deutschland eine der ersten Adressen regionaler Feuerwehrforschung.

Der Museumsleiter ist momentan kaum einzufangen. „Rentner haben niemals Zeit.“ Die Coronazeit sei auch für die Einrichtung an der Arneburger Straße eine Herausforderung. Am Donnerstag, 14. Mai, kann das Museum nach der Zwangspause wieder öffnen. Besucher sind fortan dienstags, donnerstags und samstags zwischen 9 und 16 Uhr willkommen. An den anderen Tagen bleibt das große Tor geschlossen. Zu tun gebe es auch dann genug, Forschungsarbeit und Arbeit am Eingang. Das Tor wird ersetzt, die feuerwehrrote Farbe bleibt, vieles sollte schon am Wochenende erledigt werden. „Und ja, der Blick richtet sich schon auf 2022 und die Freiwillige Rettungskompanie Stendal, wie die älteste Feuerwehr in der Altmark zunächst hieß.“

VON MARCO HERTZFELD  

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