Landesfeuerwehr-Verein will rotem Theoretiker ein Podest geben

Stendal: Lenin kehrt ins Rampenlicht zurück

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Michael Schneider auf Augenhöhe mit Lenin.

Stendal – Lenin soll aus der Ecke zurück ins Rampenlicht. Michael Schneider und Mitstreiter wollen dem russischen Weltrevolutionär ein Fundament gießen lassen und die Statue am Eingang des Stendaler Landesfeuerwehrmuseums an der Arneburger Straße auf einen Sockel heben.

Einen ideologischen Grund dafür gebe es nicht, beteuert der Vorsitzende des Vereins Feuerwehrhistorik gegenüber der AZ und lacht herzhaft. Die übermannshohe Figur aus Granit musste 1991 den heutigen Nachtigalplatz räumen und fristet seitdem im Museum ein Schattendasein. An einigen Stellen hat sie bereits Moos angesetzt.

Der Kommunist ist Teil eines Projektes, das an deutsch-sowjetische Nachkriegsgeschichte erinnern soll. In der Besatzungszone und damit auch in Stendal wollten die neuen Machthaber für die Organisation des Löschwesens ein Dekret heranziehen, das Lenin nach der Oktoberrevolution in Russland mitverfasst habe, erläutert Schneider. „Ein solcher Brandschutz ist fast durchgehend militärisch aufgestellt und in großen Teilen eine reine Berufsfeuerwehr. Das Prinzip der Freiwilligkeit, wie es in Deutschland vorherrscht, steht dem entgegen.“ Es kam anders. Eine Tafel neben Lenin soll an die Überlegungen erinnern.

Hündin Bora passt auf den Koloss auf.

Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, starb 1924. Den Weltkrieg und alles, was danach geschah, hat er nicht mehr mitbekommen. Der marxistische Theoretiker und Führer der Bolschewiki passt für Schneider ob dessen Brandschutz-Planspiele dennoch gut ins Museum. Das Feindbild der freien bürgerlichen Welt steht momentan besonders sicher im Gehege von Bora. Die Belgische Schäferhündin schlägt kurz und ausreichend an, wenn Fremde den Hof betreten. Besonders nachts, wenn sich niemand auf dem Gelände befindet, soll sie für Sicherheit sorgen.

Die Einrichtung ist in Deutschland eine der ersten Adressen regionaler Feuerwehrforschung. „Am Nachtigalplatz, dem früheren Leninplatz, hat Lenin nach dessen Neugestaltung nicht mehr hingepasst. Wir machen ihn wieder passend“, kündigt der 64-Jährige an. Von Ende der 1960er-Jahre bis 1977 stand laut Schneider eine Bronzeplastik an der Raw-Kreuzung, die Steinfigur ersetzte sie. Lenin soll von Schmutz und Schmierereien befreit werden. Schneider rechnet mit Kosten von insgesamt 3000 Euro. Unterstützer und Sponsoren seien bei dem Projekt willkommen. Anfang 2020 sollen die Arbeiten beginnen.

Die Farbe Rot tragen Kommunisten wie Brandbekämpfer ins Feld. „Forscher wie ich betonen die inhaltlichen Schnittpunkte, die es nun einmal gibt.“ Dass dies manchem Bürger nicht ausreichen könnte, um Lenins Renaissance zu verstehen, will und kann Schneider nicht ganz ausschließen.

Den steinernen Riesen vor mehr als 25 Jahren vor der Zerstörung bewahrt zu haben, bereut der Feuerwehr-Historiker nach wie vor nicht, im Gegenteil. Viel zu viele Denkmäler seien in Ostdeutschland nach der politischen Wende entsorgt worden. „Wir sollten uns auch ein Stück dieser Epoche bewahren, das hilft zudem für die Zukunft“, ist er im Gespräch mit der AZ überzeugt.

VON MARCO HERTZFELD

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